Steinmaur

«Ich dachte ans Aufgeben»

Das Unwetter vom 30. Mai dieses Jahres wird für unzählige Unterländer unvergessen bleiben. Die Zerstörung war enorm, aber auch die Solidarität danach. So auch bei Barbora Greiner, deren zerstörtes Tanzstudio in Steinmaur erst Ende November wieder bezugsfertig wurde.

Barbora Greiner erlebte zuerst den Schock über ihr zerstörtes Tanzstudio, dann die grosse Solidarität beim Wiederaufbau.

Barbora Greiner erlebte zuerst den Schock über ihr zerstörtes Tanzstudio, dann die grosse Solidarität beim Wiederaufbau. Bild: Balz Murer

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Als das Unwetter Ende Mai mit massivem Regen, Riesenhagelkörnern und Blitz und Donner über das Unterland zog, durchlebten unzählige Unterländer dramatische Augenblicke.

So auch die Regensbergerin Barbora Greiner. Die 46-Jährige betreibt seit sechs Jahren in Steinmaur am Burgweg 4 das Tanz- und Bewegungsstudio Die Mühle. Die Yogastunde ihrer Mitarbeiterin war gerade im vollen Gange – Entspannung wäre eigentlich das Motto gewesen. Aber innerhalb von Sekunden füllte sich der Tanzraum mit Wasser- und Erdmassen, die sich vom Fischbach und den dahinterliegenden Felder Richtung Burgweg durch den Keller des Wohnhauses ihren zerstörerischen Weg ins Untergeschoss gebahnt hatten.

«Das Wasser stand den Kursteilnehmerinnen bereits bis zu den Oberschenkeln, bevor sie gerade noch durch die Tür flüchten konnten», beschreibt Greiner die Schreckensminuten, die sie am Telefon mitbekommen hatte. Am Schluss stand das Wasser im Raum ein Meter sechzig hoch.

Aber damit nicht genug. Zuerst hiess es nämlich für Greiner ihren Keller in Regensberg vom einströmenden Wasser zu befreien, Schachteln und Koffer in Sicherheit zu bringen und dafür zu sorgen, dass der Heizungsraum nicht überflutet wird. Erschwerend kam hinzu, dass sie auf zwei fünf- und neunjährigen Kinder schauen musste und ihr Mann nicht zuhause war.

Helfer in Gummistiefeln als Lichtblick

Als sie am nächsten Morgen zu ihrem Tanzstudio fuhr, blieb sie zuerst einmal minutenlang fassungslos im Auto sitzen. Das Bild, das ich ihr bot war schrecklich: Der Tanzsaal, der Aufenthaltsraum und die Kinderspielecke waren komplett zerstört. Die Gewalt der Schlamm- und Wasserlawine sei dermassen gross gewesen, dass sogar eine Zwischenwand niedergedrückt worden war, erzählt die immer noch fassungslose Barbora Greiner. In diesen Minuten dachte sie ans Aufgeben: «Jetzt ist Schluss mit meinem Traum der Tanzschule», ging es ihr in diesem Moment durch den Kopf, «das kann ich nicht alleine stemmen.»

Und dann sah sie die Leute in Gummistiefeln. Die Yogagruppe vom Vorabend und weitere Helfer waren vor Ort und begann zu retten, was es noch zu retten gab. Gummibälle, Matten sowie Tische und Bänke konnten aus dem Schutt befreit werden. So überwältigend der Schock für die ausgebildete Tanzpädagogin und Choreographin war, so überwältigend empfand sie die Solidaritätswelle, die Freunde, Kursteilnehmerinnen und auch Eltern der Kindertanzgruppen ihr entgegenbrachten.

«Das war dann der Moment wo ich dachte, nein, du kannst nicht aufgeben. Diese Tanzschule ist für viele Erwachsene und Kinder ein kleines Zuhause geworden. Das will ich erhalten.» Aber wo die nächsten Tanzstunden erteilen?

Als ein Geschenk des Himmels bezeichnete Greiner dann das Angebot, vorübergehend in den ehemaligen Räumlichkeiten der Mosterei Brunner an der Hauptstrasse 2 in Steinmaur ihr Tanzstudio einzurichten. «Susanna Levi, eine Yogaschülerin, hat mir diesen wertvollen Kontakt geknüpft», sagt Greiner dankbar.

Ohne Helfer wäre es nicht gegangen

So fiel ihr ein Riesenstein vom Herzen, zumal die finanziellen Konsequenzen aus einer längeren Schliessung ihres Tanzstudios ausblieben. Innerhalb eines Wochenendes wurde im Provisorium ein neuer Tanzboden verlegt. Auch hier konnte sie auf viele Helfer zählen. «Was ich noch genau weiss», erzählt Greiner und immer noch kommen die Emotionen hoch, «am Montag in der ersten Tanzstunde waren alle da und in dieser Stunde sind mir die Tränen geflossen. Es war die absolute Erschöpfung und ein Art Schockstarre.» Diese habe mehrere Wochen angehalten.

Daneben begannen die aufwendigen Aufräumarbeiten im eigentlichen Tanzstudio, dann musste der Raum drei Monate trocknen. Anfang September konnte mit dem Wiederaufbau gestartet werden und Ende November konnte sie zum ersten Mal in den neu ausgebauten Tanzstudio Pilates unterrichten.

«Ein überwältigender Moment», wie sie sagt. Überwältigt zeigt sich Barbora Greiner heute noch von der Solidarität, die ihr in den Monaten nach dem Ereignis entgegengebracht wurde. «Unzählige Menschen haben geholfen und viele haben Geld oder Material gespendet. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft», sagt sie dankbar.

Erstellt: 30.12.2018, 17:49 Uhr

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