Glattfelden

Keine Seifen nur zum Hände waschen

Mindestens zwei Monate braucht es, bis aus sorgfältig ausgewählten Rohstoffen eine handgefertigte Naturseife entstanden ist. Seit mehr als zwei Jahren ist Claudia Haltinner Naturseifensiederin aus Leidenschaft. Der «ZU» schaute ihr bei der Herstellung ihrer Seifen über die Schulter.

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Die Rohstoffe in Form von Olivenöl, Rapsöl, Kokosfett, Shea- und Kakaobutter – alles in Bio-Qualität – liegen in den kleinen Räumlichkeiten der «Suederei» bereit. Dazu kommen Kakaopulver für die Färbung und ätherisches Öl. Es duftet nach Nanaminze und Hoblättern. Claudia Haltinner hat gerade eine Lauge angesetzt.

Da die Flüssigkeit stark ätzend ist, zieht sie Schutzbrille und Handschuhe an und rührt darin mit einer Kelle immer wieder um. Innert Sekunden wird der Sud aufgrund der chemischen Reaktion sehr heiss und muss nun auf 40 Grad abgekühlt werden. Grammgenau wiegt die Fachfrau die harten Fette ab und bringt sie in einem zweiten Topf zum Schmelzen. Dabei kontrolliert sie mit einem Thermometer die Temperatur, die 40 Grad nicht überschreiten darf.

Dann kommen die Öle dazu.«Beim Seifensieden lernt man Geduld zu haben», sagt die 40-jährige Mutter von zwei Kindern, «denn es darf nicht schnell gehen». Immer wieder geht sie zwischen den beiden Töpfen hin und her, kontrolliert, rührt um. Sobald die Temperatur stimmt, wird die Lauge durch ein Sieb in den zweiten Topf gegossen. Nun beginnt das Verseifen. Der Stabmixer hilft, dass die Flüssigkeit die Konsistenz einer cremigen Suppe erhält.

Nachdem Claudia Haltinner ätherisches Öl zugefügt hat, giesst sie einen Teil des Topfinhalts in Kakaopulver – «das ergibt die braune Farbe». Ab sofort heisst die Flüssigkeit Seifenleim. Noch einmal kommt der Pürierstab zum Einsatz, bevor der Inhalt von beiden Gefässen vorsichtig in die Seifenform geleert wird. Wie bei einem Marmorcake wechselt Claudia Haltinner mit gelben und braunen Schichten ab, swirlt diese mit einem Draht, damit ein schönes Muster entsteht, macht anschliessend die Feinverzierung mit einem dünnen Holzstab.

Seifen nach eigenem Rezept

«Nein, Backen ist nicht mein Ding», verrät sie lachend und wischt sich die Schweissperlen vom Gesicht, denn bei ihr müsse es «immer nach Seife riechen». Dank ihrer Ausbildung zur diplomierten Kräuterfachfrau habe sie das Naturseifensieden anfangs 2015 entdeckt. Nach dem Besuch eines Grundkurses in Seifensieden sei sie vom Virus sofort angesteckt worden. «Dann habe ich ausprobiert, Rezepte kreiert, Kräuter wie Lavendel und Melisse aus dem eigenen Garten zugefügt.»

Zwölf verschiedene Naturseifen stehen inzwischen im Angebot, alle nach eigenem Rezept hergestellt. Sie tragen fantasievolle Namen wie «Entspannerli», «Gnüsserli» oder «Rosemüntschi». Besonders beliebt sei das «Zartmacherli», welches nach Lemongras duftet. «Die Naturseifen der ‹Suederei› sind rückfettend, pflegend und zum Duschen gedacht. Nur zum Händewaschen sind sie eigentlich viel zu kostbar.» Ein Pluspunkt sei zudem, dass kein Abfall durch überflüssige Verpackungen entstehe.

Geduld ist angesagt

Unterdessen liegen 3,4 Kilo Seifenmasse in der Form – zum Anbeissen schön. Claudia Haltinner versteckt das Kunstwerk lächelnd unter einem Tuch, «damit der Verseifungsprozess in Gang kommt». 24 Stunden später, nach der vollständigen Erkaltung, wird das lange Seifenstück aus der Form genommen und in zwei Zentimeter breite Stücke geschnitten.

Solange die Seifenstücke noch weich sind, können sie mittels Stempel nach Wunsch – sogar als Logoseife für Firmen – verziert werden. 38 Stück schneidet die Naturseifensiederin aus dem Block, jedes einzelne ein wunderbar duftendes Kunstwerk.

Zwei Monate Geduld braucht es ab jetzt mindestens, bis diese Seifenstücke getrocknet sind und eine gute Schaumqualität aufweisen. Dann steht schon bald die Adventszeit vor der Tür, und «Finöggeli», «Glattfälderli» und «Ringelblüemli» werden an verschiedenen Markständen mit ihren Farben und Düften viele Herzen erfreuen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.09.2017, 17:06 Uhr

Infobox

Claudia Haltinner bietet in der Seifenwerkstatt an der Gottfried-Keller-Strasse 11 in Glattfelden Kurse an. Informationen auf www.suederei.ch. Erhältlich sind die Naturseifen an verschiedenen regionalen Märkten und in ausgewählten Geschäften.

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