Trockenheit

Im Unterland fliesst noch genug Wasser

Wenn ein Bach mangels Frischwasser nicht mehr fliesst, werden Fische rausgeholt und anderswo wieder eingesetzt. In diesen Wochen geschieht das im Kanton im Schnitt ­dreimal täglich. Im Unterland ist die Lage nicht ganz so prekär wie in anderen Kantonsteilen. Wassersparen ist trotzdem angezeigt.

Dieser Karpfen bei der Herzogenmühle in Wallisellen hat noch genug Wasser, um herumzuschwimmen – der Glattkanal trocknet so schnell nicht aus.

Dieser Karpfen bei der Herzogenmühle in Wallisellen hat noch genug Wasser, um herumzuschwimmen – der Glattkanal trocknet so schnell nicht aus. Bild: Leo Wyden

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Wer die Sommerferien im Unterland verbringt, erlebt nicht nur eine anhaltende Hitze, sondern auch eine anhaltende Trockenheit. Und diese Klimasituation bleibt nicht ohne Folgen für die Seen und Flüsse. Wie in der übrigen Schweiz sind auch hier die Pegelstände und die ­Abflusswerte deutlich niedriger als sonst. Der Katzensee etwa weist heute einen um 12 Zentimeter tieferen Pegel aus als noch vor einem Monat.

Auch wer sich an der Glatt, der Tössegg oder an einem Dorfbach aufhält, der stellt unschwer fest, dass da deutlich weniger Wasser vorhanden ist. Die Zahlen beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) bestätigen diese Eindrücke. «Mit Ausnahme der regulierten Gewässer haben wir aktuell überall im Kanton tiefere Pegel als üblich», sagt Remo ­Bürgi, Mediensprecher der Baudirektion.

Die Gemeinden reagieren

Welche direkten Folgen hat die momentane Trockenheit auf die Trinkwasserversorgung? Die Gemeinden reagieren durchaus unterschiedlich auf die Situation: So laufen die Autowasch­anlagen in Bülach oder Kloten munter weiter, während etwa in Stadel das Waschen von Fahrzeugen per Gemeinderatsentscheid generell verboten worden ist. Auf dem entsprechenden Flyer «Achtung, Wasserknappheit!», der in die Haushaltungen ab­gegeben worden ist, war auch die Bitte geschrieben, man möge doch lieber duschen anstatt zu baden.

«Die örtliche Wasser­versorgung liegt generell in der Kompetenz der Gemeinden», sagt Remo Bürgi. So unterschiedlich Verbrauch, Grundwasser­pegel und Versorgungsnetzwerk aussehen, so unterschiedlich ­fallen die Massnahmen und Weisungen aus. «Die Trinkwasserversorgung ist überall im Kanton sichergestellt», sagt Bürgi. «Aber natürlich ist es ganz grundsätzlich sinnvoll, die Bevölkerung für das Thema des Wassersparens zu sensibilisieren.»

Fische als schwächstes Glied

Während vom tieferen Wasserstand für den Menschen keine direkte Gefahr ausgeht, sind die Fische in diesem Zusammenhang das schwächste Glied. «Das Problem dabei ist das Frischwasser», sagt der Fischerei-Adjunkt des Kantons, Lukas Bammatter. «Wenn der Pegel sinkt, ziehen sich die Fische von allein an Stellen zurück, wo das Wasser noch möglichst tief ist.» Im Moment, da der Bach dann nicht mehr fliessend ist, fliesst in diese Gumpen und Kolken kein Frischwasser mehr nach. «Und wenn es keinen Frischwassernachfluss mehr gibt, bedeutet das, dass der Sauerstoffgehalt sinkt.»

Kommt hinzu, dass Wasser weniger Sauerstoff speichern kann, je höher seine Temperatur ist. Am Ende drohen die Fische zu er­sticken – und es hilft nur noch das sogenannte Abfischen: Dabei werden die Tiere herausgeholt und woanders wieder eingesetzt. «Wir versuchen nach Möglichkeit, sie in demselben Gewässer wieder einzusetzen», sagt Bammatter, «in den allermeisten Fällen sind das Bereiche weiter bach­abwärts.» Wie viele Fische pro Einsatz abgefischt werden, sei schwer zu beziffern. «Das ist natürlich von der Grösse des Gewässers, von der jeweiligen Stelle und von der Art der Fische abhängig. Es reicht von ein paar Dutzend bis zu 200 oder 300 Fischen.»

80 Einsätze seit Anfang Juli

Ein solches Abfischen findet dieser Tage und Wochen allein im Kanton Zürich mehrmals täglich statt: «Seit Anfang Juli sind wir mindestens schon 80-mal aus­gerückt», sagt Bammatter. Ein Vielfaches davon, was in einem durchschnittlichen Jahr anfalle. Und weil für die kommenden Wochen weiterhin Trockenheit prognostiziert wird, gehe er davon aus, dass es wohl deutlich mehr als 100 Einsätze sein werden. «Wir stehen da wirklich täglich mit allen Leuten im Einsatz, die wir haben», sagt der Fischerei-Adjunkt. Selbst die Büroleute der Verwaltung und der Ab­teilungsleiter Urs Philipp seien draussen im Feldeinsatz.

