Bachs

«Holzmarkt muss vernünftig sein»

Die Schäden, die der Borkenkäfer in den Unterländer Wäldern zurzeit anrichtet, übertreffen sogar jene aus dem Vorjahr. In Bachs, zum Beispiel, richtete der Förster ein Notlager mit zurzeit 1200 Kubikmetern Fichtenholz ein.

Der Bachser Förster Roland Steiner musste in Bachs ein Notlager für Fichten einrichten, die vom Borkenkäfer befallen sind. Damit sich die Schädlinge nicht weiter vermehren können, müssen solche Polter mindestens 500 Meter vom Wald entfernt stehen.

Der Bachser Förster Roland Steiner musste in Bachs ein Notlager für Fichten einrichten, die vom Borkenkäfer befallen sind. Damit sich die Schädlinge nicht weiter vermehren können, müssen solche Polter mindestens 500 Meter vom Wald entfernt stehen. Bild: Paco Carrascosa

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Die Rundholzlager der Sägereien sind proppenvoll. Die Windstürme Burglind, Evi und Friederike, die in der ersten Januarhälfte durch die Zürcher Unterländer Wälder gefegt sind und tausende Fichten zu Boden warfen, haben den Holzmarkt überschwemmt. Hinzu kommt, dass schon vergangenes Jahr tausende Kubikmeter Holz anfielen, die wegen dem Borkenkäferbefall notgeerntet werden mussten.

Käferholz noch und noch

Dieses Jahr setzt der Buchdrucker – so der wissenschaftliche Name dieser Borkenkäferart – seinen Zerstörungsfeldzug noch vehementer fort. Als Grund nennt Roland Steiner, Förster des Reviers Egg-Ost-Stadlerberg, die extreme Wärmephase und die anhaltende Trockenheit, die dieses Jahr viel länger angedauert hat und immer noch andauert. «Jetzt im August haben wir schon so viel Käferholz notgeerntet wie im ganzen 2017, nämlich rund 1300 Kubikmeter. Bis Mitte Oktober werden es gut 2000 Kubikmeter sein», erklärt Steiner.

Auch in benachbarten Forstrevieren fiel viel Käferholz an. In den von Förster Urs Büchi betreuten Wäldern der Gemeinden Oberweningen, Regensberg, Schöfflisdorf mussten bisher rund 300 Kubikmeter befallenes Fichtenholz gerüstet werden. Im Forstrevier von Förster Patrick Schibli, das die Wälder der Gemeinden Niederweningen, Schleinikon und Niederhasli umfasst, fielen rund 450 Kubikmeter Schadholz an.

Keine Panikverkäufe

«Die Januar-Stürme haben viel zu viel Holz auf den Markt geworfen – auch im Ausland. Die Holzmärkte in Mitteleuropa sind übersättigt», sagt Steiner. Die Sägereien seien hierzulande sehr solidarisch mit den Waldbesitzern und Förstern gewesen und hätten wesentlich mehr Holz übernommen als üblich. «Doch jetzt sind ihre Lager voll, mehr Holz können sie einfach nicht annehmen», sagt der Bachser Förster. Und da wie üblich die Nachfrage den Preis bestimmt, sind die Holzerlöse in den Keller gefallen.

«Die Holzkette muss jetzt vernünftig bleiben», erklärt Steiner und meint damit, dass das anfallende Holz nicht zu Tiefstpreisen verschleudert werden darf. Deshalb richten viele Förster Notlager ein, die auf längere Zeit ausgerichtet sind in der Hoffnung, dass sich die Holzpreise wieder erholen werden.

In Bachs hat Roland Steiner ein solches Lager beim Friedhof eingerichtet. Bis zur Stunde lagern dort rund 1300 Kubikmeter Stämme der Rottanne, wie die Fichte auch genannt wird. Dieses Lager, das auf gepachtetem Land einer Obstanlage steht, werde noch wachsen und bleibe mindestens bis kommenden Frühling stehen.

Rasch aus dem Wald

Diese Holzlager an ungewohnten Orten dienen dazu, die Vermehrung und Verbreitung des Borkenkäfers einzudämmen. «Wichtig ist, dass die befallenen Bäume so schnell wie möglich samt Käfern aus dem Wald geschafft werden», sagt Steiner. Dadurch wird auch verhindert, dass sich die entwickelten Käfer im Spätherbst in den Boden zur Überwinterung zurückziehen. Im Kampf gegen den Schädling übernimmt der Kanton Zürich einen Transportanteil von 10 Franken pro Kubikmeter Käferholz, das aus dem Wald abtransportiert worden ist. Im Nachbarkanton Aargau, zum Beispiel, sei dafür noch keine staatliche Hilfe erhältlich.

Das von Borkenkäfern verursachte Schadbild. Es zeigt die Innenseite einer Fichtenrinde. Sichtbar sind auch einige Larven und Puppen des Käfers.

