Firmenporträt

Hier wird der Kunde zum Mitarbeiter

Thalmann Carrosserie in Bülach erweckt alte ­Raritäten zu neuem Leben. Kunden können für ihre Oldtimer einen Garagenplatz mieten und bei der Restauration gleich selber helfen.

Diesen rechtsgesteuerten Sunbeam Tiger baut Roger Thalmann gerade in einen linksgesteuerten Wagen um.

Diesen rechtsgesteuerten Sunbeam Tiger baut Roger Thalmann gerade in einen linksgesteuerten Wagen um. Bild: Bruno Fuchs

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Eben fährt ein Spengler ein gelbes Ferrari-Cabriolet aus der Werkstatt und lenkt dieses auf den Vorplatz der Thalmann Carrosserie. Mit einem letzten aufbäumenden Röhren verstummt der Motor. Daneben, an einer an den Vorplatz grenzenden Hauswand, lagern zwei Tiger-Zusatztanks eines Militärjets. Rechts davon steht ein Garagentor offen. Geschäftsführer Roger Thalmann weist mit dem Zeigefinger in diese Richtung und sagt: «Hinter dem NSU TT ist ein Sunbeam Tiger mit V8-Motor, 4,2 Liter, aufgebockt. Er ist rechtsgesteuert, wir bauen ihn zu einem linksgesteuerten Wagen um.»

Erst kürzlich verliess ein restaurierter Aston Martin – Cabriolet – den Werkplatz, der sich an der Feldstrasse in Bülach befindet. Wert des Schmuckstücks: rund eine halbe Million Franken.Thalmanns Unternehmen bietet Komplett- und Teilrestaurationen von Oldtimern an, erstellt Dokumentationen der Restauration, ist behilflich bei der Ersatzteilsuche und schätzt ein, ob eine Restauration des Wagens lohnenswert ist.

Damit die Kosten und der zeitliche Aufwand nicht unbezahlbar werden, hält Thalmann seine Kunden über die Restaurierungsarbeiten stets auf dem Laufenden. «Bei der Spengler- und der Malerarbeit muss man mit je zwischen 50 und 300 Stunden rechnen. Dazu kommt die Arbeit an den mechanischen und elektrischen Teilen», rechnet der Geschäftsführer vor. Um herauszufinden, ob sich eine Restauration aber überhaupt lohnt, empfiehlt er das Trockeneisstrahlen der Karosserie. Dadurch werden nicht reparierbare Stellen offengelegt.

Neues Mitmachkonzept

Für Kunden, die selber gernean der Restaurierung ihres Schmuck­stücks mitarbeiten würden, hat Roger Thalmann nun ein neues Angebot. Der Kunde zahlt eine Platzmiete von 400 Franken und kann dafür die komplette Inneneinrichtung der Werkstatt inklusive Spenglerei benutzen. Bei Arbeiten, die den Handgriff des Fachmanns be­nötigen, steht ihm Roger Thalmann oder einer der Mitarbeiter zur Seite.

Für den Geschäftsführer hat dieses Modell nur Vorteile: «Der Kunde sieht, woran wir arbeiten, kann den Aufwand nachvollziehen und hat am Schluss geringe-re Kosten.» So werde eine Restauration auch für jene Autofans erschwinglich, die kein dickes Portemonnaie haben.

Erst kürzlich verliess ein pensionierter Autoliebhaber die Garage mit seinem Fiat Topolino. Während rund eines halben Jahres hatte er fast fünf Stunden täglich an seinem Liebling gearbeitet. Dabei half ihm Thalmann mit Rat und Tat.

Champagner statt Benzin

Als weiteren Schritt erweitert der Bülacher Unternehmer nun seinen Betrieb. Derzeit entsteht ­gerade ein Neubau mit drei weiteren Abstellplätzen.

Beim Gang durch seine Werkstatt zeigt er immer wieder auf Raritäten: So dient ein V8-Motor mit in den Zylindern eingelagerten Champagnerflaschen und mit einer Glasplatte versehen als Bistrotisch, oder in einer Zapfsäule ist eine Kaffeemaschine eingebaut. Und dann sind da noch die beiden Tiger-Zusatztanks: Aus dem einen wird ein Grill und aus dem anderen ein Cheminéeofen.

Roger Thalmann geht bei der Auftragsannahme sogar so weit, dass er Küchen lackierte oder sich an die Farben eines Klavierflügels wagte.

Wer jetzt glaubt, da sei ein Bastler am Werk, der täuscht sich. Thalmann ist gelernter Lastwagenmechaniker und Autolackierer, arbeitete mehrere Jahre als Autospengler, Schlosser und Schreiner. Es ist die pure Leidenschaft für Antikes, die ihn zum Restaurationsspezialisten gemacht hat und mit welcher er heute die Menschen in seinem Umfeld begeistert. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.05.2018, 16:29 Uhr

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