Am stärksten betroffen ist ­gemäss Bammatter das Tösstal, wo viele Zuflüsse zur Töss und an einigen Stellen sogar die Töss selbst alarmierend wenig Wasser führen. «Das Unterland hingegen ist innerhalb des Kantons sicher die am wenigsten betroffene ­Region.»

Das bestätigt auch Oliver Minder, Fischereiaufseher im Aufsichtskreis III, zu dem auch der Grossteil des Unterlands gehört. «Wir waren selber richtig erstaunt darüber, wie viel Wasser hier noch kommt.» Einen mög­lichen Grund vermutet Minder bei den Grundwasseraufstössen. So stelle auch die Töss etwa ab der Höhe von Turbenthal kein akutes Problem mehr dar und führe ­daher auch im Embrachertal ausreichend Wasser.

«Aus Bach pumpen verboten»

Gänzlich Entwarnung geben mag Minder aber auch fürs Unterland nicht. «Am Ende kann man einfach nicht gut genug abschätzen, wie sich die Lage weiterentwickeln wird.» So könnten auch in dieser Region weiterhin kleinere Bäche und Zuflüsse ein Abfischen nötig machen. Dabei ist auch die Wassertemperatur ein Faktor – und der wiederum hängt gerade bei kleineren Bächen direkt von der Wassermenge ab. «Wo das Wasser wärmer als 25 oder 26 Grad wird, ist das ein Problem für Kaltwasser wie hier verbreitete Bachforellen oder Äschen.»

Minder beobachtet bei seinen Einsätzen vor Ort aber noch ein anderes Phänomen, das ihm Kopfschmerzen bereitet: «Wir sehen immer wieder, wie Schläuche aus Flüssen und Bächen ragen.» Sprich: Leute holen sich das Wasser direkt aus dem Fliessgewässer und bewässern damit etwa ihre Gärten. Auch im Unterland komme das nicht selten vor.

«Ganz abgesehen davon, dass das Abpumpen von Fliessgewässern ganz grundsätzlich verboten ist, ist es bei der herrschenden Trockenheit ganz sicher nicht angebracht», sagt Minder. Gerade bei einem generell niedrigen Wasserstand wie im Moment sei es nicht zuletzt auch unfair den Tieren gegenüber. «Wir brauchen dieses Wasser für die Fische!» Wo man die Leute quasi in flagranti erwische, stelle man sie natürlich umgehend zur Rede. «Ich finde es immer wichtig, dass man miteinander spricht – und die meisten Personen sagen dann sofort, ihnen sei das Problem so gar nicht bewusst ge­wesen.»

Erstellt: 02.08.2018, 21:42 Uhr

Infobox

Bevor er gänzlich austrocknete, ist kürzlich auch der Altbach im Dorfteil von Bassersdorf abgefischt worden. Das hat die für den Altbach zuständige Pachtgesellschaft gestern mitgeteilt. Beim zentralen Kreisverkehr in Bassersdorf trennt sich der Bach in den Auenbach und den Altbach. Ersterer gilt als Hauptverlauf und fliesst Richtung Bahnhof. «Der Altbach führt leider nicht immer genügend Wasser, da die Wassermenge nicht regelmässig für beide Bäche ausreichend ist», schreibt der Altbach-Obmann Florian Würsten. Daher habe man ihn kürzlich abfischen müssen. Die eingefangenen Fische seien anderweitig in den Bach zurückversetzt worden, wo das Wasser kühl genug ist und ­ausreichend Sauerstoff enthält.

«Die aktuelle Trockenheit ­versetzt den Alt- und Auenbach in eine äusserst prekäre Lage», schreibt Würsten weiter. Man sei in Kontakt mit der Fischereiverwaltung. Diese würde bei einem sich abzeichnenden Fischsterben eingreifen; allerdings habe die Fischereiverwaltung alle Hände voll zu tun. «Solange bei uns noch etwas Wasser fliesst, das nicht über 22 bis 24 Grad warm ist und genügend Sauerstoff enthält, kommen wir mit zwei blauen Augen davon», sagt Würsten.

Er selbst und die übrigen Pächter würden den Bach mehrmals täglich kontrollieren. «Die gesamte Bachstrecke wird ab­gefahren und das Augenmerk auf Veränderungen und tote Forellen gerichtet.» Zudem werde überprüft, ob dem Bach kein Wasser entnommen wird. Der Obmann appelliert an die Bevölkerung, ihn umgehend zu informieren, falls im Bach verendete Fische festgestellt würden. Durch rechtzeitige Information würden Massnahmen zum Schutz der noch lebenden ­Forellen ermöglicht.

Unter anderem der Altbach bei Bassersdorf führt so wenig Wasser, dass er schon hat abgefischt werden müssen.
(Bild: PD)

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