Neerach

Kompromisslos gegen Umfahrung

Gut 270 Leute haben am Montag im Mehrzwecksaal Sandbuck am Diskussionsanlass der Gegner einer Umfahrung des Neerachrrieds teilgenommen. Als einziger sprach sich der Steinmaurer Kantonsrat Robert Brunner dafür aus.

Ob und wie das Neeracherried künftig umfahren werden soll, ist nach wie vor unklar.

Ob und wie das Neeracherried künftig umfahren werden soll, ist nach wie vor unklar. Bild: Leo Wyden

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Nachdem Vertreter des Kantons, der Naturschutzorganisation BirdLife-Schweiz und die Gemeinderäte von Neerach, Höri und Niederglatt, die ein Konzept zur Neeracherried-Umfahrung erstellt und dem Kanton eingereicht hatten, ihre Teilnahme am Anlass absagten, war die Gegnerschaft dieses Konzepts am Montag im Mehrzwecksaal Sandbuck praktisch unter sich. Organisiert hatten den Anlass Vertreter der 182 Petitionäre, die von der Neeracher Gemeindebehörde erfolglos einen Informationsanlass gefordert hatten.

Bessere Planung

Die Petitionäre sind dagegen, dass die Umfahrung im westlichen Teil des Rieds über die bestehende Dielsdorferstrasse abgewickelt werden soll, wie es im Konzept vorgeschlagen wird. Wie sich am Montag aus den Voten herausstellte, soll jedoch gänzlich auf eine Umfahrung verzichtet werden. Vielmehr sollen die bestehenden Strassen saniert und das heutige Verkehrsregime beibehalten werden.

Petitionärssprecherin Nadine Thalmann referierte zum Thema Neeracherried früher und heute. Dabei stellte sie das 1372 Hektaren grosse Gebiet vor, das als Glaziallandschaft zwischen Neerach und Glattfelden im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) einen besonderen Schutz geniesst. Thalmann verwies darauf, dass das Neeracherried schon immer von Menschen bewirtschaftet worden sei. Sie plädierte für eine bessere Planung unter Einbezug der Bevölkerung, der Landwirtschaft und des Kantons.

Keine Hochleistungsstrasse

Der Steinmaurer Kantonsrat Robert Brunner (Grüne) stellte grundsätzliche Überlegungen zum Moorschutz an und erläuterte die Einträge im Kantonalen und im Regionalen Richtplan. Brunner brach eine Lanze für die Umfahrung des Neeracherrieds. Er vewies auf die Verordnung über den Schutz der Flachmoore von nationaler Bedeutung (Flachmoorverordnung), in welcher der Bundesrat festhält: «Die Kantone sorgen dafür, dass bestehende Beeinträchtigungen von Objekten bei jeder sich bietenden Gelegenheit soweit als möglich rückgängig gemacht werden.»

Auch widersprach Kantonsrat Brunner der wiederholten Behauptung der Petitionäre, wonach die Dielsdorferstrasse zwischen Riedt und Neerach zu einer Hochleistungsstrasse aufgewertet werden solle. Dabei verwies er auf den Eintrag im Kantonalen Richtplan, wo es unter «Umfahrung Höri-Neeracherried» heisst: «Neubau von 2-streifiger Strasse, Abklassierung Wehntalerstrasse (Höri) und Dielsdorferstrasse (Neerach), Ausbau Dielsdorferstrasse zwischen Riedt und Neerach als Verbindungsstrasse, etappiertes Vorgehen für schnellstmöglichen Rückbau aller Strassen im Bereich Neeracherried.» Die Realisierung habe kurzfristig zu erfolgen, steht im Kantonalen Richtplan.

Die Beeinträchtigung des Neeracherrieds sei offensichtlich. Dieses werde durch die Strassen in drei Teile zerschnitten. Diese Strassen seien für Amphibien, Reptilien und teilweise auch für Insekten und Säugetiere nicht überwindbar.

Landwirtschaftsland erhalten

Der Regensdorfer Hans Frei, Präsident des Zürcher Bauernverbands, verwies darauf, dass es sich bei der Umgebung des Neeracherried um sehr fruchtbare Böden handle. Auch er zitierte den Kantonalen Richtplan, in welchem als Ziel für das Landwirtschaftsgebiet der «Schutz der unvermehrbaren und kaum erneuerbaren Ressource Boden» festgehalten ist. Der Bau einer Umfahrung verletze dieses Prinzip. Um das landwirtschaftliche Produktionspotenzial langfristig zu sichern, seien die Fruchtfolgeflächen in ihrem Gesamtumfang dauernd zu erhalten.

