Regensdorf

Keiner zu klein ein Burgherr zu sein

Am Zürcher Sechseläuten Kinderumzug wird die Landzunft Regensdorf direkt hinter den Kindern des Gastgeberkantons Basel-Stadt marschieren. Doch zuerst galt es die Regensdorfer Kinder dafür zu mobilisieren. Keine leichte Aufgabe für die Organisatoren, wie es sich herausstellte.

Niklas Grabenweger probiert sein Sechseläuten-Gwändli.

Niklas Grabenweger probiert sein Sechseläuten-Gwändli. Bild: Balz Murer

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Landzünfter und Frauen haben es bekanntlich schwer beim traditionellen Sechseläuten Umzug mit den stadtzürcherischen Zünftern mitmachen zu dürfen. Erst vor kurzem wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Sechseläuten eine Frauenzunft zugelassen. Anders sieht es schon beim Kinderumzug aus. Hier sind die Kinder der Landzünfte gern gesehene Gäste. Dabei ist es Pflicht, ganz edel daherzukommen.

Die Landzunft Regensdorf schickt seit 1972 ihren Nachwuchs in der Kostümierung als Burgherren und Burgfräuleins nach Zürich. Dieses Jahr sogar mit einem eigens dafür gemieteten Bus. Die Eltern müssen die Kinder bloss in Regensdorf abgeben und ihre Sprösslinge nach rund dreieinhalb Stunden wieder abholen. «Ein unterhaltsamer Nachmittag für die Kinder, ein paar ruhige Stunden für uns Eltern», fand etwa ein anwesender Vater.

Geringes Interesse bemängelt

Chantal Gantenbein ist Einkleiderin der Kinder. Sie öffnete am Dienstagabend zusammen mit zwei Helferinnen das Regensdorfer Zunftlokal «Sagihuus» am Mühleweg. In rund einer Stunde sollten möglichst viele Kinder mit «Gwändli» eingedeckt werden. Gantenbein zählte zum Schluss der offiziellen Anprobe 15 Kinder, darunter neun Mädchen.

«Womöglich haben die Eltern unser neues Zunftlokal nicht gefunden oder es besteht einfach wenig Interesse.» Letztes Jahr seien immerhin 25 Kinder nach Zürich gefahren. Mit ihrem Team hilft sie nicht nur die Kinder einzukleiden, sondern wirkt mit beim Umzug als sogenannter «Chäfer», als dunkel gekleidete Umzugsbegleiterin.die am Sechseläuten-Umzug vorgeschrieben sind..

Da weniger Kinder einzukleiden waren, profitierten die Anwesenden umso mehr. Neben Colin Herzog, einem grossgewachsenen 8-jährigen Judofan aus Regensdorf, gesellte sich auch die 7-jährige Alea Lekiqi aus Watt dazu. Sie ist zum ersten Mal am Kinderumzug dabei. «Dafür meistert sie die Anprobe der burgfräulichen Kleidung schon fast wie ein Mannequin», staunte Erika Manz. Sie ist die Nachbarin der Familie Lekiqi und wurde quasi über Nacht zur Adoptiv-Oma erklärt. Angesprochen auf ihre Beziehung zum Sechseläuten, sagte sie stolz, den Umzug vor 50 Jahren verfolgt zu haben – aus dem vierten Stock an der Bahnhofstrasse 63, wo sie zu der Zeit ihre Lehre als Damenschneiderin absolvierte.

Alea suchte sich derweil ein hübsches Körbchen aus. Buben wie Mädchen dürfen am Umzug grosszügig Bonbons verteilen. Den letzten Schliff kriegen sie dann vor Ort: ein schönes Holzschwert, damit die jungen Burgherren schonmal etwas stattlicher aussehen und die auf einem von zwei Pferden gezogenen Wagen präsentierte Regensdorfer Altburg verteidigen können. Die Mädchen tragen einen Blumenkranz. Mittendrin zum ersten Mal Niklas und Magdalena.

Die beiden Kinder der Familie Grabenweger mit österreichischen Wurzeln kennt man bereits in Regensdorf. An der letzten Fasnacht gewannen sie mit den Eltern den ersten Preis für die schönste Familienmaske. Mutter Marion Grabenweger erklärte ihre Teilnahme als gelebte Integration. Sie freue sich auf einen in Rekordzeit abbrennenden Böögg - und somit auf einen heissen Sommer.

Erstellt: 05.04.2018, 14:52 Uhr

Infobox

Zweiter Anprobetermin: Montag, 9. April, 16.30 bis 17 Uhr, Zunftlokal «Sagihuus», Regensdorf.

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