Hüntwangen

Holzfäller und Baumeister in einem

Ein Spaziergang zu einer Biberburgam Landbach flankierte die Sonderausstellung zum Biberim Hüntwangener Dorfmuseum.

Alice Wassmer von der Biberfachstelle Kanton Zürich brachte den Besuchern das Revier des Bibers am Landbach näher.

Alice Wassmer von der Biberfachstelle Kanton Zürich brachte den Besuchern das Revier des Bibers am Landbach näher. Bild: Sibylle Meier

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Der Volksmund sagt dem Biber einen gewissen Fleiss nach. Das ist auch nicht verwunderlich, denn mit wie viel Mühe das Nagetier ganze Flussläufe für sich gemütlich einrichten kann, beeindruckt. Wer einem Biberdamm beim sonntäglichen Spaziergang entlang eines Flusses entdeckt, der muss diesem Tier zugestehen, ein hervorragender Baumeister zu sein.

Wenn man dem Biber ein Lob aussprechen will, reise man an den Landbach zwischen Hüntwangen und Wasterkingen. Dort hat sich seit mindestens zehn Jahren eine Biberfamilie niedergelassen. Das Dorfmuseum Hüntwangen hat sich dieses Jahr auch wegen des nahe liegenden Biberreviers davon inspirieren lassen und eine Sonderausstellung organisiert, die jeweils am ersten Sonntag im Monat öffnet.

Ursula Sigrist, Direktorin der Museumskommission von Hüntwangen, ist sichtlich begeistert von dem Nagetier und meint: «Die Ausstellung ist für die ganze Familie.» Zahlreiche Infotafeln und Biberrepliken machen sie aber auch gerade für Schulklassen lehrreich und attraktiv.

Beinahe ausgerottet

Im Zuge der Sonderausstellung im Dorfmuseum fand dann auch am letzten Sonntag ein Spaziergang entlang des Landbachs statt, um die Spuren des Bibers live zu entdecken. Denn davon finden sich am Landbach genug. Alice Wassmer, die Rangerin des Neer­acherrieds und stellvertretende Leiterin der Biberfachstelle des Kantons Zürich, ist die Expertin, welche die Teilnehmenden des Spaziergangs mit allerlei Informationen und witzigen Anekdoten rund um den Biber versorgte.

Der Biber ist, wie auch seine Bauten, in der Schweiz geschützt. Denn bis in die 50er-Jahre war das Nagetier in der Schweiz quasi ausgerottet. Gejagt wurde es wegen seines dichten und weichen Fells, der Duftdrüse an seiner Kloake, mit welcher es sein Revier markiert und welche Stoffe beinhaltet, die medizinisch nützlich sein sollten – und nicht zuletzt wegen seines Fleisches.

Denn gerade in der Fastenzeit, als die mittelalterlichen Mönche nur Fisch essen durften, bot das Tier mit dem schuppigen SchwanzAbwechslung auf dem Esstisch, nachdem der Papst den Nager offiziell als Fisch definiert hatte. Seit mehr als 60 Jahren aber wurde der Biber wieder angesiedelt in der Schweiz und seit der Jahrtausendwende sieht es auch wieder besser aus mit der Schweizer Biberpopulation.

Flussrenaturierung umsonst

Auch am Landbach lebt nun eine emsig werkelnde Biberfamilie in ihrem Revier. Nicht schwer ist es, ihre Holzfällerfähigkeiten zu sehen. Am ganzen Flusslauf sind angeknabberte Bäume und Stecken und in kurzen Abständen teils eindrucksvolle Dammbauten. Diese bauen die Nager, damit das Wasser zum Schwimmen eine für sie angenehme Tiefe hat.

Die Angst, dass diese Bauten den Fluss über die Ufer treten lassen und die angrenzenden Felder überfluten könnten, ist auch der Biberexpertin wohlbekannt. Wassmer meint: «Wenn wir einen Fall haben, in dem eine Gefahr droht, dann versuchen wir einen Kompromiss zu finden.» Entweder werden Rohre durch den Damm gezogen, damit das Wasser ablaufen kann, oder aber der Damm wird elektrisch abgezäunt, damit der Biber daran nicht weiterbaut.

Am Landbach herrscht imMoment kein Handlungsbedarf. Einfach nur mit Sorge dem dämmerungs- und nachtaktiven Tier zuzusehen, ist nicht nötig. Die stehenden Gewässer hinter einem Biberdamm sind ein ideales Biotop für viele weitere Tierarten. Zudem sorgt der Biber für einen stetigen Nachschub von Totholz. Wassmer meint: «Wir renaturieren gerade viele Flüsse für viel Geld. Der Biber macht diese Arbeit gratis.»

Am Ende des Spaziergangs stehen die gut 20 Teilnehmer beeindruckt vor der Biberburg, einem grossen Haufen aus Erde und Ästen direkt am Wegesrand. Darin wird sich die hiesige Familie wohl gerade von ihrer ausgedehnten Bau- und Fresstätigkeit erholen. Wer dem Biber so nah kommen will, dem sei ein Ausflug an den Landbach und ein Besuch des Hüntwangener Dorfmuseums empfohlen. Dort kann man sich selbst überzeugen, wie fleissig so ein Nagetier ist.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.04.2018, 13:37 Uhr

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