Dietlikon

In Dietlikon hat es sich ausgetigert

Nach 34 Jahren findet die Kinderfasnacht 2018 nicht mehr statt. Die Organisatoren hatten mehrmals versucht, Nachfolger zu finden, blieb aber erfolglos. Solche Probleme kennt man auch aus anderen Gemeinden.

In Dietlikon tigern diesen Winter keine verkleideten Buben und Mädchen mehr herum: Das Fasnachtskomitee löst sich per Ende Februar 2018 auf.

In Dietlikon tigern diesen Winter keine verkleideten Buben und Mädchen mehr herum: Das Fasnachtskomitee löst sich per Ende Februar 2018 auf. Bild: Archiv

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Die Fasnacht lebt von Schnapszahlen: Am 11.11. um 11.11 Uhr ist Startschuss für Narren, Guggen, Umzug und Umtrunk. Dieser Brauch wird indes nicht in allen Gemeinden gleich hoch gehalten. Jüngstes Beispiel ist Dietlikon: Vor Kurzem gab das Fasnachtskomitee im «Kurier» bekannt, dass sich der Verein auflösen und die Kinderfasnacht schon kommendes Jahr nicht mehr durchführen wird.

Die Dietliker Kinderfasnacht ist bereits 34 Jahre alt; sie wurde 1982 von der Bürgerlichen Vereinigung Dietlikon ins Leben gerufen und hatte 1984 Premiere – mit über 400 verkleideten Kindern. Auf Initiative der Partei hin wurde dann 1996 der Verein Fasnachtskomitee Dietlikon gegründet. «Wir sind also vor zwölf Jahren in die Bresche gesprungen und organisieren die Kinderfasnacht seither», sagt das heutige Vorstandsmitglied Christa Matt. Wegen der Überalterung würde es Zeit für einen Wechsel – doch auch nach vier Aufrufen im Dorfblatt haben sich keine Personen gemeldet, die den Verein weiterführen wollen.

Dasselbe Problem in Dielsdorf

«Wir bedauern, dass es nächstes Jahr keine Kinderfasnacht gibt. Aber der Brauch ist offenbar rückläufig, nur wenige wollen für solche Anlässe Verantwortung übernehmen», schildert Matt. Während der Umzug jeweils gut besucht gewesen sei, habe sich der Aufwand für den Umtrunk und den Maskenball im Fadachersaal nicht mehr ausgezahlt.

Die Fasnacht steht auch andernorts auf wackeligen Beinen. In Dielsdorf fiel sie dieses Jahr zum ersten Mal aus, obwohl sie zu den grösseren der Region gezählt hatte und in der Gemeinde verankert war. Die Probleme liegen, wie in Dietlikon, beim Personalmangel einerseits, bei sinkenden Umsatzzahlen andererseits. «Zahlreiche Fasnachten kämpfen mit einem Besucherrückgang», schildert der ehemalige Vereinspräsident Raymond König. «Wir haben dieser Entwicklung damit entgegengewirkt, vermehrt Guggen einzuladen und das Angebot, etwa mit einem Nachtumzug, zu erweitern.» Finanztechnisch hätten sich die Feste trotzdem nicht gelohnt. Bisher habe sich in Dielsdorf auch niemand für eine Fortsetzung gemeldet.

Fest steht: Die Existenz der Fasnacht hängt am Engagement von Vereinen und begeisterten Bürgerinnen und Bürgern. Es gibt indes auch Gegenbeispiele, was es schwierig macht, eine allgemeine Entwicklung zu erkennen. Das populärste im Unterland ist die Fasnachtshochburg Bassersdorf: Sie verzeichnete letztes Jahr einmal mehr 15 000 Besucherinnen und Besucher.

«Personalmässig haben wir aber dieselben Probleme wie andere Vereine auch – einfach in einem anderen Ausmass», sagt Obernarr Rolf Zemp. Daher hat der Verein am 28. Oktober eine Achterbahn, ein Riesenrad und eine Festbeiz in der Gemeinde aufgebaut. «Wir haben gezielt Leute gesucht, die zwar einen Einsatz leisten, aber nicht Vereinsmitglied werden wollen», erklärt Zemp. Die Aktion war erfolgreich: Innert einem Tag hat der Verein zwei Dutzend Freiwillige motivieren können.

Erfolg nach Sendepause

In Wil ging die Kinderfasnacht heuer, nach zwölf Jahren Sendepause, erfolgreich in die zweite Runde. In Wallisellen ist der Anlass nach einer Pause ebenfalls wieder ein Erfolg. In Buchs hält der Verein Waynes seit 2013 die Stellung – er hat aber 2016 festgehalten, dass die Besucherzahlen an der Fasnachtsparty rückläufig sind. Finanziell sei es immer etwas eng, sagt Präsident Manuel Gründler. «Wir haben aber entschieden, das Fest durchzuführen, solange es kostendeckend ist.

Gerade die Kinderfasnacht ist dem Verein ein grosses Anliegen.» In Nürensdorf fasnächtelt es ebenfalls weiter, da die Guggemusik Kookaburra in die Bresche gesprungen ist. Auf diese Entwicklungen hofft man auch in Dietlikon. «Für den Vorstand wären vier oder fünf Personen gesucht. Dann kann es in der Gemeinde selbstverständlich wieder eine Kinderfasnacht geben», hält Matt fest. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 13.11.2017, 18:09 Uhr

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