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«Je mehr man isst, desto besser schmeckts»

Zu einem wahrhaften Bienenschmaus haben sich am Freitagabend etwa 110 Imker und Nicht-Imker getroffen. Der Insektenspezialist Daniel Ambühl deckte sie mit vielen Informationen und mit gebratenen Drohnenlarven und -puppen ein. Die Leute stürzten sich darauf.

Viele scharten sich um Daniel Ambühls improvisierte Küche. Auch die noch gefrorenen Drohnenlarven und -puppen gingen weg wie warme Weggli.
Viele scharten sich um Daniel Ambühls improvisierte Küche. Auch die noch gefrorenen Drohnenlarven und -puppen gingen weg wie warme Weggli.
Cyprian Schnoz

An der Herbstversammlung des Imkervereins Bezirk Dielsdorf referiert jeweils ein Bienen­experte zu einem speziellen «imkerlichen» Thema. Diesmal wars ein bisschen anders: Im Gemeindesaal von Niederweningen hielt Daniel Ambühl, der Spezialist für essbare Insekten, einen Vortrag über die Bedeutung von Insekten für die Welternährung und der Bienendrohnen als menschliche Nahrung.

Imker produzieren Nahrung

Für Ambühl ist es nach wie vor völlig unverständlich, warum das Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV) vergangenen Frühling Mehlwürmer, Grillen und Wanderheuschrecken – gängige Futtermittel für Haus­tiere – für den menschlichen ­Verzehr freigegeben hat. «Denn diese werden teilweise mit Grundnahrungsmitteln gefüttert und haben zudem einen belasteten Darminhalt, den wir mit­essen», umschreibt Ambühl die Problematik (siehe ZU vom 9. November).

Die männliche Brut der Bienen hingegen sei nicht zugelassen worden. Dabei wären diese so­genannten Drohnenlarven und -puppen eine ideale Nahrung für Menschen, enthalten sie doch viel Protein, Fett, ungesättigte Säuren, Mineralstoffe und Eisen. Zudem werden sie von ausgebildeten Leuten gezüchtet, die unter dem strengen Lebensmittelgesetz stehen.

Drohnen tiefkühlen

In der Diskussionsrunde zeigte sich, dass das Thema auf grosses Interesse stösst. Zunächst wehrten sich jedoch zwei Anwesende gegen Ambühls Vorwurf, die Landwirtschaft habe mit dem Einsatz von chemisch produ­zierten Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden die Insekten grossflächig vernichtet. Wider­legen konnten die beiden den Vorwurf jedoch nicht.

Die weiteren Fragen und Anmerkungen waren dann praktischer Natur. Ein Imker wollte beispielsweise wissen, wie man die Larven und Puppen der männlichen Bienen am besten aus den Waben entnehme. Ambühl empfahl, die Drohnenwaben im Tiefkühlschrank einzufrieren, bevor man sie mit dem Teigroller bearbeite.

Klösterliche Bienenbrut

Daniel Ambühl hatte auch schon alles für die Degustation vorbereitet. Auf einem Tisch standen ein kleines Tiefkühlgerät, zwei Gasbrenner mit kleinen teflon-beschichteten Bratpfannen, Kokosfett und Sojasauce. «Die Drohnen, die ich mitgebracht habe, stammen aus der Imkerei des Klosters Fahr», sagte der Insektenspezialist und machte sich ans Kochen.

Zunächst offerierte er den dicht gedrängt um den Tisch ­stehenden Leuten Drohnen­puppen im gefrorenen Zustand. «Schmeckt gar nicht so schlecht, schön cremig», meinte eine Frau. In den Bratpfannen hatten die Spätzli- oder Gnocchi-ähnlichen Insekten mittlerweile eine schöne bräunliche Farbe angenommen. Fleissige Anwesende belegten getoastete Brotscheiben mit der Delikatesse und reichten diese in die Runde.

Zwei Kilo Drohnen verspeist

«Das schmeckt ausgezeichnet», meinte etwa der Niederglatter Imker Theo Schwarz, «das werden wir unseren Gästen zu Hause auch einmal anbieten.» Der 14-jährige Raphael aus Rümlang biss herzhaft ins belegte Brotstückchen. «Ja, es schmeckt mir sehr gut. Aber noch lieber habe ich frittierte Insekten», erklärte er. Am Thai-Fest in Bülach habeer eine grosse Heuschrecke gegessen. «Diese hat wie ein gut ­gewürztes Pommes frites geschmeckt, mit einem leicht nussigen Geschmack.» Zudem habe er als Mutprobe einmal eine Heuschrecke gegessen. Das sei gar nicht schlimm gewesen.

Ambühl richtete eine Pfanne nach der anderen an. Bald waren über zwei Kilogramm Drohnen von den Anwesenden verspeist. Einen kleinen Rest durfte eine Besucherin mit nach Hause nehmen. «Das gibt morgen ein ganz spezielles Mittagessen», sagte sie freudestrahlend. Und ein Mann meinte zusammenfassend: «Je mehr man davon isst, desto besser schmeckts.»

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