Bülach

Im Kino über den Tod nachgedacht

Am Dienstagabend diskutierten Fachleute im Kino Bambi darüber, was schwer kranke Menschen am Lebensende benötigen. Im Anschluss daran wurde der Film «Sub Jayega» gezeigt.

Angeregte Diskussion: Jürg Spielmann, Mirko Thiene, Daniel Burger-Müller, Fabian Biaiso und Monika Obrist (v.l.)

Angeregte Diskussion: Jürg Spielmann, Mirko Thiene, Daniel Burger-Müller, Fabian Biaiso und Monika Obrist (v.l.) Bild: Sibylle Meier

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Die knapp 140 Kinosessel reichten bei weitem nicht aus, damit alle Interessierten am Dienstagabend im Kino Bambi in Bülach einen Platz finden konnten. So liessen sich einige Zuschauer auf den Treppen neben den Sitzreihen nieder. Grund für den Grossandrang war eine Podiumsdiskussion zum Thema Palliative Care und die anschliessende Vorführung des Films «Sub Jayega – die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies». Organisiert worden war der Anlass vom Verein Palliative-Care-Netzwerk Zürcher Unterland. Auf dem Podium diskutierten unter der Leitung von Spitalseelsorger Daniel Burger-Müller der reformierte Pfarrer Jürg Spielmann, Mirko Thiene, Leiter des Kompetenzzentrums Palliative Care am Spital Bülach, Filmemacher Fabian Biaiso sowie Monika Obrist, Geschäftsführerin des Vereins Palliative ZH+SH.

Tragendes Netzwerk

Fabian Biasio, der sich mit seinem Film zurzeit auf Schweizer Tournee befindet, schilderte, wie er das Sterben seines Vaters vor fünf Jahren erlebt hatte. Dieser konnte, da bereits todkrank, nicht mehr vom Spital in ein Hospiz verlegt werden und machte seine letzten Atemzüge im Spitalbett. Liebevoll betreut, aber dennoch nicht ganz nach den Vorstellungen der Familie – mit Blick auf einen Parkplatz.

«Es braucht alle, damit man von guter Palliative Care sprechen kann.»Monika Obrist, Geschäftsführerin des Vereins Palliative ZH+SH

Mirko Thiene, seit zehn Jahren am Spital Bülach im Kompetenzzentrum für Palliative Care tätig, betonte, dass Palliative Care nur in guter Teamarbeit erfolgreich umgesetzt werden könne. «Ich verstehe mich als Dirigent», umschrieb er seine Rolle. So ist unter Palliative Care nicht nur die medizinische Betreuung zu verstehen, sondern auch die Pflege, therapeutische Angebote und der Einbezug des persönlichen Umfelds des kranken Menschen. «Es braucht alle, damit man von guter Palliative Care sprechen kann», betonte auch Monika Obrist von Palliative ZH+SH. Deshalb sei es wichtig, dass vor Ort ein tragendes Netzwerk vorhanden sei, zu welchem auch Nachbarn und Freiwillige gehörten. Denn engagierte Menschen seien ebenso wichtig wie all die Konzepte, die in den letzten Jahren im Bereich Palliative Care entstanden sind. Ein Mensch solle wählen können, wo er sterben möchte.

Wünsche erfüllen

Auch Mirko Thiene betonte, dass die Wünsche des Patienten an erster Stelle stünden. Selbst wenn diese manchmal überraschend seien. So habe man beispielsweise einmal einer todkranken Frau ermöglicht, in das Heimatdorf ihres Mannes in Kenia zu übersiedeln. Ihr Wunsch, im Kreise der Familie sterben zu können, war stärker als derjenige nach einer hervorragenden medizinischen und pflegerischen Versorgung.

Pfarrer Jürg Spielmann von der Reformierten Kirchgemeinde Bülach hat ebenfalls regelmässig Kontakt zu schwerkranken oder sterbenden Menschen. «Es ist hilfreich, wenn jemand seine Krankheit annehmen kann», erklärte er. Denn so würden Kräfte freigesetzt, dank denen man die schwierige Situation meistern könnte. Er fordere seine Gesprächspartner auch dazu auf, sich ihrer Endlichkeit bewusst zu werden und sich dem Tod zu stellen, so lange man noch lebe. Eine grosse Ressource könne dabei der «Draht nach oben» zu Gott sein. Ausserdem könne er in gewissen Fällen nur mit seiner Anwesenheit dazu beitragen, dass sich die Situation beruhige. «Manchmal braucht es ein gemeinsames, stilles Aushalten», so Jürg Spielmann.

Im Anschluss an die Diskussion erhielten die Zuschauer im Film «Sub Jayega – die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies» Eindrücke davon, wie in anderen Ländern und Kulturen mit dem Thema Tod und Sterben umgegangen wird.

Erstellt: 15.01.2020, 17:42 Uhr

Infobox

«Sub Jayega – die Suche nach dem Palliative Care-Paradies» wird am kommenden Dienstag, 21.Januar, um 20 Uhr, nochmals im Kino Bambi, Kasernenstrasse 43, in Bülach gezeigt.

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