Embrach

Junge Frau sucht nach ihren Rettern

Anna Lehmann, 25 Jahre alt, ist Epileptikerin. Am 12. März war sie auf die Hilfe von Passanten angewiesen. Die junge Frau sucht nun verzweifelt nach den Helfern, um sich bei ihnen zu bedanken.

Mit diesem Auto war Anna Lehmann (25) unterwegs, als sie am Dienstag vor zwei Wochen einen epileptischen Anfall erlitt.

Mit diesem Auto war Anna Lehmann (25) unterwegs, als sie am Dienstag vor zwei Wochen einen epileptischen Anfall erlitt. Bild: Sibylle Meier

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Es ist der Horror jedes Epileptikers. Am Dienstag, 12. März, fährt die 25-jährige Anna Lehmann mit ihrem blauen Kleinwagen von der Arbeit nach Hause. Der Weg von Wiesendangen ZH bis nach Rümikon AG dauert rund 40 Minuten und führt durch Embrach. Auf Höhe der Unterländer Gemeinde kam es gegen 20 Uhr zu einem verheerenden Zwischenfall. Der Grund: Anna Lehmann leidet, seit sie 13 Jahre alt ist, an Epilepsie. «Ich war auf einer Hauptstrasse unterwegs als ich spürte, dass ich einen Anfall bekomme.»

Für die junge Frau entstand eine völlig neue Situation. «Bei meinen bisherigen Anfällen war immer jemand da, der sofort helfen konnte.» Meist war das ihr Freund, der inzwischen genau weiss, wie er in solchen Fällen richtig handelt. Doch am Dienstag vor zwei Wochen war Lehmann auf sich alleine gestellt. «Neben der Strasse gab es glücklicherweise ein wenig Platz, sodass ich mein Auto dort abstellen konnte.» Der Versuch, den Warnblinker einzuschalten misslang. «Ich sah bereits nur noch sehr wenig.» Die 25-Jährige stieg aus, schaffte es sogar noch, ihr Auto abzuschliessen und sich danach über die eine Strassenseite auf die Mittelinsel zu schleppen.

Vorbildlich gehandelt

Die Epileptikerin konnte noch erkennen, dass ein Auto auf sie zufährt. «Ich fuchtelte wild, um auf mich aufmerksam zu machen.» Sie sei überrascht von ihrem Geist, dass sie noch zu all dem fähig war. «Ich hatte Glück im Unglück.» Die Frau, welche am Steuer des entgegenkommenden Autos sass, hielt ihren Wagen sofort an und eilte Anna Lehmann zur Hilfe. «Ich konnte ihr gerade noch zurufen, dass sie die Ambulanz alarmieren soll, danach bin ich bewusstlos geworden.»

Als die 25-Jährige nach einigen Minuten wieder zu sich kam, waren vier Leute bei ihr. «Die Frau und drei weitere Helfer warteten mit mir auf den Krankenwagen.» Danach wurde sie ins Spital Bülach gebracht. Einer der Helfer stellte ihr Auto auf einem Parkplatz bei der Klinik Hard ab, sodass es ihr Freund und ihr Schwiegervater abholen konnten.

Kontaktdaten verloren

Im Spital erhielt Anna Lehmann einen Zettel mit den Kontaktdaten der Ersthelferin. «Dieser ging aber leider verloren.» Sie würde sich sehr gerne bei den unbekannten Helfern bedanken. Denn ohne sie, hätte der Anfall schlimme Folgen haben können. «Ich wäre völlig verwirrt auf der Strasse aufgewacht und hätte mit meinem Handy niemanden kontaktieren können, da ich noch kein Schweizer Mobilabo besitze.» Die 25-Jährige ist erst kürzlich aus Deutschland in die Schweiz gezogen. Im schlimmsten Fall hätte die junge Frau gar sterben können. «Dauert ein Anfall über 20 Minuten, kann es tödlich enden.»

Anna Lehmann ist überzeugt, dass sich die Helfer an den Vorfall erinnern und auch ihren Bekannten davon erzählt haben. «Wenn ich einen Anfall habe, sieht es sehr schlimm aus. Diese Bilder vergisst man als Aussenstehender nicht so schnell.» Ihr Gesicht verfärbe sich blau, sie atme sehr kräftig und aus ihrem Mund komme blutiger Schaum. Deshalb wendete sich die 25-Jährige nun an diese Zeitung. «Ich will nichts unversucht lassen.»

Inzwischen hat sich Anna Lehmann von ihrem Anfall erholt. Zuletzt hatte sie vor zwei Jahren einen solchen. Autofahren darf sie in den nächsten drei Monaten nicht. Nun pendelt sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit nach Wiesendangen. «Das ist sehr umständlich.» Besonders tragisch: Das Spital Bülach hat ihre Blutprobe verloren. «Daran hätte man erkennen können, wieso es zum Anfall gekommen ist.» Etwa weil die Medikamente falsch dosiert waren. Nun hat der Hausarzt ihr erneut Blut abgenommen und hofft, die Ursache zu finden.

So reagiert man richtig

Wie reagiert man richtig, wenn eine Person einen epileptischen Anfall hat? Anna Lehmann sagt: «Man sollte Ruhe bewahren, obwohl es sehr heftig aussieht.» Nachdem der Rettungsdienst alarmiert wurde, sollte man darauf achten, dass sich die Person nirgends den Kopf anstösst, sei es beim Zusammenbruch oder bei den darauffolgenden Zuckungen. Ebenfalls wichtig und oft falsch vermittelt: «Einem Epileptiker nie etwas zwischen die Zähne stecken, ansonsten besteht die Gefahr, dass er seine Zunge verschluckt.» Danach gilt, die Person in die stabile Seitenlage zu bringen und zu warten, bis die Ambulanz eintrifft.

Haben Sie am Dienstag, 12. März, um crica 20 Uhr, in Embrach einer Frau geholfen, die einen epileptischen Anfall hatte? Dann melden Sie sich per Mail direkt bei Anna Lehmann, a.lehmann93@gmx.de, oder bei dieser Zeitung, region@zuonline.ch.

Erstellt: 27.03.2019, 17:37 Uhr

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