Kloten

Kloten zelebriert die neue Urbanität

Die Klotener Regierung hat zum Jahresbeginn vor 150 geladenen Gästen ihren Ausblick in die Zukunft präsentiert. So gibt man sich urban und verteilt auch gern Seitenhiebe an die Nachbarn.

Die Glattalbahnverlängerung bringt der Flughafenstadt wohl diese markante Brücke über die A51. Solche Veränderungen sorgen zunehmend für ein neues Selbstverständnis in Kloten. Visualisierung: Architron GmbH/Stadt Kloten

Die Glattalbahnverlängerung bringt der Flughafenstadt wohl diese markante Brücke über die A51. Solche Veränderungen sorgen zunehmend für ein neues Selbstverständnis in Kloten. Visualisierung: Architron GmbH/Stadt Kloten

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Wo Licht ist, gibts auch Schatten, heisst es. Während Kloten sich beim traditionellen Jahresausblick der Stadtregierung vor geladenen Gästen selbstredend im besten Licht präsentierte, erzeugte dies auch Schatten. Aus Klotens Perspektive betrachtet, befindet sich die Schattenseite der eigenen Urbanisierung gewissermassen im dörflichen Osten der Flughafenstadt. Und so musste das benachbarte Bassersdorf öfters als entwicklungsscheues Gegenbeispiel herhalten, als Stadtpräsident René Huber (SVP) selber lieb war.

Der Stapi von Kloten hatte am Montagabend bereits zum 13. Mal seine «besten Steuerzahler» zum Jahresausblick geladen. Gekommen waren rund 150 Personen aus Industrie, Gewerbe und Unternehmertum sowie Politiker und Verwaltungschefs. Es waren so viele wie nie zuvor bei diesem besonderen Neujahrsapéro. Das passte zum selbstbewussten Bild, das die Klotener Regierung vermittelte. «Uns gehts seit Jahren gut», befand Finanzvorsteher Mark Wisskirchen (EVP) im Interview mit SRF1-Radiomann Stefan Siegentaler auf der Bühne des festlich beleuchteten Schluefwegsaals.

Versalzen geht nicht

«Uns kann man die Suppe nicht versalzen», meinte der gelernte Koch Wisskirchen und Herr über die prall gefüllte Stadtkasse auf eine lockere Frage des Berners Moderators mit Klotener Wohnsitz. Zwar war nicht alles gar so ernst gemeint, was die Stadträte reihum an diesem Abend in ihren Kurzauftritten am Mikrofon verrieten, aber wie sich die sieben Politiker gaben, zeugte von einem neuen Klotener Selbstverständnis. Schliesslich sprudeln die Millionen auch dank den beiden allerbesten Steuerzahlern – Swiss und Flughafen AG wurden vom Stapi einzeln begrüsst – seit Jahren ohne Ende und sorgen für Rechnungsüberschüsse im zweistelligen Millionenbereich. Das erlaubt Kloten grosse Investitionen in die Infrastruktur, sorgt für regen Baubetrieb und enorme Veränderungen.

Ob das Ortsbild denn nicht leide und Bassersdorf gar schöner sei, wollte der Moderator von Bauvorsteher Roger Isler (FDP) wissen. – «Dörfli bleibt Dörfli. Die wollen eben nicht wachsen. Wir machen es anders, gestalten mit und wachsen», setzte er einen Seitenhieb an die Nachbarn, wo man eine Anti-Hochhaus-Initiative angenommen hatte und kein neues Land für ein Bahnhofquartier einzonen will. Kloten erhalte bald einen noch schöneren Stadtplatz, der «einfach fantastisch» werde, schwärmte Isler. Nur die Weihnachtstanne und der Rösslibrunnen seien bei der Umgestaltung «sakrosankt». Darüber werde dann 2021 abgestimmt. Neue Grossprojekte würden Kloten urbaner machen. Im Zentrum entstehe bald auch das höchste Gebäude unter Isler als oberstem Bauführer der Flughafenstadt – ein 28-Meter-Hotelturm.

