Bachenbülach

«Kämpfen braucht viel Mut»

Mike Maier (15) aus Bachenbülach ist ein talentierter Kampfsportler. Anfang Mai gewann er bei den Weltmeisterschaften in Kiew (Ukraine) in der Disziplin K1 die Bronzmedaille.

Mike Maier (15) setzt sich grosse Ziele. «Man kann alles erreichen, wenn man hart an sich arbeitet», sagt der Bachenbülacher, der bereits eine WM-Medaille vorzuweisen hat.

Mike Maier (15) setzt sich grosse Ziele. «Man kann alles erreichen, wenn man hart an sich arbeitet», sagt der Bachenbülacher, der bereits eine WM-Medaille vorzuweisen hat. Bild: Balz Murer

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Blutende Gesichter, Knochenbrüche, Bewusstlosigkeit: Kampfsportlern eilt ein brutaler Ruf voraus. Viele Laien sind sich gar nicht bewusst, dass es nur bei einem kleinen Teil der Kämpfe derart hart zur Sache geht. Meist bei jenen, die im Fernsehen gezeigt werden. René Maier vom «modern martial arts center» in Bachenbülach ist Nationalcoach in verschiedenen Kampfsportarten. Er sagt: «Die Vorurteile gegen unseren Sport stören mich.

Viele Kämpfe sind schön anzuschauen und technisch auf einem hohen Niveau.» Maier unterscheidet bei den Kämpfern zwischen Technikern und Prüglern. «Techniker versuchen, sich gut zu bewegen und schöne Schläge auszuführen. Prügler setzen hingegen auf Kraft und Ausdauer.»Der 15-jährige Mike Maier, der Sohn von René, fällt in die Kategorie der Techniker. Zurzeit kämpft er noch bei den Junioren in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm.

«Sobald ich über die Seile steige, bin ich nervös. Es braucht zudem viel Mut, sich einem Gegner zu stellen.»Mike Maier

Seine bisher erreichten Resultate lassen erahnen, wie viel Potential in ihm steckt. So gewann er Anfang Mai bei den Weltmeisterschaften im K1 — seiner Lieblingsdisziplin — die Bronzemedaille. K1 kombiniert Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten. Als Aussenstehender ist es schwierig, den Unterschied zum Muay Thai oder Kickboxen zu erkennen. Beim K1 ist es aber nicht erlaubt seinen Gegner zu umklammern, hinzuwerfen oder mit dem Ellbogen zu schlagen.

«Vor einem Turnier trainiere ich jeden Tag»

An den Weltmeisterschaften wird bereits bei den Junioren mit Vollkontakt gekämpft. Wie hart das ist, musste Mike Maier am eigenen Leib erfahren. Denn: Die Gastgeber aus der Ukraine sind extrem gut ausgebildete Kämpfer. «Sie sind so stark, dass viele Länder keine Athleten gegen sie stellen wollen», sagt der Vater von Mike. Der 15-Jährige stellte sich der Herausforderung trotzdem und bezahlte Lehrgeld. «Nach dem Halbfinalkampf gegen einen Ukrainer blutete ich aus der Nase.»

Der ehemalige Boxweltmeister Vitali Klitschko nahm sich bei den ISKA Weltmeisterschaften in Kiew Zeit, um mit der Schweizer Delegation ein Erinnerungsbild zu machen. Klitschko stieg nach seiner Boxkarriere in die Politik ein und ist nun Bürgermeister von Kiew. Foto: PD

Gebrochen war sie aber glücklicherweise nicht. «Ich habe auch jetzt noch Schmerzen und seit dem Kampf sind drei Wochen vergangen.» Die Erfahrungen, welche er aus Kiew mitgenommen habe, könne ihm aber niemand mehr nehmen. Dennoch: Den Kampf um die Bronzemedaille gewann Mike Maier souverän. Sein Erfolg kommt nicht von ungefähr: «Vor einem Turnier trainiere ich jeden Tag. Ansonsten reichen auch zwei bis drei Trainings pro Woche.»

Wie in den meisten anderen Sportarten auch, entscheidet sich im Kampfsport vieles im mentalen Bereich. Dies beginnt laut Maier bereits beim Betreten des Rings: «Sobald ich über die Seile steige, bin ich nervös. Es braucht zudem viel Mut, sich einem Gegner zu stellen.» Wer Angst ausstrahle, habe schon verloren, bevor der Kampf überhaupt begonnen hat. Ausserdem sei es wichtig, den Gegner psychisch zu beeinflussen. «Wenn der Gegner Respekt vor dir hat, ist das schon die halbe Miete.»

Karriere als Boxer weiterhin ein Traum

Ein Moment der diesjährigen Weltmeisterschaften in Kiew wird dem 15-Jährigen besonders in Erinnerung bleiben. «Wir hatten die Möglichkeit, uns kurz mit Vitali Klitschko auszutauschen.» Der ehemalige Boxweltmeister, der nun Bürgermeister von Kiew ist, hielt beim Anlass eine Rede. «Er sagte, dass man nichts erreichen kann, wenn man keinen Traum hat.» Die Worte eines so erfolgreichen Sportlers hinterliessen bei Mike Maier Spuren.

Er will nun eine Karriere als Boxer starten. «Ich will nicht wegen dem Geld Profi werden, sondern weil es mir grossen Spass macht.» Übrigens: Vitali Klitschko wechselte erst zum Boxen als er Junioren-Weltmeister im Kickboxen geworden war. Wieso sollte das nicht auch dem Jugendlichen aus Bachenbülach gelingen?

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 23.05.2018, 16:54 Uhr

Vier Qualifikationsturniere in Bachenbülach

Nur wenige schaffen es bis zur WM

Die «Zero to Hero»-Serie ist ein Qualifikationsturnier für Kämpfer aus den Disziplinen K1, Kickboxen, Thaiboxen, Sanda und Boxen. Jährlich finden in der Schweiz sieben Turniere statt. Vier davon werden diese Saison im «modern martial arts center» in Bachenbülach ausgetragen.
Wie der Name bereits sagt, können bei diesen Turnieren auch Kämpfer mitmachen, die noch nicht viel Erfahrung aufweisen. Nationalcoach René Maier sagt: «Wir achten darauf, dass es Paarungen auf dem gleichen Niveau gibt.» Sprich, die Teilnehmer werden in Alters- und Gewichtskategorien eingeteilt. Erstkämpfer sollen nur gegen andere Erstkämpfer in den Ring steigen.

Alle Qualifikanten kämpfen Ende Jahr um den Hero-Gurt. Ausserdem haben sie die Möglichkeit, Punkte für die Weltmeisterschaften zu sammlen. Diese finden 2019 in Brüssel statt. Für einen Sieg gibt es jeweils 30 Punkte, der Verlierer erhält deren zehn und bei einem Unentschieden werden die Punkte aufgeteilt. «Um sich für die WM zu qualifizieren, braucht man rund 150 Punkte», sagt Maier.

Bei den Turnieren soll das Verletzungsrisiko möglichst tiefgehalten werden. Heisst: Die Kämpfer tragen Helm, Schienbeinschoner, Mund- sowie Tiefschutz. «Sobald Blut fliesst brechen wir die Kämpfe ab. Es bringt nichts, wenn ein Boxer mehrere Monate ausfällt, weil er derart zugerichtet wurde.»

Das erste Qualifikationsturnier in Bachenbülach findet am Samstag, 26. Mai, statt. Im «modern martial arts center» hat man aber auch die Möglichkeit, Kickboxen zu Fitnesszwecken zu trainieren. «Niemand, der nicht will, muss kämpfen.»

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