Dielsdorf

Hoffen auf eine olympische Medaille

Daniel Sorg reist demnächst mit der Schweizer Delegation an die World Summer Games von Special Olympics nach Abu Dhabi. Der 25-Jährige spielt Golf und nimmt bereits zum zweiten Mal an Olympischen Spielen für beeinträchtigte Menschen teil.

Hauptberuflich arbeitet Daniel Sorg für verschiedene Abteilungen in der Werkstatt von Vivendra. An den Special Olympics in Abu Dhabi will er eine Medaille in der Disziplin Golf holen.

Hauptberuflich arbeitet Daniel Sorg für verschiedene Abteilungen in der Werkstatt von Vivendra. An den Special Olympics in Abu Dhabi will er eine Medaille in der Disziplin Golf holen. Bild: PD

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Noch sitzt Daniel Sorg an seinem Arbeitsplatz in der Stiftung Vivendra in Dielsdorf und stülpt Plastikhüllen über die Klingen von Sparschälern. Er ist aber bereits etwas aufgeregt wegen der bevorstehenden Reise nach Abu Dhabi. Dort finden vom 14. bis 21. März die Wettkämpfe der diesjährigen Special Olympics statt (siehe Kasten). Die Selektion ist zwei Tage vorher anlässlich der World Games.

Der 25-Jährige ist vom Williams-Beuren-Syndrom (WBS) betroffen. Dieses beeinträchtigt unter anderem seine Hirnleistung und die Feinmotorik. Zudem hat er einen schwachen Muskeltonus. Doch Golf spielen gehört zu seinem liebsten Hobby. Seit 2012 arbeitet er in der Werkstatt der Stiftung Vivendra. Im Herbst 2016 ist er in eine Aussenwohngruppe der Stiftung in Dielsdorf gezogen.

Training im Rafzer Golfclub Rheinblick

Die Eltern von Daniel Sorg und der zwei Jahre jüngere Bruder Stephan spielen Golf. Er selber hat mit acht Jahren mit diesem Sport angefangen. Heute trainiert er einmal pro Woche beim Golfclub Rheinblick in der Nähe von Rafz auf der deutschen Seite. «Im Winter ist es aber zu kalt. Die Saison beginnt erst im April wieder», sagt er. Mit einer Betreuerin zusammen spiele er manchmal auch Minigolf «zum Aufwärmen».

Der junge Mann fährt zudem sehr gern Ski. «Andere Jahre ging ich im Januar ins Skilager.» Diesmal klappte es allerdings nicht, weil der erste Tag der Ferienwoche zugleich der letzte des Golf-Trainingswochenendes in Tenero war. «Im September waren wir schon in Luzern, um uns auf die Special Olympics vorzubereiten.» Das sei strenger gewesen, als wenn er nur zum Plausch spiele.

Eigentlich würde Daniel Sorg auch gern im Unihockey-Team mitspielen. Nebst der Arbeit, dem Golf, dem Saxophonunterricht und den Proben in der Band Noi Insieme fehlt ihm aber einfach die Zeit dazu. Golfen passt ihm aber ganz gut, und er freut sich, diesmal wieder Teil der Special Olympics Delegation aus der Schweiz zu sein.

Vor acht Jahren Bronze in Athen geholt

Vor acht Jahren gewann Daniel Sorg die Bronze-Medaille bei den World Summer Games von Special Olympics in Athen. Mindestens so gut abschneiden will er auch dieses Jahr in Abu Dhabi. Eine Medaille ist sein Ziel. «2015 in Los Angeles habe ich nicht teilgenommen, da sind andere mitgegangen.» Aber in den USA war er trotzdem schon. «Wir haben meinen Bruder in St. Louis besucht, er wird dort 2021 an einer Uni die Ausbildung zum Chiropraktiker abschliessen», erzählt er.

Rund 30 Coaches begleiten die über 60 Athletinnen und Athleten nach Abu Dhabi. Daniel Sorg sagt: «Wir fliegen alle gemeinsam. Der Flug dauert rund sieben Stunden.» Die Busfahrt bis zum Hotel dann noch einmal etwa vier Stunden. Von dort werden die Teilnehmenden jeweils zu den Austragungsorten ihrer Sportart gefahren.

Gedanken macht sich Daniel Sorg wegen den warmen Temperaturen in den Arabischen Emiraten. «Das ist nicht so gut für mein Herz.» Er fügt aber sogleich an, dass es sicher erträglich sein werde. «Wir haben ja ein bisschen Zeit, uns ans Klima zu gewöhnen.»

Maximal 14 Golfschläger dürfen mit

Noch gut zwei Wochen dauert es bis zur Eröffnungsfeier am 14. März. Daran nehmen die Schweizer Sportlerinnen und Sportler in einem einheitlichen Tenü teil. Daniel Sorg ist stolz auf die Ausrüstung, die er zur Verfügung gestellt bekommt. Er nimmt seine eigenen Golfschläger mit. «Es dürfen maximal 14 im Bag sein. Die Auswahl muss ich vor dem Abflug treffen.» Auch die Schuhe gehören ihm. Er besitzt mehrere Paare, die für die unterschiedliche Beschaffenheit des Untergrunds ein anderes Profil aufweisen. «In Abu Dhabi wird es bestimmt nicht regnen», weiss der Golfspieler. «Die wasserfesten Schuhe kann ich also zu Hause lassen.»

Erstellt: 25.02.2019, 17:56 Uhr

Special Olympics

Special Olympics ist eine weltweit tätige Sportbewegung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Eunice Kennedy Shriver hat die Organisation 1968 in den USA gegründet.

Special Olympics Switzerland (SOSWI) erhält von Special Olympics International eine Quote für die Anzahl Sportler, die an die World Games reisen können. SOSWI schreibt die Games bei den Coachs aus, die sich bis zu den National Games bewerben können, die jeweils vor den World Games stattfinden. Für die aktuellen Wettkämpfe war das im Mai des vergangenen Jahres in Genf.

Bei der Selektion geht es darum, dass jeder Sportler und jede Sportlerin mit Beeinträchtigung die Möglichkeit hat, dabei zu sein.

Die Bedingungen für die Coachs für die Teilnahme sind unter anderem Kompetenz und Erfahrung in der jeweiligen Sportart und Erfahrung in der Führung einer Sportgruppe mit geistig beeinträchtigten Menschen. Die Athleten müssen ihren Wettkampf selbstständig meistern können.

Ein Coach betreut jeweils drei bis vier Teilnehmende. Die Schweizer Delegation für die diesjährigen World Games vom 14. bis 21. März in Abu Dhabi besteht aus 94 Personen in 12 Sportarten. Das Divisioning findet vom 12. bis 17. März statt.

Insgesamt nehmen rund 7500 Athletinnen und Athleten aus 190 Ländern teil. (bag)

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