Bassersdorf übernehmen

Auch auf das «Schlüsselprojekt» Glattalbahnverlängerung, wie Stapi Huber die nächsten drei Kilometer Tramgleise nennt, wartet man in Kloten voller Vorfreude. Im heutigen Industriegebiet hegt man deshalb bereits grosse Pläne für neue Mischzonen zum Wohnen und Arbeiten. Wie markant sich die Tramlinie über die Flughafenautobahn in Richtung Stadtzentrum schwingen könnte, zeigte eine erstmals präsentierte Fotomontage mit einer modernen Hängebrücke. Ein Vorprojekt dieser Tramverlängerung liege jetzt vor, verriet Huber. Da könnten die betroffenen Gemeinden nun Stellung nehmen – auch Bassersdorf. Von dort gabs zuletzt harrsche Kritik an Hubers ablehnender Haltung gegen eine längst herbeigesehnte Umfahrungslösung. Ob er bald mit Elefanten gen Bassersdorf ziehe, wenn ihm schon «afrikanisches Gebahren» vorgeworfen werde, fragte der Moderator. Mit dem bald fertigen Circle und neuen Steuerzahlern im Rücken könne Kloten ja vielleicht eine «feindliche Übernahme» von Bassersdorf ins Auge fassen. – «Das könnten wir ohne Circle ja schon jetzt tun», witzelte Huber im Wissen, dass Bassersdorf ebensolche neuen Steuerzahler schmerzlich vermisst.

Circle-Bau im Endspurt

Bald kann sich Klotens Stapi René Huber (SVP) nicht mehr mit der grössten Baustelle der Schweiz bei Regierungskollegen in anderen Städten brüsten. Die Vorfreude über die Eröffnung des 1,2 Milliardenprojektes am Flughafenkopf ist dafür umso grösser. Am Montag gewährte Klotens Stadtpräsident den Machern des Circles einen Auftritt vor den gelandenen Gästen der Stadt.

Beat Pahud, Gesamtprojektleiter von The Circle und Stefan Gross, Kommerzchef des Flughafens gaben sodann Einblick in den Arbeitsstand kurz vor Abschluss der Bauarbeiten. Am geplanten Eröffnungstermin (1. September 2020) liessen sie keine Zweifel aufkommen. Derzeit fehle noch ein Technologieunternehmen als Wunschmieter, verkündete Gross und sprach stets von zwei urbanen Zentren, die es in Kloten künftig geben wird. Mit Gassen und Plätzen im Innern sowie einem illustren Gastroangebot inklusive einem Restaurant (Le Sablier) auf dem Dach des Neubaus versuche man städtische Situationen zu schaffen. «Eine Altstadt haben wir nun mal nicht und so etwas nachzubauen ergäbe ein Disneyland.»

Mit der Eröffnung von Circle steige Kloten gewissermassen auf und werde, nebst Zürich, zur einzigen Stadt der Schweiz mit einem Globus und einen Jelmoli. Aktuell sind allerdings erst rund 70 Prozent der Flächen vermietet. Gross rechnet derzeit nicht, alles dauerhaft zu 100 Prozent auslasten zu können. «Wir wollen nicht einfach füllen», machte er deutlich. Man sei darauf bedacht, dass der Mix passt.

Unter den Neuen ist auch der IT-Konzern Microsoft Schweiz, der mit 600 Leuten einziehen wird. «Das ist ein Meilenstein für uns», meinte Kommunikationschef Tobias Steger. Insgesamt werden bis zu 6000 Arbeitsplätze im Circle angesiedelt, so viele wie ganz Bassersdorf heute hat. Die Nutzfläche ist rund viermal so gross wie Kommerzchef Stefan Gross als einstiger Boss des Glattzentrums früher dort vermieten konnte.

Erstellt: 14.01.2020, 20:39 Uhr

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