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Jetzt scheint die Sonne für ein Energieprojekt in der Kernzone

Zehn Jahre nach der ersten Baueingabe kann Jürg Hinnen jetzt einen Teil seines Stroms von einer Photovoltaik­anlage auf dem Dach seines Hauses beziehen. Vorangegangen sind diverse Eingaben, Rekurse und letztlich die Begegnung mit einem besonders engagierten Solarenergieberater.

Ende gut, alles gut für Pionier Jürg Hinnen. Endlich kann er seine Energie von der eigenen Fotovoltaikanlage beziehen.
Ende gut, alles gut für Pionier Jürg Hinnen. Endlich kann er seine Energie von der eigenen Fotovoltaikanlage beziehen.
Francisco Carrascosa

Eigentlich hatte er das Thema fast abgeschrieben. Vor rund zehn Jahren wollte der Dietliker Jürg Hinnen pionierhaft eine Solaranlage auf sein Hausdach montieren. Eine Wärmepumpe hatte er schon. Mindestens für diese wollte er den Strom aus erneuerbarer Energie beziehen.

Spezialfall Kernzone

Nach einem ersten Baugesuch im Sommer 2006 hiess es von der Gemeinde Dietlikon, die geplante Solaranlage passe nicht ins Ortsbild, zumal das Haus von Jürg Hinnen in der Kernzone des Dorfes liege. In dieser macht die Gemeinde spezielle Auflagen bezüglich Gestaltung bei Umbauten und Renovationen, um ein möglichst ursprüngliches Bild zu erhalten, selbst wenn ein Gebäude nicht unter Heimatschutz steht.

Obwohl es keine Einsprachen gab, sagte die Gemeinde also erstmal Nein zu Hinnens Plan, eigenen Strom mit einer Solaranlage zu produzieren. «Ich war mit meinem Projekt offenbar zu früh für die Dietliker Behörden», äussert er sich.

Im Glauben an die Rechtmässigkeit und den Sinn seines Vorhabens nahm er sich einen Anwalt. Es folgten ein Rekurs an die Baurechtskommission und später dann auch noch an das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. Bei beiden Instanzen ist der Dietliker mit seinem Anliegen abgeblitzt und hat nur schon damit rund 10 000 Franken in den Sand gesetzt. Das Geld war es ihm dahin wert, weil er von seinem Anliegen überzeugt war und immer noch an den Erfolg glaubte.

Helfer für neues Projekt

Der nächste Schritt wäre der Gang vors Bundesgericht gewesen. Das wollte Hinnen dann doch nicht mehr und fand sich mit dem Entscheid ab. Seine Idee einer eigenen Solaranlage legte er auf Eis, bis er an einer Veranstaltung des Hauseigentümervereins an den engagierten Solarenergieberater, Heinz Rinderknecht, gelangte. Dieser ist Geschäftsführer der Firma SolarEnergieBeratung aus Wallisellen.

Er kannte den Fall aus den Medien und hat ihn damals mit Interesse verfolgt. Rinderknecht arbeitete nochmals ein Gesuch aus und traf bei der Gemeinde die nötigen Abklärungen.

Mittlerweile waren ein paar Jahre vergangen, der Reaktorunfall in Fukushima passierte und der Bundesrates entschied sich, eine Energiestrategie zur Förderung erneuerbarer Energien zu verfolgen – und in der Gemeinde hattte es personelle Wechsel gegeben.

Generell wurden in der Zwischenzeit die Auflagen für Photovoltaikanlagen gelockert. Rinderknecht gibt zu bedenken: «Der Bund legt lockerere Massstäbe an, als einzelne Gemeinden. Viele Interessenten von Solaranlagen wollen dann im Dorf auch nicht streiten. Sie brauchen aber auch eine gute Beratung. Nicht alles, was gewünscht wird, ist auch sinnvoll und realistisch».

Kompromiss eingegangen

Einfach war es auch dieses Mal nicht und es verging nochmals fast ein ganzes Jahr, bis die Anlage montiert werden konnte. Auch durfte Jürg Hinnen nicht alles realisieren, was er sich gewünscht hatte. Die Solarpanels auf der Seite Bahnhofstrasse beispielsweise wurden ihm auch dieses Mal verwehrt. Dafür sind die jetzt montierten Solarpanels zwar immer noch etwa gleich teuer, aber mit zehn Jahren Technologieentwicklung einiges leistungsfähiger.

Hinnen ist mit dem Kompromiss zufrieden. «Roger Dällenbach, Sachbearbeiter auf dem Bauamt Dietlikon, war sehr kooperativ und hat uns bei der Realisierung unterstützt», erwähnt er. Endlich kann er seine Wärmepumpe mit dem eigenen, erneuerbaren Strom aus seiner Solaranlage betreiben.

Um auch den restlichen Energiebedarf zu decken, hätte es eine grössere Anlage beziehungsweise auch die Panels auf der Strassenseite gebraucht. Zusätzliche Panels auf dem Schuppen hätten grössere bauliche Anpassungen und das Fällen eines grossen Nussbaumes erforderlich gemacht.

Bei Überproduktion, also wenn seine Solarpanels mehr Strom produzieren, als er gerade verbraucht, kann er seinen Strom ins Netz einspeisen und bekommt eine Einspeisevergütung. Wenn seine Solaranlage zu wenig Energie liefert, kann er vom Elektrizitätswerk Dietlikon zum selben Preis wieder Strom beziehen. «Ich bin gegen Atomkraftwerke. Die Sonne gibt uns Energie. Das ist sensationell und das sollten wir auch noch viel mehr nutzen», sagt er überzeugt.

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