Ortsumfahrungen seien keine Lösung, da sie das Problem nicht lösen, sondern nur verlagern würden, sagte Frei. Der Verkehrsrichtplan enthalte allein für das Zürcher Unterland zehn Umfahrungseinträge. Als Sofortmassnahme verlangte der Bauernvertreter den Ausbau der Hardwaldstrasse nördlich von Bülach, den Rückbau der Kiesstrasse und den Zusammenschluss der Glattfelder Autobahn mit der Hochleistungsstrasse Bülach Kloten. Die Strassen durch das Neeracherried seien zu sanieren und falls erwünscht wie an der Wehntalerstrasse zwischen Affoltern und Regensdorf mit Wildtier- und Fussgängerquerungen zu versehen.

Längere Wege für Fahrzeuge

Petitionärin Aline Bigler stellte das Umfahrungskonzept der Gemeinden Neerach, Höri und Niederglatt sowie BirdLife-Schweiz vor und gab ihre Interpretationen dazu ab. Die Umfahrungsstrasse bedeute einen dreimal längeren Weg für Fahrzeuge und es gehe Kulturland verloren.

Petitionär Martin Bigler stellte sich auf den Standpunkt, es sei nicht statthaft, eine Strasse in einem BLN-Gebiet zu verschieben. Es handle sich beim vorliegenden Konzept nicht um eine Umfahrung des Neeracherrieds, sondern um eine Verschiebung von Strassen.

Hans Geiger, der Präsident der Reitbahn-Genossenschaft ORG-Zürich (RGO) in Dielsdorf, befürchtet, dass das Gebiet um das Neeracherrieds für Reiter und Erholungssuchende gesperrt würde. Auch schätze er die Kosten der Umfahrung auf das Vierfache des angegebenen Betrags ein. Dem erwiderte Kantonsrat Robert Brunner, es werde einen Kredit von unter 50 Millionen Franken erteilt werden. «Darüber gibts nichts, und schliesslich ist der Entscheid referendumsfähig», stellte er klar.

Eigenes Konzept erarbeiten

In der lebhaften Diskussionsrunde präsentierte der Neeracher Johann Jucker eine Umfahrungsmöglichkeit, die von Stadel zur Hochleistungsstrasse Bülach-Kloten führen würde. Was mit dem bestehenden Strassennetz im und um das Neeracherried geschehen soll, liess er offen.

Ein Versammlungsteilnehmer störte sich an der grundlegenden Ablehnungshaltung, die im Saal herrschte. Vielleicht sollten die Petitionäre selber ein Konzept ausarbeiten, damit man nicht gegen alles, sondern für etwas sein könne.

Gemeindeinitiative starten

Zum Abschluss der rund zweieinhalb Stunden dauernden Veranstaltung führten die Petitionäre aus, wies nun weitergehen soll. Für die anstehenden Erneuerungswahlen gaben sie ihre Empfehlungen ab.

Ein Mittel sei auch eine Unterschriftensammlung für eine Gemeindeinitiative, mit welcher der Gemeinderat dazu verpflichtet werde, alles zu unternehmen, um die Umfahrung zu verhindern. Schliesslich gelte es, alle Rekursmöglichkeiten gegen einen Ausbau der Dielsdorferstrasse zu ergreifen.

Kanton informiert im Mai

Am Donnerstag, 24. Mai, veranstaltet der Kanton im Niederglatter Mehrzwecksaal Eichi eine Informationsveranstaltung zur Umfahrung Neeracherried mit Regierungsrätin Carmen Walker Späh und Vertretern des kantonalen Amts für Verkehr. Der Anlass beginnt um 19 Uhr. Gemäss Flugblatt, das kürzlich in alle Haushaltungen der Gemeinden Höri, Neerach und Niederglatt verteilt worden ist, wird an diesem Abend aufgezeigt werden, wie das Projekt der Umfahrung des Neeracherrieds weiterbearbeitet werden soll.

Die Einladung zu diesem öffentlichen Anlass werde anfangs April auf den Websites dieser Ortschaften und auf der Homepage von BirdLife Schweiz publiziert. Zudem wird der Anlass in den Gemeindemitteilungsblättern angekündigt.

Erstellt: 20.03.2018, 16:29 Uhr

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