Bassersdorf

Klares Verdikt gegen Parkplatzexperimente

In einer langen Debatte haben die Bassersdorfer das emotionalste Thema des vergangenen Jahres diskutiert. An der Gemeindeversammlung entschied man sich gegen seitliche Parkplätze. Auf dem Postplatz bleibt somit alles beim Alten.

Die 13 Parkplätze auf dem Postplatz bleiben genau so erhalten wie sie heute sind. Eine Initiative die sich gegen eine Umgestaltung stellte wurde überaus deutlich angenommen.

Die 13 Parkplätze auf dem Postplatz bleiben genau so erhalten wie sie heute sind. Eine Initiative die sich gegen eine Umgestaltung stellte wurde überaus deutlich angenommen.

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Rund 90 Minuten Action mit Angriffen, abwehrenden Antworten, Anträgen und immer wieder Applaus: Die Rede ist nicht vom Auftakt der Champions-League-Saison, sondern von der Bassersdorfer Gemeindeversammlung. Genauer: von der Debatte um die künftige Parkiererei im Ladenzentrum vor Post, Bank und Apotheke. Diese «Affiche» sorgte am Dienstagabend für viel Emotionen und einen Grossaufmarsch auf einer Sportanlage – der BXA an der Gemeindegrenze zu Kloten.

Schon lange wollten nicht mehr so viele Bassersdorfer an einer Gemeindeversammlung mitbestimmen. Zwar erreichte man die 200er-Marke nicht ganz, doch mehr als 194 Stimmberechtigte (2,8 %) gabs nicht einmal als die Budgetstreitigkeiten vor Jahren für Furore sorgten, ein neuer Ortsbus besprochen wurde oder weitere Kreisel im Dorf zur Debatte standen. Diesmal gings um Parkplätze, die alle schon öfters benutzt haben und das an einem Ort, den jede und jeder gut kennt. Und es ist klar: da verstehen die Bassersdorferinnen und Basserdorfer keinen Spass. Was die Parkplätze betrifft, ist das Dorfzentrum eine Art spassfreie Zone.

So bleibt der Postplatz nach angeregter Diskussion und einem sehr klaren Verdikt nun also vor jeglichen Veränderungen verschont. Rechtwinklig vorwärts, statt seitlich der Strasse entlang zu parkieren fand viel mehr Rückhalt im Dorf. Neue Portale zur Begegnungszone, Bodenmarkierungen und Blumenrabatten sind kein Thema mehr. Mit einem überwältigendem Mehr von geschätzten 90 Prozent Ja-Stimmen votierten die Anwesenden gegen halb zehn Uhr Abends für die Initiative von Olav Brunner, die am Status quo festhält.

Gegenvorschlag zerpflückt

Nur vereinzelt reckten sich Hände gegen die Einzelinitiative, nachdem zuvor unzählige Teilabstimmungen zum Bereinigen des Gegenvorschlags nötig waren. Letztlich musste Gemeindepräsidentin Doris Meier (FDP) nüchtern feststellen, dass das, was der Gemeinderat als Lösung präsentiert hatte, durch etliche Anträge so abgändert wurde, dass das Resultat mit den Forderungen der Initiative identisch war. «Ich bin froh, dass es überhaupt zu einer Abstimmung zu diesem Thema gekommen ist», meinte der Initiant. Nach der gewonnenen Abstimmung genoss der ehemalige Gemeinderat (parteilos) und pensionierte Swissairpilot seinen Triumph zufrieden strahlend am Apéro.

Brunner war aber nicht der einzige Ex-Politiker, der sich zu Wort meldete. Bruno Muff (parteilos), der erst vor wenigen Monaten abgetretene Sozial- und frühere Sicherheitsvorsteher, fuhr gar schweres Geschütz auf. Er ärgerte sich vor allem über einen Antrag der SP, die forderte sämtliche öffentlichen Parkplätze in der Begegnungszone seien aufzuheben. «Nicht zulässig», reklamierte Muff, dem sich auch Georg Fallegger (SVP) anschloss. Dieser war bis im Juni noch Präsident der Rechnungsprüfer. In Richtung seiner ehemaligen Ratskollegen auf dem Bock: «Wenn ihr das zur Abstimmung bringt und falls der Antrag der SP obsiegt, dann werde ich eine Beschwerde machen und den Fall beim Bezirksrat anfechten.» So weit kams aber nicht. Die Meinungen der Anwesenden waren dennoch gemacht. Das äusserte sich bereits ganz zu beginn, als Applaus aufbrandete nachdem Brunner um Zustimmung für seine Initiative bat. Während der Ausführungen von Gemeinderat Christian Pfaller (SVP) gabs dagegen missbilligende Zwischentöne. Die SP tat mit ihrem Frontalangriff auf die verbliebenen 13 oberirdischen Parkplätze im Zentrum schliesslich das, was sie angekündigt hatte. Trotz viel Gegenwind hielt man an der Idee fest. «Es spricht gar kein Argument für die Beibehaltung der Parkplätze», meinte Fritz Kauf (SP), der sich vor allem für mehr Sicherheit in der Begegnungszone stark machte.

Viele Ideen, wenig Zählbares

In der Debatte kamen eine Vielzahl von Ideen und Forderungen auf: Keinen Gegenverkehr mehr zulassen, schräge Parkfelder vor der Bank, mehr Blumenkisten, neue Hinweistafeln «Benützen sie auch die Tiefgarage», eine Anzeige der Zahl freier Parkplätze unten in der Tiefgarage oder gar eine halbe Stunde gratis parkieren als Anreiz für die Benutzung ebendieser Tiefgarage. Letztlich brachte es SVP-Vizepräsident Andreas Koller auf den Punkt: «Wenn wir keine signifikante Verbesserung erreichen mit der vorgeschlagenen Änderung des Parkregimes, dann belassen wir es doch besser so wie es ist.»

Die weiteren Geschäfte

Keinerlei Diskussionen gabs bei der Abnahme zweier Bauabrechnungen. So hat das Schulhaus Chrüzacher die Bassersdorfer mit knapp 27 Millionen Franken letztlich fast 1,6 Millionen weniger gekostet, als im Baukredit enthalten waren. «Es hat sich gelohnt detailliert zu planen, wir haben nachher davon profitiert», meinte Finanzvorsteher Christoph Füllemann (parteilos). Ausserdem kam auch die Beleuchtung des Fusswegs zur BXA-Anlage mit 280 000 Franken statt 350 000 Franken deutlich billiger als geplant. Ausserdem haben die Stimmberechtigten einen privaten Gestaltungsplan für zwei neue Wohnhäuser in Baltenswil ohne Gegenstimme genehmigt. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.09.2018, 17:42 Uhr

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