Opfikon

Klimafreundlicher und erst noch schöner

Energiepionier Walter Schmid hat sein Mehrfamilienhaus saniert. Neben einer Fassade mit Solarmodulen hat er eine seiner patentierten Innovationen eingebaut.

Die Fotovoltaikmodule an diesem Gebäude unterscheiden sich kaum von einer herkömmlichen Fassadenverkleidung.

Die Fotovoltaikmodule an diesem Gebäude unterscheiden sich kaum von einer herkömmlichen Fassadenverkleidung. Bild: PD

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Die Siedlung besteht aus typischen Gebäuden aus den 70er-Jahren: Flachdächer, schlichte Architektur, ocker-farbene verputzte Fassaden, die mit den Jahren fleckig geworden sind. An der Oberen Wallisellerstrasse am Dorfrand von Opfikon sticht seit April eines dieser Mehrfamilienhäuser aus dem Ensemble heraus: Die Nummer 48 hat im Frühling ein elegantes dunkelgrau-grünlich schimmerndes Kleid erhalten. Bei näherer Betrachtung zeigen sich kleine Rillen in der Fassade. Sie besteht gänzlich aus Fotovoltaik-Modulen, die Strom produzieren. Zwischen den Solarzellen und der Hauswand liegt eine 18 Zentimeter dicke Dämmschicht, die den Wärmeverlust stark reduziert.

Das Haus gehört der Glattbrugger Baufirma W.Schmid. Deren Gründer Walter Schmid ist schon lange als Pionier in Sachen nachhaltiges Bauen bekannt Bereits 1974 installierte er auf seinen Gebäuden Sonnenkollektoren und 1985 realisierte er die erste Tiefenwasserbohrung und konnte mit dem gefundenen warmen Wasser 200 Wohnungen heizen. Aus seinem Unternehmen ging auch die Firma Kompogas hervor, welche Biogas aus vergärten Pflanzenabfällen und Essensresten herstellt und heute zum Energieunternehmen Axpo gehört. 2012 eröffnete Schmid die Umwelt Arena in Spreitenbach.

Gut aufeinander abgestimmt

Die neuste Innovation der Umwelt Arena ist die sogenannte Hybridbox, ein patentiertes System, das auch im Mehrfamilienhaus in Opfikon ein wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts darstellt. Der Kasten im Keller hat etwa die Grösse einer Gefriertruhe. Es handelt sich um eine Energiezentrale, welche die verschiedenen Energiequellen optimal aufeinander abstimmt. In Opfikon kombiniert sie eine Gasheizung, die auch Strom produziert (Blockheizkraftwerk) mit einer Wärmepumpe. Je nach Witterung und Verfügbarkeit von Elektrizität nimmt das eine oder andere System den Betrieb auf. Die Hybridbox stösst gut halb so viel klimaschädigendes Kohledioxid aus wie die Ölheizung, die zuvor im Haus installiert war. Das System heizt auch das Nachbargebäude, das ebenfalls im Besitz der Firma W.Schmid ist und bis anhin noch über keine Wärmedämmung verfügt.

«Energetische Sanierungen müssen kostendeckend sein, sonst werden nur wenige Besitzer von Häusern aktiv.»

Walter Schmid,
Energiepionier aus Opfikon

«Ich bin überzeugt, dass dies eine gute Lösung für Altbau-Sanierungen ist», sagt der umtriebige Senior. «Es ist gut möglich, dass der Einbau von Ölheizungen bald verboten wird.» Die Hybridbox eigne sich für alle Arten von Gebäuden, erklärt er. Mit Biogas kann die Anlage sogar nahezu klimaneutral betrieben werden, wobei dies ein rares Gut ist. Die Nachfrage übersteigt in der Schweiz die Produktion. Ein guter Teil des hier verbrauchten Biogases wird importiert. Potential sieht Walter Schmid in Zukunft auch bei der sogenannten Power-To-Gas-Technoloige, bei der überschüssiger Strom für die Produktion von Gas verwendet wird.

Mieten steigen moderat

Die Sanierung des Hauses mit sieben Wohnungen hat gut eine halbe Million Franken gekostet, wovon mehr als die Hälfte für die Fotovoltaik anfiel. Die Investition sollte sich aber über die vielen Jahre, welche die Anlage Strom liefert, auszahlen. Walter Schmid hat bereits 1988 bei einem seiner Häuser in Glattbrugg Solarmodule an der Fassade angebracht. Damals habe der Quadratmeter noch 4000 Franken gekostet, erinnert er sich. Heute liegt der Preis bei 500 bis 600 Franken - bei besserer Leistung und Ästhetik. Fassadenmodule sind mittlerweile in diversen Farbtönen erhältlich und meist kaum mehr als solche erkennbar.

Dennoch seien die hohen Kosten für energetische Sanierungen noch ein grosses Problem, stellt Schmid fest. «Sie müssen kostendecken sein, sonst werden nur sehr wenige Hausbesitzer aktiv. Es braucht politische Lösungen.»

Die Hausbewohner in Opfikon werden mit einem moderaten Anstieg des Mietzinses rechnen müssen. Dafür sollten aber die Nebenkosten für die Heizung deutlich sinken. Alle Mieter konnten während der Renovation in ihren Wohnungen bleiben.

Erstellt: 08.10.2019, 17:47 Uhr

Infobox

In der Umwelt Arena Spreitenbach erfahren Besucher mehr über die Hybridbox und bekommen verschiedene Fassadenmodule zu Gesicht. www.umweltarena.ch

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