Dällikon

«Ich fühlte mich in beiden Dörfern zu Hause»

Fast acht Jahre lang hat Heike Radtke als Pfarrerin die Kirchgemeinde Dällikon-Dänikon betreut. Jetzt tritt sie eine neue Stelle als Seelsorgerin bei der Deutschen Bundeswehr an.

Demnächst zieht Heike Radtke aus dem Dälliker Pfarrhaus aus und lässt sich 1000 Kilometer nördlich nahe der dänischen Grenze nieder.

Demnächst zieht Heike Radtke aus dem Dälliker Pfarrhaus aus und lässt sich 1000 Kilometer nördlich nahe der dänischen Grenze nieder. Bild: Johanna Bossart

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Am 1. November wird Heike Radtke in der Kaserne in Stadum, Schleswig-Holstein erwartet. Wie sie ihre neue Aufgabe als Seelsorgerin für die Mitglieder der Deutschen Bundeswehr umsetzt, kann sie selber entscheiden. «Ich springe mit beiden Füssen rein, ohne zu wissen, was mich erwartet», sagt sie. Aber das sei schon so gewesen, als sie aus Deutschland in die Schweiz kam.

Der Abschied ist nicht einfach

Der Zusammenschluss von Regensdorf, Buchs und Dällikon-Dänikon zur Kirchgemeinde Furttal vor gut einem Jahr war für Heike Radtke der Anstoss, sich um eine neue Stelle zu kümmern. «Ich fühle mich in den beiden Dörfern zu Hause», erklärt die 58-Jährige. «Durch die Fusion hat sich die Struktur verändert. Es gibt viel mehr Bürokratie, für mich passt das nicht mehr.» Deshalb hat sie ihre Stelle auf Ende Oktober gekündigt. «Seither habe ich viel positives Feedback erhalten. Auch von Menschen, mit denen ich nicht regelmässig zu tun hatte. Das hat mich gefreut.» Der Abschied werde ihr nicht leichtfallen.

«Ich springe mit beiden Füssen rein, ohne zu wissen, was mich erwartet.»Heike Radtke

Dass sie zurück nach Deutschland geht - und erst noch ganz hoch in den Norden, wo sie schon immer hinwollte - bezeichnet die Pfarrerin als Fügung. Geplant habe sie es nicht. Sie war auf ein Stellenangebot als Militärseelsorgerin auf dem Schiff gestossen. «Das hätte mich sehr gereizt. Doch weil ich an Rheuma leide, hatte ich keine Chance.» Sie wurde an die Verantwortlichen der Kaserne Stadum verwiesen, wo die Militärseelsorge erst im Aufbau ist. Dort kann Heike Radtke nun ganz neu anfangen. Sie muss keine Uniform tragen und ist nicht in die militärische Hierarchie eingebunden.

Rund 1600 Menschen arbeiten insgesamt in der Kaserne Stadum, etwa ein Drittel sind Frauen. «Sie sind in keiner Ortsgemeinde eingebunden und befinden sich in einer speziellen Lebenssituation, da sie häufig umziehen.» Zu den Aufgaben der Pfarrerin gehört der Lebenskundeunterricht, den sie frei gestalten kann. Familienarbeit ist ein weiteres Thema, und natürlich wird sie auch Gottesdienste abhalten.

65 Meter Bücher müssen mit

Ausser ein paar Kisten, die im Pfarrhaus in Dällikon herumstehen, merkt man noch nicht viel vom bevorstehenden Umzug. Heike Radtke zeigt auf die gefüllten Bücherregale in ihrem Arbeitszimmer und sagt: «Das sind noch nicht alle. Insgesamt nehmen die Werke 65 Meter ein.

Das Verpacken steht noch bevor.» Noch weiss sie nicht, wie sie ihren Hausrat auf 125 Quadratmeter Fläche an ihrem neuen Wohnort Leck, nur wenige Kilometer von der dänischen Grenze entfernt, unterbringen soll. Bisher hatte sie immer mehr Platz. Doch auch darüber zerbricht sie nicht jetzt schon den Kopf. Irgendwie klappe es dann schon.

Vermissen werde sie den Bauern um die Ecke, bei dem sie frische Milch holen konnte, die SBB mit ihrer Zuverlässigkeit und die typischen Haus-Briefkästen. «Vielleicht nehme ich einen mit als Souvenir. In Deutschland gibt es so etwas nicht.» Heike Radtke blickt mit Freude und Dankbarkeit auf die Jahre in Dällikon zurück. «Die Projekte mit den Aslysuchenden laufen sehr gut. Auch «Fiire mit de Chline» hat sich bestest entwickelt. Es war eine schöne Zeit.» Obwohl sie in der Schweiz mehr verdiente und früher pensioniert worden wäre als in ihrer Heimat, will sie die neue Herausforderung annehmen. Der Abschied ist endgültig, zwischen Dällikon und Leck liegen rund 1000 Kilometer.

Der Abschiedsgottesdienst von Pfarrerin Heike Radtke findet am Sonntag, 29. September, um 10 Uhr in der Kirche Dällikon statt.

Erstellt: 19.09.2019, 10:56 Uhr

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