Wehntal

«Im Wald hat es Platz für alle, wenn man sich gegenseitig respektiert»

Seit dem 1. Juli kümmert sich der 28-jährige Jonas Sollberger um das Forstrevier Niederweningen-Schleinikon. Er koordiniert die Einsätze von vier Forstwarten und übernimmt auch selber Arbeiten im Wald.

Seit kurzem ist Jonas Sollberger zurück im Wehntal, wo er aufgewachsen ist, und übt seinen Beruf als Förster aus.

Seit kurzem ist Jonas Sollberger zurück im Wehntal, wo er aufgewachsen ist, und übt seinen Beruf als Förster aus. Bild: Balz Murer

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Dreieinhalb Jahre hat Jonas Sollberger im Kanton Thurgau gearbeitet. Jetzt ist der in Oberweningen aufgewachsene Förster ins Wehntal zurückgekehrt. «Ich habe gehört, dass die Stelle für das Forstrevier Niederweningen-Schleinikon neu zu besetzen war, und habe mich beworben», sagt er. Er wohnt jetzt in Schleinikon und freut sich, in vertrauter Umgebung tätig zu sein.

Nach seiner Lehre als Forstwart arbeitete er einige Zeit bei einem privaten Unternehmen. Dann entschloss er sich, auch noch die 18-monatige Ausbildung zum Förster in Lyss (BE) zu absolvieren. «Dieses Berufsziel zeichnete sich bereits während der Schnupperlehre ab.» Seine Motivation als Förster sieht Sollberger darin, den Wald in dessen langsamen Entwicklung mit zu beeinflussen. «Das ist etwas, das sich auf kommende Generationen auswirkt.» Er stellt sich vor, dass eine Eiche, die jetzt als junge Pflanze gesetzt wird, in 300 Jahren als stattlicher Baum immer noch da sein wird. Als Naturmensch habe er ein Interesse daran, den Wald nachhaltig mitzuprägen und dabei an die Zukunft zu denken.

Bürogemeinschaft in Schöfflisdorf

Das Forstbüro für das Wehntal befindet sich auf der Gemeindeverwaltung Schöfflisdorf. Jonas Sollberger ist einer von drei Förstern, der dort seinen Arbeitsplatz hat. «Hier erledige ich die Administration», erklärt er.

Dazu gehört unter anderem die Einsatzplanung der vier Forstwarte, die für ein Gebiet von 777 Hektaren Wald, das entspricht ungefähr der Gesamtfläche von Thuner- und Brienzersee, zuständig sind. Sollberger achtet jedoch darauf, dass er rund die Hälfte des Tages selber im Wald unterwegs ist. «Aktuell machen uns die Borkenkäfer wieder zu schaffen. Wenn wir eine befallene Rottanne finden, markiere ich sie, damit die Forstwarte sie fällen können.»

Gesundes Holz rechtzeitig ernten

Bei der Waldbewirtschaftung geht es vor allem darum, Holz zu ernten, das verarbeitet werden kann. «Das heisst, dass wir gesunde Bäume zum richtigen Zeitpunkt fällen. Das gehört zu unseren primären Aufgaben», erklärt der Förster. Dabei werde auf ein kontinuierliches Waldbild geachtet und auf grossflächige Kahlschläge verzichtet. «Die Mischung aus Freifläche, Jungpflanzen und gealterten Bäumen muss stimmen», sagt der Fachmann.

«Das Wehntal ist bekannt für seinen Eichenbestand, diese Baumart ist eher selten geworden.»



Jonas Sollberger, Förster

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Biodiversität, die gemäss Sollberger in den Wäldern des Mittellandes ohne die Bewirtschaftung durch den Menschen nicht besonders gross wäre. Waldpflege bedeute nicht zerstören, sondern Möglichkeiten zur Entwicklung schaffen. «Das Wehntal ist bekannt für seinen Eichenbestand, diese Baumart ist eher selten geworden», sagt Sollberger. «Wir wollen die guten Bedingungen erhalten und dafür sorgen, dass sie weiterhin gedeihen, zumal dieses Holz sehr gefragt ist.»

Auf Tiere Rücksicht nehmen

Jonas Sollberger hat festgestellt, dass sich die Waldtiere immer weiter zurückziehen müssen, weil es immer weniger störungsfreie Gebiete gibt. «Seit etwa 20 Jahren werden Jungpflanzen vermehrt eingezäunt, weil sie sonst von den Rehen kahlgefressen werden, da sich mehr Tiere auf kleinem Raum drängen.» Das hat auch damit zu tun, dass immer mehr Menschen den Wald für Freizeitaktivitäten nutzen. Teilweise kämen die Tiere nicht einmal mehr nachts zur Ruhe, weil Jogger und Biker ihren Sport mit LED-Lampen ausgerüstet auch im Dunkeln ausüben.

Grundsätzlich ist der Förster aber dafür, den Wald für möglichst viele Bedürfnisse im Bereich Erholung zu nutzen. «Es hat Platz für alle, wenn man sich gegenseitig respektiert.» Er selber geniesst ab und zu einen Spaziergang in seiner Arbeitsumgebung. Zu seinen Hobbys gehören zudem aktive Mitgliedschaften im Schiessverein, Knabenverein Niederweningen und bei der Feuerwehr.

Erstellt: 21.07.2019, 10:20 Uhr

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