Vermisstenfälle

Im Unterland werden zwölf Personen vermisst

Zurzeit sind im Bezirk Dielsdorf vier und im Bezirk Bülach acht Personen als vermisst gemeldet. Manche von ihnen wurden bereits für verschollen oder tot erklärt. Die Ursachen für das Verschwinden dieser Menschen sind grundverschieden.

Hier bei der Jagdhütte in Buchs wurde Kurt Loretan vor knapp zweieinhalb Jahren zuletzt gesehen.

Hier bei der Jagdhütte in Buchs wurde Kurt Loretan vor knapp zweieinhalb Jahren zuletzt gesehen. Bild: Flavio Zwahlen

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Das Verb «vermissen» ist allgegenwärtig. Fast täglich liest, sagt oder fühlt man es. Laut Rechtschreibwörterbuch Duden hat das Wort folgende Bedeutungen: Sich mit Bedauern bewusst sein, dass jemand oder etwas nicht mehr in der Nähe ist oder nicht mehr zur Verfügung steht, oder das Fehlen von etwas bemerken. Jemanden oder etwas zu vermissen, ist meist sehr emotional. Beispiele dafür sind Liebeskummer oder die Sehnsucht nach der warmen Sommerzeit. Noch viel schlimmer ist es aber, wenn eine Person, die einem nahe steht, vermisst wird. Die Ungewissheit, ob diese Menschen noch am Leben sind, ist für die Angehörigen schier unerträglich. Leider kommen solche Vermisstenfälle aber immer wieder vor. Auch im Unterland.

Weder in der Schweiz noch in China gefunden

In den Bezirken Dielsdorf und Bülach werden seit dem Jahr 2005 insgesamt zwölf Personen vermisst. Von ihnen fehlt bis heute jede Spur. Auf der Website der Kantonspolizei Zürich sind einige davon aufgeführt. Darunter auch Mei Han Forster aus Hochfelden. Sie ist bereits seit über sieben Jahren verschwunden. Aufgrund der Öffentlichkeitsfahndungen gingen zwar Meldungen von Bürgern ein, wonach die damals 43-jährige Chinesin gut ein Jahr nach ihrem Verschwinden in der Stadt Zürich gesehen worden sei. Doch die intensiven Ermittlungen der Kantonspolizei Zürich und der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich führten bislang weder in der Schweiz noch in China zum Auffinden der vermissten Frau. Für Hinweise, die zur Aufklärung des Vermisstenfalles führen, ist eine Belohnung in der Höhe von bis zu 10000 Franken ausgesetzt.

Erst wenn Mei Han Forster gefunden wird, verschwindet die Anzeige auf der Website der Kantonspolizei. Mediensprecher Ralph Hirt sagt: «Taucht eine vermisste Person wieder auf, wird die ursprüngliche Meldung auf unserer Website anonymisiert und aus der Rubrik ‹Vermisste Personen› entfernt.»

Richtung Lägern gelaufen, danach nie mehr gesehen

Ebenfalls vermisst wird Kurt Loretan (heute 69 Jahre alt) aus Buchs. Von ihm fehlt seit dem 11. Oktober 2016 jede Spur. Vor seinem Verschwinden lebte er in einer ehelichen Liegenschaft an der Mühlebergstrasse. Loretan wurde am besagten Datum bei der Jagdhütte Buchs im Beisammensein seiner Bekannten zuletzt gesehen. Besonders tragisch: An jenem Tag feierte der Buchser seinen 67. Geburtstag. Um zirka 11.55 Uhr ist er in Richtung Lägern losgelaufen und wurde daraufhin nicht mehr gesehen. Der Vermisste trug zum Zeitpunkt seines Verschwindens eine grüne Outdoor-Jacke und gutes Schuhwerk. Die Bedingungen waren an diesem Tag nicht besonders schlecht. Roger Perret von MeteoNews sagt: «Es gab einen Mix aus Sonne und Wolken, am Nachmittag ganz wenig Regen, maximal 11,5 Grad und Böen bis knapp 40 Kilometer pro Stunde am Nachmittag.»

Im Gegensatz zu Mei Han Forster wird Kurt Loretan nicht auf der Website der Kantonspolizei aufgeführt. «Die Fallverantwortlichen verzichteten auf eine Öffentlichkeitsfahndung», sagt Hirt. Die Ehefrau von Kurt Loretan möchte auf Anfrage keine Auskunft geben. Sie sagt: «Ich mag noch nicht darüber sprechen.»

Kürzlich wurde im «ZU» eine Anzeige publiziert: «Jedermann, der über das Schicksal von Kurt Loretan Auskunft geben kann, wird hiermit aufgefordert, sich binnen Jahresfrist von dieser Veröffentlichung an beim Bezirksgericht Dielsdorf zu melden», heisst es darin. Da es sich um eine Zweitveröffentlichung handelt, läuft die Frist in diesem Fall bereits in sechs Monaten ab. Bei erfolglosem Aufruf würde der Vermisste als verschollen erklärt. Derartige Verschollenenerklärungen werden in Betracht gezogen, wenn vernünftige Zweifel am Tod einer Person bleiben. Das Zivilgesetz unterscheidet zwei Fälle: die lange nachrichtenlose Abwesenheit und das Verschwinden in hoher Todesgefahr. Im ersten Fall kann die Verschollenenerklärung frühestens fünf Jahre seit der letzten Nachricht gestellt werden. Bei Personen, die in hoher Todesgefahr verschwinden, können die Angehörigen bereits nach einem Jahr ein entsprechendes Begehren beim zuständigen Bezirksgericht einreichen.

Die Leiche des Rentners ist bis heute unauffindbar

Einer der aktuellsten Vermisstenfälle im Unterland betrifft den Eglisauer Rentner Gino Bornhauser. Er wurde im August 2018 für tot erklärt. Vermisst wird er seit April 2016. Die Chancen, dass er noch lebt, stehen fast bei Null. Ein Brasilianer hat nämlich gestanden, den Rentner getötet zu haben. Nur konnte er nicht sagen, wo er die Leiche abgelegt hat. Der Tatverdächtige hat inzwischen im Gefängnis Suizid begangen. Bornhauser wurde zuletzt auf dem Parkplatz nahe der Feuerwehr Rafz-Wil gesehen. Videoaufnahmen zeigen, wie der damals 67-jährige vom jüngeren Brasilianer attackiert und übelst zugerichtet wurde. Diese Aufnahmen sowie das Geständnis des Brasilianers lassen keine vernünftigen Zweifel am Tod des Rentners übrig, weshalb er bereits für tot und nicht als verschollen erklärt wurde.

Dass die Leiche nie gefunden wurde, hatte Konsequenzen für die Angehörigen. Fragen zum Erbe, zur Auflösung der Ehe oder zu den Leistungen der Witwen-, Witwer- oder Waisenrente blieben offen. Die Familie hatte erst darauf Anspruch, als der Vermisste vom Bezirksgericht offiziell für tot erklärt wurde.

Erstellt: 20.02.2019, 17:37 Uhr

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