Regensdorf

In den nächsten 30 bis 50 Jahren wächst in Regensdorf ein urbaner Kern

Ein 400-Millionen-Projekt mit zwei 75 Meter hohen Wohntürmen wird auf dem Areal «Bahnhof Nord» ennet der Gleise, vis-a-vis des Bahnhofs, entstehen. Ein Projekt für das erste Bauareal von Regensdorfs städtebaulicher Zukunft wird nun weiter entwickelt.

Raum für 5500 Bewohner und Beschäftigte wird im Regensdorfer Gebiet Bahnhof Nord in den nächsten Jahrzehnten entstehen.

Raum für 5500 Bewohner und Beschäftigte wird im Regensdorfer Gebiet Bahnhof Nord in den nächsten Jahrzehnten entstehen. Bild: Air-view.ch

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«Die fünf Teams haben sehr viel geleistet . . . Pensimo ist von der Vielfalt der Lösungsansätze begeistert», sagte Jörg Koch, CEO der wettbewerbführenden Pensimo Management AG, am Abschlussanlass der zweiten und letzten Charrette (siehe Kasten) vergangenen Montag im Rebhüsli Watt. «Der Projektrat hat eine erste Entscheidung getroffen und sich auf eine robuste städtebauliche Setzung geeinigt – die Lösung des Teams Märkli.»

Allein schon diese rasche Einigung des zwölfköpfigen Projektrats auf ein einziges Projekt hat manche Beobachter zumindest überrascht.Damit hat sich das Zürcher Team des Architekten Peter Märkli mit, unter anderen, Künstler Peter Fischli, Landschaftsarchitekt Lorenz Eugster und Lichtplaner Thomas Mika nach einer ersten Runde im April in der Schlussrunde Anfang dieser Woche mit seinem Projektvorschlag gegen die letzten vier noch im Wettstreit verbliebenen Teams aus der Schweiz und Deutschland behauptet.

Sein Projekt dient nun als Grundlage für den zu erarbeitenden Masterplan. Die daraus hervorgehenden Bauprojekte sollen wiederum von mehreren Teams ausgearbeitet und realisiert werden – entschieden ist diesbezüglich folgerichtig noch nichts.

Grundlage für weitere Planung

«Städtebau ist ein Projekt, bei dem es darum geht, tragende Strukturen zu bauen – abgeschlossen ist es nie», sagte Peter Märkli bei der Präsentation seines später vom Projektrat bevorzugten Bebauungsvorschlags für das Gretag-Areal. Von einem Siegerprojekt zu sprechen, wird vom Rat ausdrücklich abgelehnt; «Grundlage für die weitere Planung» will er es genannt haben.

Diese findet er bei Märklis Vorschlag, der das Areal hinter den beiden Türmen gegen die Wehntalerstrasse hin mit drei Gebäudezeilen über die gesamte Breite abschliesst: der Strasse am nächsten ein mehrstöckiges Gewerbegebäude, das den Verkehrslärm abhält, vorgelagert ein Wohnungsbau, und diesem wiederum gegen den grossen zentralen Freiraum vorgelagert eine niedere Loggia für Kleingewerbe, Handwerk, Imbiss etc. Entlang der Neuhardstrasse bildet ein Wohngebäude den Abschluss des Areals zwischen der zentralen Furttalpromenade und der Fernfachhochschule.

«Das Architekturbüro Märkli kann nur den Rahmen schaffen – etwas daraus machen werden die Menschen, die Zwhatt beleben.»Thomas Kurzawsky

Neben dem weiterbeförderten Projekt Märkli waren im Schlussgang der Charrette vier weitere Teams aus Zürich, Zürich/Basel, München und Leipzig vertreten. Generell lässt sich sagen: In den «Eck-Pfeilern» – den beiden Türmen und dem Gewerbebau als Lärmriegel entlang der Wehntalerstrasse – stimmten sie im Wesentlichen überein, auch entsprechend den Vorgaben des bereits bewilligten Gestaltungsplans. In Anzahl, Grösse, Platzierung, Ausgestaltung und «Besetzung» (Wohnen vs. Gewerbe) der übrigen Bauwerke auf dem Areal und ebenso in der Ausgestaltung und Nutzung der unbebauten (Grün-)Flächen unterschieden sie sich aber zum Teil erheblich.

Nach der Präsentation der fünf letzten in der Charette verbliebenen Gestaltungsprojekte durch ihre Teammitglieder und Stellungnahmen/Nachfragen vonseiten des Projektrats schritt man gewissermassen zur «Taufe» des zu neuem Leben zu bebauenden Areals. «Gretag-Areal kann es nicht mehr heissen», sagte Pensimo-CEO Jörg Koch, «dessen Geschichte ist abgeschlossen.» Es brauche nun eine neue Standortmarke, die völlig unabhängig von der Architektur Erwartungen wecken soll.

«Der Name muss zur Marke werden», sagte Thomas Kurzawsky von der österreichischen Kommunika-tionsagentur Comm.ag. Er hat den Ort zwischen Industrie und Stadt, zwischen zwei Waldstücken, «zwischen Hardhölzli und Schlatt», mit «Zwhatt» benannt. «Das Architekturbüro Märkli kann nur den Rahmen schaffen – etwas daraus machen werden die Menschen, die Zwhatt beleben.» Gemeindepräsident Max Walter, der den ganzen nun getauften Zwhatter-Prozess vor rund zehn Jahren mitinitiiert hatte, zeigte sich in seinem kurzen Grusswort «sehr berührt vom eben Gesehenen und Gehörten».

Projekt, das «verhäbt»

Den Entscheid von Pensimo, das Projekt mit dem Entwurf des Teams Märkli fortzusetzen, sieht Max Walter nach Abschluss der Charrette als «sehr positiv». Durchaus zufrieden ist er auch mit dem bis hierhin Entwickelten und Eingeleiteten: «Es ist ein Projekt, das insgesamt ‹verhäbet› – sehr stabil und zugleich flexibel und anpassungsfähig.» Er sieht auf dem Areal Bahnhof Nord in den kommenden 30 bis 50 Jahren im ländlichen Regensdorf einen urbanen Kern heranwachsen, der dazu beitragen wird, die Dorfkerne von Watt und Adlikon zu schonen – gute Aussichten, findet er.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.07.2018, 16:00 Uhr

Planungsverfahren

Mit «Charrette» wird ein Planungsverfahren zur Stadt- und Regionalentwicklung bezeichnet, das sich ursprünglich in der öffentlichen Diskussion zwischen (Bau-)Fachleuten und Bürgern entwickelte. Die Regensdorfer Charrette wickelte sich in der offenen Diskussion innerhalb von Fachgruppen und zwischen diesen ab, ohne Beisein der Öffentlichkeit. Die Gemeinde Regensdorf war an den Veranstaltungen aber vertreten.füm

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