Unteres Rafzerfeld

Initianten wollen das Rafzerfeld fusionieren

Über 300 Unterschriften wurden im unteren Rafzerfeld für eine Initiative zur Zusammenlegung der politischen Gemeinden Hüntwangen, Wil und Wasterkingen gesammelt.

Ernst Kraft (mit Paket) übergibt dem Wilemer Gemeindepräsident Urs Rüegg (links) die Initiative für eine Zusammenlegung der Gemeinden Wil, Hüntwangen und Wasterkingen.

Ernst Kraft (mit Paket) übergibt dem Wilemer Gemeindepräsident Urs Rüegg (links) die Initiative für eine Zusammenlegung der Gemeinden Wil, Hüntwangen und Wasterkingen. Bild: Paco Carrascosa

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Was gestern im Rafzerfeld angestossen wurde, wird in den nächsten Monaten für ordentlich Gesprächsstoff in Wil, Wasterkingen und Hüntwangen sorgen. In den drei Dörfern wurde eine Initiative zum Zusammenschluss der Gemeinden eingereicht. 79 Stimmberechtigte aus Hüntwangen, 97 aus Wasterkingen und 152 aus Wil haben sie unterzeichnet. Den Initianten schwebt vor, dass bis im nächsten März in allen drei Gemeinden über die Initiative abgestimmt wird. Gibt es in allen drei Gemeinden ein Ja, würden die Gemeinderäte mit der Ausarbeitung eines Zusammenschlussvertrags beauftragt. Über diesen und damit über die eigentliche Fusion soll dann in einer zweiten Abstimmung entschieden werden.

«Jetzigen Strukturen sind nicht mehr zeitgemäss»

Einer der Väter der Initiative ist der Wilemer Ernst Kraft. Er begann mit der Arbeit an der Initiative nach einer Anfrage an der Gemeindeversammlung im letzten Dezember. Inzwischen wird das Ansinnen von einem achtzehnköpfigen Komitee getragen, sechs Personen pro Gemeinde. Ihre Argumente für eine Fusion haben sie im Mai in einer Broschüre zusammengefasst. Durch eine Zusammenlegung versprechen sich die Initianten eine bessere Nutzung von Synergien, den Abbau von Doppelspurigkeiten und Verwaltungs- und Beratungskosten sowie eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Nachbarn und dem Kanton.

Es sei wichtig, dass man eine Fusion prüfe, solange es den Gemeinden noch gut gehe, und nicht erst, wenn die finanzielle Lage düster sei, erklärt Kraft die Motivation für die Initiative. «Und die jetzigen Strukturen sind einfach nicht mehr zeitgemäss. Auf insgesamt 3000 Einwohner in unseren drei Gemeinden kommen 15 Gemeinderäte und drei Verwaltungen. Das macht doch keinen Sinn, wenn man sich Gemeinden wie Rafz und Eglisau anschaut, die beide über 4000 Einwohner aber nur je fünf Gemeinderäte haben.» Vor allem habe er die Initiative aber auch deshalb eingereicht, damit die Bevölkerung sich zu diesem Thema äussern könne. «Deshalb muss das Geschäft auch an die Urne: An einer Urnenabstimmung liegt die Stimmbeteiligung zwischen 30 bis 50 Prozent. Wird ein Geschäft an einer Gemeindeversammlung behandelt, liegt die Beteiligung mit etwas Glück gerademal bei fünf bis zehn Prozent.»

Steuerfüsse können für Zoff sorgen

Der Zusammenschluss von Gemeinden ist ein Thema, das schnell auch emotional geprägt werden kann. So etwa, wenn ein Grossteil der Bevölkerung mit dem Verlust des Gemeindenamens auch einen Verlust eines Stücks Identität befürchtet. Die Initianten wollen diesem Problem vorbeugen, indem sie gar nicht erst eine Namensänderung anstreben. Zwar bräuchte die fusionierte Gemeinde einen Namen – da es noch keine wirkliche Debatte darüber gab, spricht man aktuell von der Gemeinde Unteres Rafzerfeld – , die Dörfer sollen aber ihre bisherigen Namen und auch ihre Postleitzahlen behalten. Die Initianten orientieren sich dabei am Beispiel Arosa. Dort sind 2013 insgesamt acht Gemeinden fusioniert, die jeweiligen Dörfer behielten aber ihre Bezeichnung.

Was zudem bei Zusammenschlüssen immer für Diskussionen sorgt, ist die Schule, weil sich dort die finanzielle Situation von Gemeinden oft stark unterscheiden. Die Fusion der Gemeinden Stadel und Bachs scheiterte im Februar 2017 just daran. Zwar stimmten beide Gemeinden für einen Zusammenschluss der politischen Gemeinden, die Stadler lehnten aber im Gegensatz zu den Bachsern die Fusion der Primarschulgemeinden ab. Im Rafzerfeld sind die Vorzeichen anders: Die Primarschulgemeinden sind bereits vor zehn Jahren zur Schule Unteres Rafzerfeld (SUR) fusioniert.

Für Zoff können auch unterschiedliche Steuerfüsse sorgen. Stimmberechtigte davon zu überzeugen, dass sie nach der Fusion mehr Steuern bezahlen müssen, ist nicht leicht. Das spielte etwa beim Zusammenschluss der Reformierten Kirchgemeinden Weiach, Stadel und Bachs eine Rolle. In Weiach lag der Steuerfuss bei 11 Prozent, in Stadel und Bachs 14 Prozent. Die drei Prozentpunkte mehr Steuern trugen mit dazu bei, dass die Weiacher die Fusion ablehnten, während Stadel und Bachs Ja stimmten. Das Thema dürfte auch im Rafzerfeld eine Rolle spielen: Hüntwangen hat aktuell einen Steuerfuss von 104 Prozent, Wil erhebt 106 Prozent und Wasterkingen 116 Prozent.

Bei den Exekutiven äussert man sich zur Initiative zurückhaltend. «Aus Sicht des Gemeinderats von Wil besteht in der aktuellen Legislaturperiode noch keine Notwendigkeit für eine Fusion», sagt etwa der Wilemer Gemeindepräsident Urs Rüegg. «Persönlich schätze ich aber die Initiative, um Klarheit zu erhalten, ob die Bevölkerung des unteren Rafzerfelds für die Bewältigung der künftigen Herausforderungen eine Fusion wünscht.» Ähnlich äussert sich auch Peter Zuberbühler, Gemeinderat von Wasterkingen. «Unser Gemeinderat ist bei der Fusion geteilter Meinung. Es ist aber gut, dass die Initiative aus der Bevölkerung entstanden ist. Dadurch ist klar, dass die Diskussion über dieses Thema offensichtlich ein Anliegen ist.» Matthias Hauser, Gemeindepräsident von Hüntwangen, erklärt, für eine offizielle Stellungnahme des Gemeinderats sei es zu früh. Er gibt aber vor allem zu bedenken, dass die Initiative die Gefahr berge, dass man sich zuerst auf eine Fusion der drei Rafzerfelder Gemeinden konzentrieren müsste und erst danach wieder an einer besseren Zusammenarbeit mit Eglisau und Rafz arbeiten könnte.

Erstellt: 17.06.2019, 18:16 Uhr

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