Bülach

«Ich folge meinem Herzen und trete nochmals an»

Mark Eberli (EVP) will im April 2018 als Stadtpräsident von Bülach wiedergewählt werden. Er sieht seine Stadt zwischen Bülach Nord und Digitalisierung Baustellen – und er wünscht sich von den Bülachern eine Wertorientierung.

Mark Eberli stellt sich für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender von Bülachs Exekutive zur Verfügung.

Mark Eberli stellt sich für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender von Bülachs Exekutive zur Verfügung. Bild: Balz Murer

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Mark Eberli, Sie kandidieren 2018 noch einmal als Stadtpräsident von Bülach. Dabei befindet das Parlament erst am 26. Juni über die EVO*. Sie wissen noch gar nicht, wie viel Sie künftig verdienen würden.
Mark Eberli Ich hab vor den Wahlen 2014 bereits gesagt, dass die Strukturen für die Zukunft fit

gemacht werden müssen –  auch bezüglich Behördenentschädigungen. Und ja, ich bin nach wie vor klar der Meinung, dass der Stadtrat eine faire, den heutigen inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen angepasste Entschädigung erhalten sollte. Ich folge jedoch meinem Herzen und habe mich entschieden, unabhängig von diesem Entscheid nochmals anzutreten.

Welche Chance hat die EVO vor dem Gemeinderat?
Ich bin zuversichtlich, dass eine Mehrheit des Parlaments die jetzt abgespeckte Version als einen vertretbaren Schritt anerkennt – und damit auch die Wertschätzung für den zukünftigen Stadtrat. Man muss auch sehen, dass die letzte Anpassung vor 18 Jahren stattgefunden hat. Seither hat sich Vieles verändert, die Einwohnerzahl ist von 13 800 auf 20 000 gewachsen und die Herausforderungen werden in Zukunft nicht kleiner.

Stadtpräsident sind Sie seit drei Jahren, im Stadtrat sitzen Sie seit 2006. Warum wollen Sie noch im Sessel bleiben?
Ich mach die Arbeit als Stadtpräsident leidenschaftlich gern – und ich hab so viel angestossen, so viel Grundlagenarbeit gemacht und merke jetzt, dass ich eigentlich mittendrin bin.

Mitten worin?
In verschiedenen Bereichen. Die Wirtschaftsstrategie, an der wir gerade arbeiten, ist eine wichtige Grundlage für die Stadt- und Quartierentwicklung, die mir ein besonderes Anliegen ist. Der notwendige Ausbau des Schulraumes ist ein grosses Thema, nicht zuletzt das zentrale Verwaltungsgebäude, das jetzt abstimmungsreif ist für September. Da hatte ich die Federführung und würde das auch gerne abschliessen.

«Wenn wir die Wertschätzung als Wert definieren, dann muss uns daran gelegen sein, dass wir das auch vorleben.» 

Mark Eberli, EVP Stadtpräsident von Bülach

Worum geht es bei der Stadtentwicklung?
Darum, Bülachs Quartiere zusammen mit der Bevölkerung zu entwickeln. Dafür werden wir als Erstes im Herbst «Werkstätten» durchführen. Da geht ums Zentrum mit der Bahnhofstrasse, der Kasernenstrasse und der Altstadt mit all den Läden und Geschäften. Diesen Kern von Bülach wollen wir stärken. Und dafür ist auch die Wirtschaftsstrategie wichtig. Wir werden uns auch mit Bülach Nord beschäftigen, da wo jetzt die Baugespanne stehen.

Um den Norden zu entwickeln reicht aber eine Legislatur nicht.
Das ist wohl richtig. Allerdings wird man auf dem Guss-Areal innerhalb der nächsten vier Jahre mit dem Bezug beginnen. Wir wollen im schnellen Wachstum die Integration aller Neuzuzüger fördern. Aber da sind noch andere Herausforderungen wie das gemeinsame Wirken als Zentrum des Unterlands mit der Region.

Der «Stapi» Mark Eberli würde also 2018 bis 2022 mehr und mehr zu einem «Stapi» der Kreisgemeinden?
Nein, das nicht. Aber ich glaube, dass die Zusammenarbeit ein starkes Thema bleiben wird.

Aber es gibt doch praktisch kein Bülacher Thema mehr, das Hochfelden oder Bachenbülach nicht betrifft.
Wir sind heute schon in sehr vielen Bereichen gemeinsam engagiert: Im Gemeindepräsidentenverband diskutieren wir zum Beispiel das Thema der funktionalen Räume; also die Frage, wo welche Leistungen erbracht werden. Mit der nächsten Echoraum-Veranstaltung beschäftigen wir uns mit dem gemeinsamen kommunalen Richtplan der Kreisgemeinden.


