Dielsdorf

«Ich habe meinen Platz in der Weltspitze gefunden»

Jan van Berkel hat mit Rang 11 an der Ironman-WM auf Hawaii sein Karriere-Bestresultat erreicht. Doch damit gibt sich der Dielsdorfer Langdistanz-Triathlet noch nicht zufrieden.

Abgekämpft, aber glücklich: Der Dielsdorfer Jan van Berkel im Zielraum des Ironman Hawaii in Kona.

Abgekämpft, aber glücklich: Der Dielsdorfer Jan van Berkel im Zielraum des Ironman Hawaii in Kona. Bild: Getty Images

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Jan van Berkel, wie fühlen Sie sich drei Tage nach den 3,9 Kilometer Schwimmen, deren 180 Velofahren und 42,2 Laufen am Ironman Hawaii?

Jan van Berkel: Etwas müde, begleitet von einem rechten Muskelkater fast überall. Sie erreichen uns (mit Ehefrau Sarah van Berkel-Meier, die Red.) auf der Retourreise, beim Zwischenstopp in San Francisco. Es passt sehr gut, hier zu sein. Wir können uns etwas bewegen, an der Fisherman’s Wharf spazieren, die Stadt anschauen, shoppen. Das entsteift die Beine, bevor wir wieder in die «Blechröhre» steigen. In die tollen Parks, die sich für Sport prächtig eignen, zieht es mich aber nicht.

Die psychische Erholung dürfte leichterfallen nach dem starken 11. Rang. Wie beurteilen Sie Ihr Rennen nun, mit etwas Distanz?

Es ist mein bisher bestes Rennen gewesen. Das macht mich stolz. Optimal aber war es nicht. Das Schwimmen, das ich als Zehnter aller Profis beendet habe, hat meinen Ansprüchen entsprochen. Auf dem Velo habe ich dagegen einen schlechten Tag erwischt. Und dann ist noch ein Defekt dazugekommen. Diese 4:32:09 Stunden (30.) galt es mental zu überbrücken. Aber im Marathon konnte ich einmal mehr meine neuen Qualitäten abrufen. Mit 2:47:36 Stunden habe ich die viertbeste Zeit geschafft, auf einzelnen Abschnitten war ich sogar der Schnellste. Hätte mir das vor zwei Jahren jemand prophezeit, ich hätte ihn als Utopisten bezeichnet, gesagt: Du spinnst.

Ihr 11. Schlussrang ist demnach ein Grosserfolg, oder?

Ein super Resultat für mich, ja. Zumal ja erst sieben Schweizer Männer in der gut 40-jährigen Ironman-Hawaii-Geschichte besser klassiert gewesen sind. Endlich konnte ich zeigen, was ich wollte. Konnte zeigen, dass ich zur Weltelite zähle. Bitter nur: Zum 10. Platz haben nur 1:42 Minuten gefehlt.

Bitter wegen der Top 10?

Zum einen, ja, Aber dieser eine Rang hat auch finanzielle Folgen. Als Zehnter hätte ich ein Preisgeld von 10000 Dollars erhalten. Als Elfter bin ich leer ausgegangen. Aber dieser Frust hat auch sein Gutes. Er bedeutet: Ich muss zurückkommen nach Kona und zeigen: Ich kanns noch besser. Und bezogen auf meine Sponsoren: Die wissen sowieso, dass Jan van Berkel anderes zu bieten hat als nur das nackte Resultat.

Wie ist es derzeit mit dem Essen: ungewöhnliche Gelüste?

Ja. Die Nach-Ironman-Zeit ist auch die Zeit für die geheimen Essenswünsche. So habe ich mir heute zum Frühstück typische US-Würstchen gegönnt, einen Speck-Teller, ein grosses Omelette mit Avocado-Toast. Und viel Kaffee. Oder gestern noch auf Big Island zum Abendessen: einen grossen Burger mit Coconut-Shrimps. Das ist fast wie ein Hangover, ein Kater – einfach ohne vorherigen Alkoholexzess. Alles schön deftig. Als Profi-Triathlet liegt das sonst nicht drin.

Und was ist kulinarisch tabu?

(lacht) Zurzeit alle Sportgetränke. Um sie mache ich einen grossen Bogen.

Das wird sich bald wieder ändern. Wie lange dauert die Regenerationsphase?

Für zwei Wochen gilt: nichts bis wenig tun. Es folgen zwei Wochen als Hobbysportler: mich bewegen mit Kollegen. Dann starte ich den Wiederaufbau. Und das Schöne daran: Jetzt kann ich endlich mein Versprechen gegenüber Sarah erfüllen und mit dem Herrichten des Kinderzimmers Ernst machen. (Das Paar erwartet Anfang Jahr Nachwuchs, die Red.).

Jan van Berkel auf der 180 Kilometer langen Radstrecke. Auf dem Velo ortet der Dielsdorfer das grösste Steigerungspotenzial. Foto: Getty Images

Wie sieht das Triathlon-Jahr 2020 für Sie aus?

Dazu etwas zu sagen, ist noch zu früh. Ich werde das alles mit meinem australischen Trainer diskutieren. Fürs Erste: Er hat signalisiert, dass er zufrieden ist mit mir.

Auch ohne genaue Vorstellung von der nächsten Saison: Hawaii dürfte erneut das Saisonziel darstellen.

Das ist sicher. Und klar ist, dass ich noch besser abschneiden will. Am Samstag habe ich gezeigt: Ich habe alle Möglichkeiten, um gut zu sein.

Wo sehen Sie am meisten Potenzial?

Auf dem Velo. Im Schwimmen kann ich mich mit den Besten messen. Ebenso im Marathon. Dort habe ich Fortschritte gemacht, die ich auf Hawaii und seine besonderen Anforderungen ummünzen konnte. Auf dem Velo aber habe ich zu viel Zeit eingebüsst. Ich will mir einen höheren Grundspeed in der Ebene aneignen. Dazu muss ich einen Schritt vorwärts punkto Fahrtechnik machen. Gelingt mir das bei gleichzeitigem Halten meiner Stärken, kann ich auf Hawaii ganz vorne mitmischen. Mit diesem Resultat ist klar: Ich habe meinen Platz gefunden in der Weltspitze.

Erstellt: 16.10.2019, 17:54 Uhr

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