Fussball WM 2018

Kulinarische WM im Zürcher Unterland

Menschen aus der Region mit Wurzlen in Brasilien, Argentinien, Südkorea und Tunesien haben für den «Zürcher Unterländer» Speisen aus ihren Herkunftsländern gekocht.

Reto Darms, Danijela Kaurin, Zora Bisacca, Lily Zaja und Evelyn Darms (von links)                und ihre beiden Söhne sowie eine Freundin (hintere Reihe) teilen die Speisen aus Argentinien und Kroatien.

Reto Darms, Danijela Kaurin, Zora Bisacca, Lily Zaja und Evelyn Darms (von links) und ihre beiden Söhne sowie eine Freundin (hintere Reihe) teilen die Speisen aus Argentinien und Kroatien. Bild: Sibylle Meier

Während ihre Teams in Russland auf dem Rasen stehen, stehen sie in den Unterländer Küchen am Herd: Leute mit Wurzeln in Argentinien, Kroatien, Brasilien, Südkorea und Tunesien haben für den «Zürcher Unterländer» Gerichte aus ihren Herkunftsländern zubereitet. Auf dem Menü stehen Zagorski Strukli, Pastel de choclo, Reis und Bohnen, Bibimbap und Couscous. Landestypische Speisen der übrigen elf Nationen, die in den Gruppen D, E, F und G spielen, werden in der Bildstrecke (rechts in der Box) präsentiert.

Brasilien

(811 Personen im Zürcher Unterland)

Feijoada heisst der typische brasilianische Bohneneintopf mit Fleisch. «In eine richtige Feijoada gehören unter anderem auch Schweineohren, das mögen aber hier in der Schweiz viele nicht», sagt Dagmara Müller-Wozniak, die aus São Paulo stammt. «Als ich das Gericht im Amazonas zum ersten Mal probierte und ich einen Schweinefuss darin entdeckte, habe ich mich sehr erschrocken», erinnert sich Dagmaras Mann Benjamin Müller-Wozniak und lacht. Seinetwegen ist sie vor 12 Jahren in die Schweiz gezogen, heute lebt das Paar gemeinsam mit Tochter Rebecca in Lufingen.

Aromat und Käsebrötchen

Statt des traditionellen Gerichts hat Dagmara eine für Schweizer verträgliche Version davon gekocht: Reis mit Bohnen. «Das isst man in Brasilien jeden Tag. Dazu gibts jeweils noch Fleisch und Salat.» Als weitere Beilage serviert sie Maniokmehl, ein wichtiger Bestandteil dieser Küche.

Dagmara Müller-Wozniak beim Essen mit Mann Benjamin und Tochter Rebecca (Bilder: Sybille Meier).

Dagmara würzt die Bohnen. «Man kann eine brasilianische Gewürzmischung, Bouillon oder auch Aromat dafür nehmen.» Obwohl sie sich bezüglich der Streuwürze schon gut in der Schweiz integriert hat, gibt es doch Essen, das sie vermisst, zum Beispiel Pão de Queijo, kleine Käsebrötchen. «Wenn ich in Brasilien ankomme, kaufe ich als Erstes Pão de Queijo und trinke einen Kaffee.» Seit ihre Tochter auf der Welt ist, fliegt sie etwa einmal pro Jahr rüber, vorher öfters. «Meine Eltern sind damals von Polen nach Brasilien ausgewandert.» Deswegen sei ihr Name auch nicht brasilianisch.

Fruchtiges Dessert

Zum Trinken gibts Caipirinha, den Cachaça hat Dagmara aus Brasilien mitgebracht. Als Nachtisch hat sie eine Maracujamousse gemacht: ein Becher Sauerrahm, eine Tube Kondensmilch und drei Maracujas pürieren und für vier Stunden kalt stellen. Einfach zu machen, schmeckt lecker.