Wo würden Sie in Bülach selbst die Prioritäten sehen?
Stärkung des Zentrums, neue Quartiere ins Stadtleben integrieren, Freiräume einladend gestalten und Begegnungsorte schaffen. Abgesehen von unserem Wachstum wird uns die immer schnellere Digitalisierung der Gesellschaft beschäftigen. Parallel dazu ist mir eine Werteorientierung enorm wichtig.

….das heisst?
Das heisst, dass wir uns überlegen müssen, welche Werte uns für unser Zusammenleben von Bedeutung sind. Gegenseitige Wertschätzung, Verantwortung, Hilfsbereitschaft, Zusammenarbeit, um nur einige davon zu nennen. Da will ich Schwerpunkte setzen, Bülach als «werteorientierte digitale Stadt» verstehen, als Smart City.


Und wie geschieht das? Schreibt der Stadtrat einfach ein Konzeptpapier für die Schublade?
Wir wollen die Digitalisierung und den Umgang miteinander clever kombinieren. Für mich gehört zu jedem Schwerpunkt eine Art Aktionsplan. Bülach war bei vielen Aspekten der Digitalisierung, bei vielen Neuerungen vorne dabei: E-Voting, E-Umzüge. Das ist gut. Aber parallel dazu ist wichtig, dass man den zwischenmenschlichen Umgang miteinander positiv pflegt.

Der Stadtrat soll zwischenmenschliche Werte per Konzept verordnen?
Nehmen wir an, wir definieren als Stadt die gegenseitige Wertschätzung als einen solchen Wert. Dann muss uns daran gelegen sein, dass wir das vorleben. Innerhalb der Politik, aber auch bei den Vereinen, im Gewerbe, den Kirchen... Letztlich können sich alle Einwohner Gedanken dazu machen, was ihr persönlicher Beitrag sein könnte, damit der Wert gelebt und sichtbar wird. Klar, verordnen lässt sich das nicht. Aber ich möchte die politische Kultur noch mehr zu einem Miteinander prägen.


Sie haben vorher all die offenen Bülacher Baustellen aufgezählt. Woher nimmt der Stadtrat in der nächsten Legislatur überhaupt die Zeit, eine solche philosophische Wertedebatte zu führen?
Das ist nicht in erster Linie eine Zeitfrage. Wie gesagt, wir müssen das in erster Linie leben. Die Leute sollen durch gemeinsam erarbeitete, praktische Schritte dazu ermutigt werden. In Mitten von Wachstum und Digitalisierung geht es um Menschen, die in unserer Stadt zusammenleben


Mit Blick auf die Wahlen 2018 ist bisher bekannt, dass Ihre Ratskollegen Jürg Hintermeister (FDP) und Willi Meier (SVP) nicht mehr antreten werden und dafür Andres Bührer (BSB) ins Rennen steigen will. Wie gross schätzen Sie die Konkurrenz auf dem Wahlticket ein?
Schwierig zu sagen. Ich wünsche mir gereifte, souveräne Persönlichkeiten und Teamplayer, die sich im Stadtrat konstruktiv engagieren. Auf der anderen Seite weiss ich von Leuten, die fähig wären, sich aber unter der jetzigen Entschädigungsverordnung das Amt nicht leisten können. Und das ist in meinem Demokratieverständnis sehr schade.

Da sind Kandidaturen sind vom EVO-Entscheid abhängig?
Ja, einzelne. Das muss man so sagen. Und nicht zuletzt darum habe ich das Vertrauen ins Parlament, dass es sich hier seiner Verantwortung bewusst ist und die Rahmenbedingungen für die Wahlen 2018 so setzt, dass alle fähigen Leute kandidieren können.

Erstellt: 14.06.2017, 17:42 Uhr

Das Politikum EVO

Der Bülacher Gemeinderat wird am Montag, 26. Juni, über die Revision der Entschädigungsverordnung (EVO) entscheiden. Ein erster Vorschlag, die Stadträte im Teilamt statt im Nebenamt zu beschäftigen und entsprechend höher (total 640 000 statt heute 367 000 Franken) zu entlöhnen, stiess bei den Bürgerlichen auf Widerstand. Jetzt liegt eine schlankere Fassung (total 485 000 Franken) vor. Anläufe, die Entschädigung der Stadträte anzuheben, waren 2006, 2009 und 2012 gescheitert. red

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