Eglisau

Kräuter aus dem Weidling

Der Urban Gardening-Trend ist im Rheinstädtchen angekommen. Die Eglisauer können sich aus einem Weidling ihren Tagesbedarf an Kräutern und Salat pflücken. Das Projekt wird von Gemeinde und Privaten getragen. In Zukunft sollen weitere Vorhaben zum Thema Umwelt umgesetzt werden.

Eglisauer und Besucher können ihren Tagesbedarf an Kräutern dem Weidling am Rheinufer entnehmen. Das Boot ist Teil des Urban-Gardening-Projektes von Gemeinde und Privaten.

Eglisauer und Besucher können ihren Tagesbedarf an Kräutern dem Weidling am Rheinufer entnehmen. Das Boot ist Teil des Urban-Gardening-Projektes von Gemeinde und Privaten. Bild: Ilda Özalp

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Ein Weidling ziert derzeit die Rheinstrasse in der Eglisauer Altstadt. Von weitem meint der Betrachter, die Gemeinde habe ein ungewöhnliches Blumenbeet aufgestellt – so wie auf der anderen Rheinseite, wo der Hang oberhalb des letztes Jahr fertiggestellten Regenbecken mit einem bepflanzten Weidling verschönert wurde.

Der Inhalt des neuen Weidlings unterscheidet sich aber von demjeningen des alten, wie bei näherer Betrachtung klar wird: Hier sind neben Blumen Kräuter wie Basilikum, Petersilie und Schnittlauch oder auch Salat und Tomatensträucher zu sehen.Ein Schild mit dem Titel «Mitenand i d’Zuekunft in Eglisau» klärt auf: Das Projekt heisse «Garten für Alle» oder auch «Urban Gardening». Eglisauer und Besucher werden dazu eingeladen, das Gemüse und die Kräuter zu nutzen und zu pflegen.

Man solle aber nur so viel abschneiden, wie man an einem Tag benötige. Dies sei im Sinne eines weiteren Projekts: Foodwaste oder Essensverschwendung. Das Rheinufer ist nicht der einzige Ort, wo der tägliche Bedarf an Kräutern und Gemüse gedeckt werden kann. Zwei Hochbeete mit Essbarem stehen auf dem Törliplatz, eines auf dem Pausenhof der Schule. Weitere könnten folgen.

Was Urban Gardening mit Treibstoff zu tun hat

Das Urban Gardening-Projekt ist aus der Veranstaltung «Tomorrow» hervorgegangen, die von Jürg Hugelshofer initiiert wurde und vor drei Wochen stattgefunden hat. Zu dieser hatten neben der Gemeinde die Partei Fokus Eglisau, die Schule, die Genossenschaft 3E, der Bachsermärt und der Filmclub eingeladen. Der Anlass, der das Thema Umwelt beleuchtete, wurde parteiübergreifend sowie vom Gewerbeverein, von Viva Eglisau, dem Verkehrsverein und der Genossenschaft Vier Jahreszyte unterstützt.

Mit dem Urban Gardening wollen die Initianten zeigen, dass Nahrung dort produziert werden kann, wo sie konsumiert wird. Wenn bei der Produktion auf den Einsatz von schwerem Gerät verzichtet werde, verkleinere sich der Bedarf nach Treibstoff, und die Abhängigkeit von Öl sinke.

Laut Gemeindepräsidentin Ursula Fehr sind die Reaktionen zum Urban Gardening-Projekt sehr positiv. Ihr sei kein negatives Feedback bekannt. «Und das will in Egilsau etwas heissen», sagt sie. Bepflanzt hat den Weidling Debora Büeler, eine Angestellte des Werks.

Die Werksmitarbeiter werden sich auch in Zukunft um die Bepflanzung kümmern. Laut Fehr ist aber auch die Initiative von Privaten willkommen. Den Weidling, der auf dem Rhein ausgedient hatte, hat Christoph Hagedorn vom Verein Viva Eglisau zur Verfügung gestellt, wie Fehr sagt. Das Boot wird während des ganzen Sommers in Eglisau zu finden sein.

Ein Curry-Gemüse, das zukunftsweisend ist

An der Umwelt-Veranstaltung wurden zudem die Themen Food Waste, erneuerbare Energien sowie Littering und Abfalltrennung beleuchtet. Auch in Zukunft sollen diese Themen in der Gemeinde präsent sein. «Die Gemeinde fühlt sich in ihren Projekten wie Solardächern auf gemeindeeigenen Gebäuden oder auch einem Wärmeverbund im Städtli bestärkt», sagt Fehr.

An der letzten Gemeindeversammlung hatte die Bevölkerung die Installation von zwei Solaranlagen gutgeheissen. Zum Thema Littering haben Schüler Plakate entworfen. Diese wurden entlang der Zürcherstrasse angebracht.

Laut Fehr könnte zudem auf dem Wochenmarkt wiederholt werden, was Patrick Honauer vom Bachsermärt am Anlass vorgemacht hatte: Er kochte ein Curry-Gemüse, das aus abgelaufenem Gemüse bestand. Es soll nun eine Gruppe gebildet werden, die mit dem Initianten Jürg Hugelshofer weitere Ideen entwickelt. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei Hugelshofer oder Fehr melden.

Auf die Frage, was die Initiativ e die Gemeinde kostet, antwortet Fehr: «Verhältnismässig zur Wirkung und zum Nutzen für die Gemeinde verschwindend wenig bis jetzt.» Die Gemeinde habe einige Hunderternoten und das Werk einige Arbeitsstunden investiert.

Erstellt: 12.07.2017, 17:53 Uhr

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