Winkel

Kümin klettert mit Vorfreude und mehr Kraft

Andrea Kümin tritt ab Sonntag im japanischen Hachioji zur WM an. An der Olympia-Generalprobe ist der Weg zu einem der sieben Tickets für Tokio 2020 nicht nur für die Winklerin weit.

Die Winklerin Andrea Kümin während des Heimweltcups von Meiringen in der Sparte Bouldern. Der Wettkampf in ihrer Paradedisziplin bildet am Sonntag den Auftakt zur WM in Hachioji.

Die Winklerin Andrea Kümin während des Heimweltcups von Meiringen in der Sparte Bouldern. Der Wettkampf in ihrer Paradedisziplin bildet am Sonntag den Auftakt zur WM in Hachioji. Bild: SAC/davidschweizer.ch

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Je vier komplette Medaillensätze bei den Frauen und Männern, dazu sieben Startplätze für die Olympiapremiere ihres Sports – das Angebot der heurigen WM lockt die komplette Weltspitze der noch jungen Disziplin nach Hachioji. In der Grossstadt im Westen Tokios messen sich die besten Sportkletterinnen und Sportkletterer vom kommenden Sonntag an – rund ein Jahr bevor im nahen Tokio die ersten olympischen Medaillen und Diplome vergeben werden.

Dass Andrea Kümin an diesen Welttitelkämpfen zum fünfköpfigen Schweizer Team zählen würde, erfuhr die Winklerin erst rund drei Wochen zuvor. Es war keineswegs selbstverständlich. Denn ausser Petra Klingler, ihres Zeichens Weltmeisterin des Jahres 2016 in der Sparte Bouldern, und Sascha Lehmann, der Anfang Juli am Heimweltcup von Villars-sur-Ollon den Sieg im Leadklettern davontrug, konnte kein Nationalkadermitglied sein WM-Ticket auf sicher wähnen. Umso glücklicher zeigt sich Kümin darüber, dass es doch geklappt hat. «Ich habe mich noch nie so fest auf eine WM gefreut wie dieses Mal», sagte sie unmittelbar vor dem Abflug am Montag, «sie wird noch grösser als die WM letztes Jahr in Innsbruck und sicher der grösste Wettkampf, an dem ich bisher mitgemacht habe.»

Da Sportklettern in Japan überaus populär ist, rechnet die 21-Jährige mit sehr vielen Fans. Punkto Teilnehmerzahl und Publikumsinteresse dürften diese Welttitelkämpfe daher zu den bisher grössten anvancieren – für das Wettkampfprogramm steht dies bereits fest. Denn wie erstmals 2018 in Innsbruck kommen alle drei Teildisziplinen Bouldern, Lead- und Speedklettern sowie ein anschliessender Kombinationswettkampf am selben Ort und innert weniger Tage zur Austragung. Doch zusätzlich zum Vorjahr kommt es in der Kombination nicht direkt zum Final der besten acht. Vielmehr ziehen diesmal die besten zwanzig Sportkletterinnen aus der Gesamtwertung der drei Teildisziplinen in die Qualifikation des Kombinationswettkampfs ein. Und in dieser wird erneut im Bouldern, Lead und Speed um den Einzug in die Endausmarchung der Top 8 geklettert. Zum Abschluss der WM geht es dann für sie um die Medaillen der Kombinationswertung – und um sieben Olympiastartplätze.

Zu mehr fehlt nicht viel

Ihre Chancen, am Ende der elftägigen Mammut-WM noch mit im Olympiarennen zu sein, stuft Andrea Kümin indes nicht allzu hoch ein. «Nur schon, mich für den Kombinationswettkampf zu qualifizieren, wäre ein Riesenerfolg», sagt die Winklerin, «das muss man realistisch sehen. Von vornherein ausschliessen möchte ich es natürlich nicht.» Angesichts ihrer internationalen Resultate im bisherigen Saisonverlauf scheint die Bescheidenheit wohlbegründet. Als Bestergebnis erreichte sie einen 27. Platz am Weltcup von München in ihrer Paradedisziplin, dem Bouldern. Doch da sie dort, ebenso wie an den Leadweltcups von Villars (35.) und Chamonix (43.), gute Leistungen zeigte und die Halbfinals nur jeweils sehr knapp verpasste, liegt in Japan durchaus mehr für sie drin.

Neben den ausgeglichen starken Ergebnissen im Inland, wo Kümin heuer als Einzige neben Petra Klingler an allen drei Schweizer Meisterschaften eine Medaille gewann (Silber im Bouldern, Bronze im Lead- und im Speedklettern), hätten ihr diese guten Perspektiven am Ende die WM-Selektion eingebracht, schätzt sie. «Oft haben ja nur ein, zwei Züge mehr für den Halbfinal gefehlt.»

Die Form stimmt

Ihre WM-Selektion sieht Andrea Kümin denn auch als Lohn für ihren Aufwärtstrend und die guten Leistungen in der aktuellen Saison. Ihre deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr erklärt sie zum einen mit dem Kraftzuwachs, den sie sich durch gezieltes Training während der Vorbereitungszeit erarbeitet hat, zum andern mit dem Glück, heuer von Verletzungen verschont geblieben zu sein. Vor dem WM-Start fühle sie sich gut in Form, einzig der Ringfinger ihrer rechten Hand schmerze im Moment etwas. «Aber das behindert mich beim Klettern nicht», sagt sie.

Ein resultatmässiges Ziel habe sie sich dennoch nicht gesetzt. «Das ist in unserem Sport generell schwierig, allein schon, weil wir die Leistungen der anderen gar nicht beeinflussen können.» So habe sie sich einzig vorgenommen, sich auf einen Wettkampf nach dem andern zu konzentrieren und so gute Leistungen wie möglich zu zeigen. «Ich zähle sicher nicht zu den Favoritinnen, verspüre darum wenig Druck», fügt die Psychologiestudentin an. Das wiederum erscheint in Verbindung mit dem Aufwärtstrend, Vorfreude und guter Form als günstige Ausgangslage.

Erstellt: 07.08.2019, 19:38 Uhr

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