Der enorme Druck, den der Kampf gegen den Käfer auf alle Beteiligten ausübt, hat auch Folgen für die Forstequipen. Die Ernte von Käferholz besteht nämlich vor allem aus schwerer Handarbeit, da die Befallsnester sehr verstreut auftreten. «Es ist für die Forstwarte extrem belastend, ihre ohnehin harte Arbeit bei dieser Hitze in voller Schutzmontur zu leisten», sagt der Bachser Förster. «Sie fangen morgens um 6 Uhr an und arbeiten bis zum Mittag. Am Nachmittag verrichten sie andere Arbeiten.»

Die Fichte verschwindet

Windstürme und Borkenkäfer dezimieren den Fichtenbestand des Zürcher Unterlands – und nicht nur dort – mit zunehmendem Tempo. «Es findet eine Entfichtung des Waldes statt», sagt Steiner. Die Rottanne, die bisher bezüglich Rendite auch als Brotbaum des Waldbesitzers bezeichnet wurde, stammt ursprünglich aus den Gebirgsgegenden. Die für Kalamitäten wie etwa dem Käferbefall anfälligen Fichtenmonokulturen verschwinden hierzulande zusehends.

Doch welche Bäume sollen künftig die Fichte als Bauholzlieferant ersetzen? Im Hinblick auf die anhaltenden Auswirkungen des Klimawandels setzen die Förster auf Arten wie Weisstanne, Eiche oder Douglasie. Steiner zeigt sich jedoch überzeugt, dass in der Schweiz das Angebot an Fichtenholz noch lange ausreichen werde, zumal in den Alpen grosse Vorräte dieser Baumart nachwachsen. Überhaupt werde noch zu wenig Holz genutzt, sagt Steiner. «Jährlich wachsen in der Schweiz etwa 10 Millionen Kubikmeter Holz nach, geerntet wird aber davon nur etwa die Hälfte.»

Erstellt: 23.08.2018, 15:28 Uhr

Stefan Rechberger, Kreisforstmeister (Bild: PD)

HOLZPREIS SINKT MASSIV

Das Unterland ist von der Borkenkäfer-Invasion besonders betroffen ist. Stefan Rechberger erklärt weshalb und sagt was nun höchste Piorität hat.

Wie stark sind die Unterländer Wälder im Vergleich zu anderen Regionen von der Borkenkäfer-Invasion betroffen?
Stefan Rechberger: Die geschätzte Käferholzmenge liegt derzeit bei knapp 20 Prozent einer Jahresnutzung, was fast dieselbe Menge ist, die der Sturm Burglind im Januar im Unterland geworfen hat. Das Zürcher Unterland ist tendenziell stärker betroffen, da die Niederschlagsmenge hier geringer ausfällt und teilweise flachgründige Kiesböden vorkommen.

Was können Förster tun, um den Schaden, den der Käfer anrichtet, zu begrenzen?
Das befallene Holz muss möglichst rasch aus dem Wald entfernt werden, um ein Übergreifen auf bisher gesunde Fichten zu verhindern. Das Holz sollte danach umgehend verarbeitet werden. Wenn dies nicht möglich ist, soll es mindestens 500 Meter vom nächsten Fichtenbestand entfernt gelagert werden.

Weshalb ist schnelles Handeln so wichtig?
Ziel ist es, das befallene Holz mitsamt den Käfern unter der Rinde möglichst rasch abzutransportieren, bevor die Käfer ausfliegen und weitere gesunde Fichten befallen.

Was bedeuten die Schäden für Waldbesitzer und Holzkooperationen, auch finanziell?
Durch das Überangebot an Käferholz sinkt der Holzpreis massiv und deckt kaum mehr die Erntekosten. Neben fehlenden Erlösen sind die Waldeigentümer auch mit den Kosten für allfällige Pflanzungen und die zukünftige Pflege des Jungwaldes konfrontiert.

Das beliebteste Opfer des Borkenkäfers ist die Fichte. Hat sie im Wald überhaupt noch eine Zukunft?
Die Fichte wird insbesondere an schlecht mit Wasser versorgten Standorten zurückgehen. Ihre Bedeutung als Brotbaum wird wohl abnehmen. Der Fichtenanteil im Zürcher Unterland wird sinken. Im Mischwald, auf feuchten Standorten, wird die Fichte aber weiterhin vorkommen.

Durch welche Bäume soll die Fichte ersetzt werden?
Im Kanton Zürich gibt es eine flächendeckende Kartierung der Waldstandorte mit Baumartenempfehlungen. Je nach Standort können das Eichen, Ahorne, Buchen, Weisstannen oder Douglasien sein. Wichtig ist, eine Mischung aus verschiedenen Baumarten anzustreben, um das Risiko zu minimieren.

Die Schweizer Sägereien sind bis auf weiteres ausgelastet, der Holzpreis tief. Sollen die Förster warten oder ins Ausland exportieren?
Auch im angrenzenden Ausland sind die Sägereien durch Käferholz ausgelastet und der Export wäre auch nur zu tiefen Preisen möglich. Wichtig ist, dass bis zur vollständigen Verwertung des nun anfallendenKäferholzes möglichst wenig zusätzliches frisches Fichtenholz auf den Markt kommt.
Interview: Daniela Schenker

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