Kloten

Juso macht Politikern Dampf beim Klimaschutz

Zwei Initiativen in Kloten und Opfikon fordern, die Treibhausgase bis 2030 auf netto null zu senken. Obwohl das Ziel auf Gemeindeebene unerreichbar ist, kann das Begehren einiges auslösen.

SP-Kantonsrätin Qëndresa Sadriu erläutert, wie Kloten und Opfikon ihren Kohlendioxid-Ausstoss reduzieren können.

SP-Kantonsrätin Qëndresa Sadriu erläutert, wie Kloten und Opfikon ihren Kohlendioxid-Ausstoss reduzieren können. Bild: Christian Merz

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Jetzt ist den Jungsozialisten der Geduldsfaden gerissen. Nachdem die Parlamente in Opfikon und Kloten es abgelehnt haben, den Klimanotstand auszurufen und in Kloten nun auch noch die GLP-Initiative «für ein nachhaltiges Kloten» durch einen zweiten Gegenvorschlag verzögert wird, lanciert die Juso Zürich Unterland ihre Klima-Initiative. Sie verlangt, dass die beiden Städte ihre CO2-Emissionen bis 2030 auf netto null senken. Der Flughafen, der in dieser Region einen massiven Anteil am Ausstoss von Treibhausgasen hat, wurde bei den Initiativen ausgeklammert. Am Mittwochabend wurden die beiden Unterschriftensammlungen im Atrium der Reformierten Kirche Kloten an einer Kickoff-Veranstaltung gestartet.

«Uns ist bewusst, dass wir die Rettung des Klimas nicht alleine stemmen können. Aber wir müssen unseren Beitrag leisten.»Qëndresa Sadriu, SP-Kantonsrätin aus Opfikon

«Uns ist bewusst, dass wir die Rettung des Klimas nicht alleine stemmen können», sagte die Opfiker SP-Kantonsrätin Qëndresa Sadriu. «Aber wir müssen unseren Beitrag leisten.» Als gutes Beispiel für eine klimafreundliche Politik auf Gemeindeebene führte sie den autofreien Glattpark an. Zudem sei es die Aufgabe von Städten und Gemeinden, die Bevölkerung aufzuklären und zu sensibilisieren.

Velofahren und isolieren

Konkrete Massnahmen schlägt die Jungpartei in den Bereichen Mobilität, Beschaffungswesen, Energie und Ernährung vor. So möchte sie zum Beispiel den Veloverkehr mit dem Ausbau von sicheren Routen fördern, bei den Ortsbussen den Viertelstundentakt einführen, autofreie Zentren schaffen, Parkplätze reduzieren und Tempo 30 auf Gemeindestrassen durchsetzen. Die Busse und Gemeindefahrzeuge sollen zudem elektrifiziert werden. Weiter wollen die Initianten fossile Heizungen verbieten, die energetische Sanierung von Gebäuden vorantreiben und Vegi-Tage in städtischen Gastrobetrieben einführen.

Ins Ausland verschoben

«Das sind die üblichen Ideen», schaltete sich Thomas Schneider in der Diskussion ein. Das SVP-Vorstandsmitglied hatte sich in einer Jacke mit Partei-Logo unter die gut 20 Anwesenden gemischt. Es sei doch viel billiger, Emissionen im Ausland zu reduzieren als in der Schweiz, vertrat Schneider. Zudem sei der Ausstoss hierzulande bereits am Sinken.

«Ein grosser Teil der Industrie wurde in den letzten Jahren ins Ausland ausgelagert.»Boris Previši?, Wallisellen

Dies sei aber vor allem der Deindustrialisierung geschuldet, entgegnete Boris Previši? aus Wallisellen. «Ein grosser Teil der Industrie wurde in den letzten Jahren ins Ausland ausgelagert.» Der Förderprofessor des Nationalfonds hatte zuvor in einem Input-Referat aufgezeigt, wie stark die CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit den 50er-Jahren angestiegen ist und wie ungleich die Verursacher weltweit verteilt sind. «In unserem reichen Land ist die Dekarbonisierung keine Hexerei», behauptete Previši?. Die Technologien seien bereits vorhanden. «Doch wir müssen die ärmeren Länder unterstützen, damit sie unsere umweltschädigende Lebensweise gar nicht erst übernehmen.»

Previši? sprang auch in die Bresche, als eine weitere Frage die Jungsozialisten in Verlegenheit brachte: Ein Anwesender wollte wissen, wie sich die SP-Initiative «Wohnen für alle» mit der Klimainitiative vertrage. Denn die Forderung nach günstigem Wohnraum widerspreche dem Anliegen, in energetische Sanierungen von Wohnhäusern zu investieren. «Die Investitionen müssen von der Gesellschaft getragen werden», forderte Previši?. «Man kann die Kosten nicht auf die Mieter abwälzen.»

Frischer Wind für Politik

Vonseiten des Stadtrats nahm Regula Käser-Stöckli am Anlass teil. Sie begrüsse die Initiative sehr und werde selbstverständlich unterschreiben, sagte die grüne Politikerin. «Ich bin hocherfreut, dass die Klimajugend so viel Elan an den Tag legt. Das wirkt ansteckend.»

Im Bereich Mobilität und bei der Energieberatung habe die Stadt einigen Handlungsspielraum. Auch weniger Fleisch an den Schul-Mittagstischen sei eine Option. Doch auf Vieles, das nötig wäre, um das definierte Ziel zu erreichen, habe die Gemeinde keinen Einfluss, räumte die Stadträtin ein. Der Vorstoss werde aber wichtige Diskussionen anregen und nötigen Massnahmen Rückenwind verleihen.

Am nächsten Samstag wollen die Initianten mit dem Sammeln der je 300 nötigen Unterschriften beginnen.

Erstellt: 07.11.2019, 16:54 Uhr

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