Bassersdorf

«Jung und Alt begegnen sich heute auf Augenhöhe»

Die Rolle der Grosseltern ist im Wandel – gesellschaftlich und inner­familiär. Peter Burri Follath von Pro Senectute Schweiz zeigte am Frauenapéro der reformierten Kirche aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen auf.

Peter Burri Follath, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Pro Senectute.

Peter Burri Follath, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Pro Senectute. Bild: mks

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Zum Frauenapéro begrüsste Sozialdiakonin Marlis Siegrist für einmal einen Mann. Seinen Vortrag widmete Peter Burri Follath, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Pro Senectute, dem Thema «Grosseltern». 25 Frauen fanden sich am Freitagabend im reformierten Kirchgemeindehaus Bassersdorf ein, davon rund die Hälfte Grossmütter.

Mit dem Kurzporträt zweier Grossväter aus seinem persönlichen Umfeld startete Burri Follath sein Referat: Sein Freund Lorenz stehe mit 47 Jahren mitten im Leben und sei seit kurzem Grosspapa. «Ein spezieller Typ in einer spannenden Konstellation – ein Beispiel einer fünf Generationen-Familie.» Burri Follaths 85-jähriger Vater wirkte als Protagonist in einem Pro Senectute Werbespot über selbstbestimmtes Leben im Alter. «Zwei Grossväter aus völlig verschiedenen Epochen zur selben Zeit», lautete das erste Resümee.

Tradition gerät ins Wanken

Die Rolle der Grosseltern hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten markant verändert. Mit der Industrialisierung wurde die Grossmutter zur Schlüsselfigur der Familie: «Sie hat die Kinder gehütet, Geschichten erzählt, gebacken, gestrickt und Fertigkeiten weitergegeben.» Grossväter genossen den Status als Respektsperson oder waren kaum präsent.

Ein Wandel zeichnete sich mit der nach dem zweiten Weltkrieg geborenen Generation der Babyboomer ab, welche die heutige Gesellschaft aufgebaut hat und nun ins Rentenalter kommt. «Wohlstand, Frauenstimmrecht, sexuelle Freiheit und andere gesellschaftliche Entwicklungen liessen das traditionelle Bild der Grossmutter wanken, die Grenzen des Alters fliessen», meinte Burri Folllath. Die Wirtschaft habe in den letzten 10 Jahren Senioren als wichtige Konsumentengruppe entdeckt. Für erfolgreiches Marketing sei das gefühlte Alter relevant, denn 60- bis 70-Jährige schätzen sich im Schnitt 12 Jahre jünger ein, als es im Ausweis steht. «Sind die Models zu alt, spricht die Werbung nicht an.»

Generationenbeziehung so gut wie nie zuvor

Die Digitalisierung beeinflusst das Grosseltern-Dasein enorm. Waren Senioren bislang als erfahrene Ratgeber gefragt, ist Information heute auf Knopfdruck erhältlich. «Das Wissen liegt hier bei den Enkeln, sie erklären den Grosseltern den Umgang mit Smartphone und Internet.»

Technologie erleichtere den Alltag und helfe, miteinander in Kontakt zu bleiben – dass sie physische Nähe nicht ersetzen kann, verdeutlichte ein Video. Innerfamiliär sei die Entwicklung grundsätzlich positiv: «Die Generationenbeziehung ist so gut wie nie zuvor. Jung und Alt begegnen sich auf Augenhöhe.» Dennoch sei die Wertediskussion schwieriger, das klassische Leistungsprinzip verliere an Bedeutung: «Auch der Fleissige kann heute wegrationalisiert werden.»

Mit 65 etwas Neues wagen

Gesellschaftlich stellt die Bevölkerungsentwicklung eine Herausforderung dar: 2015 gab es erstmals mehr 65- als 20-Jährige, bereits 3000 Hundertjährige leben in der Schweiz. Burri Follath versteht den demografischen Trend auch als Chance: «Das Rentenalter ist etwas Künstliches, Arbeit kann das Leben jederzeit bereichern.»

Lineares Karrieredenken sei ein lang geübtes Modell, doch wäre neben lebenslangem Lernen vor allem Flexibilität gefragt: «Auch mit 65 Jahren sollte man sich noch an Neues wagen.» Nicht zuletzt stellen Menschen im Pensionsalter eine wichtige Ressource dar, die es zu nutzen gilt.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.03.2018, 18:46 Uhr

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