Kloten

In Sachen Kreiselwerbung dreht sich der Kanton im Kreis

Die Verkehrsbetriebe Glattal und die Fluggesellschaft Swiss dürfen Kreisel unbefristet schmücken, der EHC Kloten nicht. Der Kanton täte gut daran, seine Bewillgungspraxis zu überdenken.

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Was soll das denn? So in etwa waren die Reaktionen hier auf der ZU-Redaktion, als diese Woche die Medienmitteilung der Verkehrsbetriebe Glattal AG (VBG) ins Haus flatterte. Darin kündigt die VBG an, dass sie ab 2020 in Kloten einen Kreisel schmücken will. In einer Glasskulptur mit eingelegtem Farbeffektglas sollen je nach Betrachtungswinkel die drei Buchstaben V, B und G sichtbar werden. Der Kanton hat den Kreiselschmuck so abgesegnet.

Nur einige Meter neben dem künftigen «VBG-Kreisel» – so wird das Projekt offiziell in der gestern publizierten Bauausschreibung genannt – liegt der Puck-Kreisel. Der überdimensionale Puck der EHC Kloten Sport AG wurde vor rund 5 Jahren erstellt. Ende Monat muss er verschwinden, weil der Kanton das Logo mitten im Riesenpuck als Werbung sieht. Es gilt also: Wenn der Kanton sagt, dass die VBG mit ihrem VBG-Kreisel keine Werbung für die VBG macht, ist das so. Und wenn der Kanton sagt, dass der EHC Kloten mit dem EHC-Kloten-Kreisel Werbung für den EHC Kloten macht, ist das auch so.

«Wenn der Kanton sagt, dass die VBG mit ihrem VBG-Kreisel keine Werbung für die VBG macht, ist das so. Und wenn der Kanton sagt, dass der EHC Kloten mit dem EHC-Kloten-Kreisel ganz sicher Werbung für den EHC Kloten macht, ist das auch so.»

Szenenwechsel: Ebenfalls in Kloten ziert seit 2011 eine rote Heckflosse mit weissem Kreuz auf rotem Grund den Kreisel, der von Bassersdorf her kommend eingangs der Stadt nicht zu übersehen ist. Aus Sicht des Tiefbauamts ist die Heckflosse nicht primär Werbung für die nationale Fluggesellschaft Swiss, auch wenn die Airline die gesamten Kosten – Experten gehen von einem 6-stelligen Betrag aus – für die Erstellung des Monuments trug. Die Heckflosse soll gemäss Kanton vielmehr ein Symbol für den in Kloten beheimateten nationalen Flughafen sein. Die Begründung: Ein Schweizer Kreuz auf einer Heckflosse sei noch bei anderen Airlines zu sehen, wie Helvetic, Ju-Air oder Rega.

Ja, das stimmt. Auch diese Airlines tragen das Schweizer Kreuz auf der Heckflosse. Wenn man aber pedantisch sein will – und Pedanterie kann dem Kanton in Kreisel-Fragen durchaus unterstellt werden –, muss man auch zugeben, dass weder Helvetic, Ju-Air noch Rega am oberen Rand der Heckflosse einen weissen Balken zeigen. Wer den weissen Balken – Tyler Brûlé sei Dank – am oberen Rand hingegen präsentiert, ist die Swiss. Aber eben: Wenn der Kanton sagt, dass die Swiss mit ihrem Swiss-Kreisel keine Werbung für die Swiss macht, ist das so – ganz egal, was der gesunde Menschenverstand sagt oder was andere denken.

Was andere zum Swiss-Kreisel denken, lässt sich so verdeutlichen: Die Walliseller Firma Frontwork, ein führender Produzent von Werbetechnik, war für die Heckflosse auf dem Klotener Kreisel verantwortlich. Das Unternehmen schreibt auf seiner Website unter dem Titel «Werbung im Kreisverkehr – Swiss Heckflosse in Kloten» Folgendes: «Taucht unmittelbar vor dem Auto eine fünfeinhalb Meter hohe Heckflosse der Swiss auf, so fährt man um einen Kreisel in Zürich-Kloten. Als Wahrzeichen unserer nationalen Fluggesellschaft schmückt die Schwanzflosse den Kreisel.» Man merke: Selbst wenn die beauftragte Firma davon spricht, dass dieser Kreiselschmuck Werbung für die Swiss ist, muss das keinerlei Bedeutung haben.

Es wäre langsam an der Zeit, dass der Kanton seine kompetente Willkür in Sachen Bewilligungspraxis überdenkt. Bleibt es so, wie es ist, drehen wir uns immer wieder im Kreis. Entweder es gelten für alle potenziellen Kreiselschmücker dieselben Massstäbe, oder es wird gleich radikal gar niemandem mehr erlaubt, Kreisel zu gestalten. Der kantonale Standard-Kreiselschmuck «Erdhaufen mit Gebüsch» hat sicherlich auch seine Fans.

Erstellt: 20.09.2019, 16:03 Uhr

Alexander Lanner, stv. Redaktionsleiter

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