Regensdorf

Im Kampf gegen Elterntaxis sind den Behörden die Hände gebunden

Um sie vor dem Verkehr zu schützen, fahren viele Eltern ihre Kinder selbst zur Schule. Damit gefährden sie aber andere Schülerinnen und Schüler.

Die Elterntaxis sorgen an den Schulen für Frust und Verwirrung. Für viele Schülerinnen und Schüler stellen sie eine Gefahr dar.

Die Elterntaxis sorgen an den Schulen für Frust und Verwirrung. Für viele Schülerinnen und Schüler stellen sie eine Gefahr dar. Bild: Archiv

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«Luege, lose, laufe.» Über 15000 neue Erstklässerinnen und Erstklässer gehen diese Woche zum ersten Mal in die Schule. Oft werden sie anfangs noch von ihren Eltern begleitet, bald müssen sie aber selbstständig in die Schule und wieder zurück laufen. Der eigene Schulweg entpuppt sich in den ersten Wochen als ein kleines Abenteuer für die Kinder. Hier lernen sie, mit gefährlichen Situationen, aber auch mit Verantwortung umzugehen. Viele Eltern schätzen das Risiko als zu hoch ein, weshalb sie ihre Kinder selbst bis vor die Schule fahren – und damit die anderen Schülerinnen und Schüler gefährden.

Mehr Kontrollen

Die sogenannten Elterntaxis sorgen bei den Schulen, Gemeinden und besorgten Eltern seit geraumer Zeit für hitzige Diskussionen. Die erhöhte Fahrzeugaktivität an den Schulhäusern und den umliegenden Quartieren führt dazu, dass gerade unerfahrene Schülerinnen und Schüler in gefährliche Situationen geraten.

In Regensdorf sorgte jüngst ein Elterntaxi für einen Fast-Unfall, welcher auch an der Gemeindeversammlung im Juni thematisiert wurde. Gemeinden und Schulen versuchen wiederholt, die Eltern auf derartige Gefahren hinzuweisen. Zumal Verbote nur schwierig umzusetzen sind. Die Hinweise sind jedoch erfolglos geblieben. Die Eltern zeigen sich meist nicht sehr einsichtig, weshalb die Polizei verstärkt zum Einsatz kommt.

«Mit dem Beginn des neuen Schuljahres intensivieren die Gemeindepolizisten in Regensdorf ihre Patrouillentätigkeit im Bereich der verschiedenen Schulhäuser und unterstützen damit die kantonsweite Schwerpunktaktion ‹Schulanfang›», erklärt Karin Lomartire, Leiterin Sicherheit in Regensdorf. Die Polizisten würden dabei auch das Gespräch mit Fahrzeuglenkenden der Elterntaxis suchen.

«Man hat die Erfahrung gemacht, dass einzelne Halteverbote bei Schulhäusern Elterntaxis und die dadurch entstehenden gefährlichen Situationen eher verschieben als unterbinden»Karin Lomatire, Leiterin Sicherheit Gemeinde Regensdorf

Dabei werde betont, wie wichtig es sei, dass die Schülerinnen und Schüler den Schulweg alleine zurücklegen. Ausserdem können so unerwünschte Situationen beim Parkieren im sensiblen Bereich um die Schulhäuser verhindert werden. Durch das dadurch geweckte Verständnis müssen nur in seltenen Fällen Bussen oder Anzeigen ausgesprochen werden.

In Opfikon hat man es geschafft, den Elterntaxis teilweise Einhalt zu gebieten. Dort herrscht seit einigen Jahren ein temporäres Halteverbot vor den Schulhäusern an der Dorf- und der Giebeleichstrasse. Ab Schulbeginn werden für einen Monat Halteverbotsschilder aufgestellt.

Bis 120 Franken Busse

Bei Schulanfang erhöht die Stadtpolizei die Schulwegkontrollen und zeigt vermehrt Präsenz vor den Schulhäusern. Zudem wird die Polizei die Einhaltung des Verbotes bei Schulbeginn und -ende kontrollieren und fehlbare Autolenker büssen. Die Busse beträgt 80 Franken für das Halten und 120 Franken für das Parkieren.

Ein solcher Ansatz wurde auch in Regensdorf geprüft. Bereits im Frühling versuchte man, in einzelnen Bereichen von Schulhäusern Halteverbote zu signalisieren. Die Sicherheitsabteilung stand diesbezüglich in Kontakt mit der zuständigen Kantonspolizei. «Man hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass einzelne Halteverbote bei Schulhäusern Elterntaxis und die dadurch entstehenden gefährlichen Situationen eher verschieben als unterbinden», erklärt Lomartire. «Solche Signalisationen müssen in einem Gesamtkontext geprüft und realisiert werden.

«Grundsätzlich ist das kein polizeiliches Problem. Solange sich jemand an die Verkehrsregeln hält, greifen wir nicht ein.»Ralph Hirt, Mediensprecher Kantonspolizei Zürich

Eine grossflächige Bekämpfung der Elterntaxis steht bei der Kantonspolizei Zürich nicht an. «Grundsätzlich ist das kein polizeiliches Problem», erklärt Mediensprecher Ralph Hirt. «Solange sich jemand an die Verkehrsregeln hält, greifen wir nicht ein.» Die Beurteilung des Schulwegs obliege den Schulbehörden, die ansonsten Alternativen anbieten müssen. Dennoch ist auch die Kantonspolizei gegen die Elterntaxis und lässt dies von ihren Jugendinstruktoren vermitteln. Die Präventionsabteilung befürwortet wie die Gemeinden und Schulen das selbstständige Begehen des Schulweges.

Erstellt: 20.08.2019, 23:23 Uhr

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