Adventskalender

Hinter dieser Tür verbringen die Gefangenen im Durchschnitt 42 Tage

3. Dezember: Es gibt bestimmt schönere Orte, an denen man die Adventszeit verbringen könnte, doch auch in der Zelle 2311 des Flughafengefängnis kommt in den nächsten Tagen und Wochen ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung auf.

Die Gefangenen wohnen jeweils zu zweit in den Zellen. Wer will, darf die Wand über dem Bett mit persönlichen Bildern gestalten.

Die Gefangenen wohnen jeweils zu zweit in den Zellen. Wer will, darf die Wand über dem Bett mit persönlichen Bildern gestalten. Bild: Sibylle Meier

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Zwei Betten, ein Tisch, ein kleines Bad und ein Kleiderschrank. Mehr Möbel befinden sich nicht in der 12,2 Quadratmeter grossen Zelle. Das Fenster ist vergittert, im kleinen TV-Gerät läuft Ed Sherrans Musikvideo «Galway Girl» und auf dem Tisch liegen ein paar Bananen, Orangen und eine Tube Mayonnaise. Der Raum hinter der massiven Tür des Flughafengefängnis ist eine Zweier-Zelle der Ausländerrechtlichen Administrativhaft, im Volksmund auch «Ausschaffungshaft» genannt.

Im Durchschnitt verbringen die Insassen hier 42 Tage, maximal 18 Monate. Sie warten darauf, bis sie in ihr Herkunftsland ausgeschafft werden, quasi also bis der Flieger bereit steht. «Unsere Leute sind aber keine Straftäter», betont Rico Vincenz, Abteilungsleiter der Administrativhaft. Es gilt deshalb auch keine Arbeitspflicht. Jeweils von 8 bis 17 Uhr sind die Zellen geöffnet und die Insassen trainieren zum Beispiel im Fitnessraum, nehmen gemeinsam ihr Mittagessen ein oder gehen für einen Spaziergang ins Freie. Auch die Besuchszeiten sind relativ locker. «Die werden rege genützt und wer keine Angehörigen oder Freunde hat, wird von Freiwilligenorganisationen besucht», erklärt Vincenz.

Rätoromanisch als Vorteil

Allgemein nehmen Gespräche eine grosse Rolle ein im Gefängnisalltag. «Wir müssen unseren Leuten immer wieder erklären, warum sie hier sind.» Praktisch ist, dass die Angestellten über 30 Sprachen sprechen. Auch seine eigenen Sprachkenntnisse konnte der gebürtige Bündner schon anwenden: Mit einem Rumänen verständigte er sich kurzerhand auf Rätoromanisch.

Rico Vincenz und sein Team legen grossen Wert darauf, dass im Gefängnis eine gute Stimmung herrscht. «Wir sehen uns als Dienstleister für die Migrationsämter und möchten ein Vorbild für andere Gefängnisse sein.» Obwohl 80 Prozent der Gefangenen Muslime sind, werden auch christliche Feste gefeiert – wenn auch vor allem kulinarisch. So gibt es am 24. Dezember einen Schoggisamichlaus und am 1. Januar einen Panettone. Auch die Weihnachtsfeier stösst jeweils auf grossen Anklang. Weil der Raum nicht genügend Platz für alle Interessierten bietet, wurde sie in den vergangenen Jahren gleich drei Mal nacheinander durchgeführt.

Erstellt: 02.12.2019, 15:48 Uhr

Morgen öffnen wir diese Tür.

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