Bülach

Hündchen auf Schoss kostet hohes Bussgeld

Eine Rentnerin, die acht Hunde ungesichert im Auto transportierte, wehrte sich vor Gericht vergeblich.

Der Transport mehrerer Pekinesen wurde zum Fall fürs Bülacher Bezirksgericht.

Der Transport mehrerer Pekinesen wurde zum Fall fürs Bülacher Bezirksgericht. Bild: pixabay

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Sie liebe ihre Hunde und wolle diese sicher nicht gefährden, versicherte die 76-jährige Frau der Richterin am Bezirksgericht Bülach wiederholt. Dort erschien die pensionierte Sekretärin am Dienstag in Begleitung ihres Anwalts. Sie wehrte sich gegen einen Strafbefehl des Statthalteramts und die damit verbundene Busse von 300 Franken.

Diese war ihr bei einer Polizeikontrolle in einer Unterländer Gemeinde im Frühling 2017 aufgebrummt worden. Am Steuer sass die Beschuldigte, ihre Freundin reiste auf dem Nebensitz. Mit an Bord waren insgesamt acht Hunde, allesamt ungesichert, wie die Polizistin in ihrem Rapport festhielt. Einer der Pekinesen habe beim Anhaltevorgang auf dem Schoss der Fahrerin gesessen, ein weiterer zwischen den Vordersitzen und ein dritter sei just im Moment der Kontrolle nach vorne gesprungen. Die fünf Hunde der Freundin reisten in einem Korb unter dem Beifahrersitz.

Bei Uniformen wird gebellt

«Alles frei erfunden, ich weiss nicht, wo die Polizistin das herhat», sagte die Beschuldigte: «Meine Tiere reisen immer angegurtet auf dem Rücksitz», beteuerte sie. Es stimme einzig, dass sie sie einen der Hunde beim Ausrollen mit einem Griff nach hinten losgeschnallt habe. «Immer, wenn er jemanden von der Exekutive sieht, beginnt er zu bellen», erklärte die Frau ihr Verhalten. «Wenn ich ihn losmache, ist er und damit das ganze Rudel ruhig.»

Was denn die Polizistin dazu bewogen haben könnte, festzuhalten, die Tiere seien ungesichert im Auto gewesen, wollte die Richterin wissen. Sie habe sich auf sie eingeschossen, vermutete die Hundehalterin. «Ich habe schon gemerkt, dass wir das Heu nicht auf der selben Bühne haben.» Ihr Anwalt forderte einen Freispruch. Auch er übte Kritik an der Polizistin. So habe es diese es unter anderem unterlassen, Fotos der Sicherungsleinen auf dem Rücksitz zu machen und die Beifahrerin im Protokoll zu erwähnen. Ausserdem habe sie der Beifahrerin später mit einem Verfahren gedroht, sollte diese etwas anderes aussagen, als im Protokoll festgehalten sei. «Das spricht für ein Jagdfieber dieser Polizistin», sagte der Verteidiger.

«Polizistin glaubhafter»

Die Richterin sprach von einigen Schönheitsfehlern im Polizeiprotokoll. «Man muss jedoch sagen, dass die Aussagen der Polizistin trotzdem glaubhafter bleiben und sicher nicht frei erfunden sind.» Das Gericht sah es als erwiesen an, dass mindestens drei der Hunde ungenügend gesichert waren. Man könne nicht einfach so nach hinten greifen und blind den «richtigen» Hund losschnallen. Auch wenn man alleine auf die Aussagen der Beschuldigten abstützen würde, führe dies zu einem Schuldspruch. Es verstosse gegen das Strassenverkehrsgesetz, wenn man Tiere, die den Lenker stören könnten, ungesichert in einem sich bewegenden Auto transportiere. Die Frau, die von der AHV und der Unterstützung ihres Partners lebt muss nun zusätzlich zur Busse von 300 Franken eine Gebühr von 600 Franken sowie die Anwaltskosten bezahlen.

Erstellt: 03.09.2019, 18:27 Uhr

Hunde gelten als Ladung

Für Hunde gibt es in der Schweiz gemäss einem Bundesgerichtsurteil von 2011 keine Gurtenpflicht – was aber nicht heisst, dass sie einfach so herumkutschiert werden dürfen. Für das Mitführen von Hunden gelten dieselben gesetzlichen Bestimmungen wie für die Ladung von Fahrzeugen. So schreibt das Strassenverkehrsgesetz vor, dass die Ladung so anzubringen ist, dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht herunterfallen kann. Ausserdem hat der Fahrzeugführer dafür zu sorgen, dass er weder durch die Ladung noch auf andere Weise behindert wird. (dsh)

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