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Jugendschiff braucht Zürcher Geld

Das Jugendschiff Salomon, ein Betreuungsangebot für renitente Jugendliche, hat seinen Sitz seit kurzem in Rafz, wo der gleiche Geschäftsführer mit dem «Gleis 1» eine betreute Wohngruppe leitet. Die Stiftung hat den Kanton um Unterstützung ersucht.

Auf dem 1910 erbauten Segelschiff Salomon lernen derzeit zwölf Knaben ihr Leben zu meistern.
Auf dem 1910 erbauten Segelschiff Salomon lernen derzeit zwölf Knaben ihr Leben zu meistern.

Die Stiftung Jugendschiffe Schweiz ist seit kurzem in Rafz registriert, gleich neben dem Bahnhof. Im Nachbargebäude befindet sich das «Gleis 1», welches unter dem gleichen Geschäftsführer betreutes Wohnen für Jugendliche anbietet. Hier geht es darum, Jugendlichen temporär einen betreuten Rahmen für die Eingliederung in den Berufsalltag zu bieten, bis sie gelernt haben, Lehre und Alltag selbstständig zu meistern.

Bei den betroffenen Jugendlichen handelt es sich meist um Knaben, welche zuvor komplett aus dem gesellschaftlichen Raster gefallen waren. Diese betreut das Jugendschiff Salomon seit 2003 auf hoher See und seit kurzem eben mit Rafzer Postadresse. Die Stiftung hofft damit sein Programm retten zu können, welches zuvor vom Kanton Bern finanziert wurde. Dort läuft der Vertrag aber morgen Sonntag aus und wurde nicht verlängert. Die Stiftung zog deshalb nach Rafz und hat bereits ein Gesuch beim Kanton Zürich eingereicht, wie der «Tages-Anzeiger» gestern berichtete. Der Kanton will noch dieses Jahr entscheiden, heisst es dort.

Warten auf Zürcher Entscheid

Für den Übergang bis zum Entscheid hat sich die Rafzer Stiftung nun einen Ausweg über die «Haus Wildfang GmbH» Deutschland gesucht. Diese listen das Jugendschiff per sofort als Auslandangebot für Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Stiftung schreibt auf ihrer Homepage, dass sie weiterhin als Koordinationsstelle der Schweiz tätig ist und Platzierungsanfragen entgegen nimmt. An der aktuellen Betreuung der zwölf Jugendlichen auf dem Segelschiff Salomon soll sich nichts ändern.

Das 1910 erbaute und 2003 sanierte Schiff befindet sich derzeit auf den Azoren, mitten im Atlantik. Der in Rafz stationierte Geschäftsführer der Stiftung Jugendschiffe Schweiz, Mario Schmidli, nimmt zu Fragen keine Stellung, wie er per Mail mitteilt. So ist unklar, wie die Massnahmen der Jugendlichen künftig finanziert werden oder was mit dem Angebot passiert, sollte der Kanton Zürich das hängige Gesuch ablehnen.

Die Berner hatten die Verträge nicht verlängert, weil eine unabhängige und spontane Visite auf dem Segelschiff nicht möglich sei, schreibt der «Tages-Anzeiger». Somit sei die gesetzlich notwendige Kontrolle nicht möglich.

40 bis 60 Wochen Lernen auf dem Schiff

Das Programm auf dem Segelschiff ist als Auffangnetz für «verlorene» Jugendliche konzipiert, bei denen zuvor keine Massnahme gegriffen hat und die sich durch «Entweichung» oder Drogenkonsum der Gesellschaft entziehen. Auf dem Segelschiff ist dies nicht möglich, an Drogen kommen die 14- bis 18-Jährigen nicht, die Gefahr des Abhauens ist kleiner als in der Schweiz.

Die ausschliesslich männlichen Teenager erhalten auf dem Schiff die Chance für einen Neustart. Sie lernen, gemäss der Stiftung, im 40- bis 60-wöchigen Aufenthalt mit ihrer Situation umzugehen, die Vergangenheit zu akzeptieren, ihre Stärken zu entdecken und Perspektiven zu entwickeln. Wer sich dem Programm auf dem Schiff verweigert, muss nachsitzen: Jede Woche wird bewertet, nach sozialen, schulischen und fachlichen Kompetenzen. Eine nicht bestandene Woche muss wiederholt werden und zählt nicht zu den 40 dazu, welche die Jugendlichen absolvieren müssen.

Kein Luxusleben auf See

Die Salomon segelt auf dem Atlantik vorwiegend zwischen Azoren, Kapverden und Kanaren, manchmal in der Karibik. Das lässt viele Kritiker in Online-Kommentaren vom «Luxusleben auf dem Segelschiff» schnöden, welches sie auch haben wollen. Ein Kreuzfahrtschiff ist der 106 Jahre alte Dreimaster derweil bestimmt nicht. Die Jugendlichen gehen an Bord zur Schule, arbeiten auf dem Schiff mit, lernen Disziplin und Ordnung, haben eine Uniform, schlafen in engen Kabinen in Kajütenbetten und müssen sich bewähren, um an Land auch mal abends Ausgang zu erhalten.

Fernab der Schweiz und den teilweise schädlichen Einflüssen, denen sie hier ausgesetzt waren, können die Jungs den Rank finden. Bei ihrer Rückkehr sollen sie in der Lage sein, ihr Leben langfristig ohne Unterstützung des Staats zu meistern. Viele Jugendliche, welche schon auf dem Schiff waren, haben dies geschafft, einzelne fallen wie überall aber selbst bei diesem Programm durch.

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