Reis mit Bohnen: 500 g Bohnen mit ein paar Saucisson-Stücken 40 Minuten lang im Dampfkochtopf kochen. Danach in der Bratpfanne 1 gehackte Zwiebel und Knoblauchzehe mit 80 g Speckwürfeln anbraten. 2–3 Schöpflöffel Bohnen mit Flüssigkeit in die Bratpfanne geben, mit der Kelle zerdrücken und würzen. Danach die zerdrückten Bohnen und die Speckmischung in den Topf zurückgeben und noch etwas köcheln lassen. Nebenbei Reis nach Anleitung zubereiten. Dazu dünne Rindsplätzli servieren. Als Beilage wird Maniokmehl gereicht.

Südkorea

(53 Personen im Zürcher Unterland)

Eine koreanische und eine Schweizer Flagge sind auf das Steinbord vor Hee Chan Weyermanns Haus in Winkel aufgemalt. Sie künden an, was einen drinnen erwartet: eine schweizerisch-koreanische Familie. Hee Chan ist vor 30 Jahren in die Schweiz gekommen. Sie und ihr Mann Heinz haben zwei erwachsene Söhne.

Auf dem Esstisch sind verschiedene kleine Schalen angerichtet. «In Korea isst man nicht nur ein Gericht, sondern immer noch viele Beilagen dazu», erklärt Heinz, der von der koreanischen Kultur begeistert ist. Neben den mit Sojasauce marinierten Rindsfiletstreifen stehen Jeon, kleine, pfannkuchenähnliche Fladen, hier aus Fisch und Gemüse. Auch eine scharfe Sauce sowie selbst gemachtes Kimchi, gegärte und gewürzte Chinakohlblätter, stehen bereit. «Wir haben im Keller einen Kühlschrank nur für Kimchi, das ist in Korea üblich», berichtet sie.

Bibimbap in der Luft

In der Küche steht ein Gasherd, wie man ihn vom Campen kennt. «Die Dolsot-Schüsseln – auf Deutsch bedeutet das heisser Stein – funktionieren auf dem Induktionsherd nicht», erklärt die Koreanerin. In den brennfesten Schalen bereitet sie Bibimbap zu: Unten ist der Reis, der durch die Flamme angebraten wird, darüber legt Hee Chan Gemüsestreifen und Rindfleisch. Zum Schluss kommt ein Ei drauf. Vor dem Essen mischt man einen Löffel der scharfen Sauce darunter und rührt um, bis sich der ganze Reis leicht rötlich färbt.

Hee Chan Weyermann und ihr Mann Heinz essen überwiegend koreanisch.

Hee Chan kocht nicht nur privat sehr gerne, sondern hat auch beruflich damit zu tun: «Ich arbeite bei Korean Air und bin dort fürs Catering zuständig. Bibimbap servieren wir auch an Bord.»

Bibimbap (für 4 Personen) Den Reis nach Anleitung kochen. Gemüse (z. B. 3 Karotten, 3 Zucchetti, 3 Paprika, Kohlrabi, Pilze) in dünne Streifen schneiden und in Öl anbraten. In einer separaten Pfanne 200 g Rindshack mit Sojasauce, Knoblauch und Honig mariniert anbraten. Reis in die Dolsot-Schüsseln geben und über dem Gasherd die unterste Schicht knusprig werden lassen. Gemüse und Fleisch darauf anordnen, zum Schluss ein Spiegelei drauflegen. Vor dem Essen scharfe Gewürzpaste drunterrühren.

Kroatien / Argentinien

(859/38 Personen im Zürcher Unterland)

Angekündigt waren nur kroatische Spezialitäten, doch die beiden Kroatinnen Zora Bisacca und Lily Zaja sind zu Besuch bei ihrer Kollegin Evelyn Darms. Sie ist gebürtige Argentinierin und tischt deswegem auch Speisen aus ihrer Heimat auf. Die drei Frauen schauen gemeinsam mit Evelyns Familie und einer anderen Kollegin den Vorrundenmatch Kroatien gegen Argentinien.

Auf dem grossen Esstisch im Regensdorfer Wohnzimmer fusionieren die südamerikanische und die balkanische Küche: Zagorski Strukli, eine Art salziger Käsekuchen, sowie Wurstwaren und Käse vertreten Kroatien. «Die kroatische Küche ist sehr vielseitig. Man spürt die Einflüsse der Umgebung: in Istrien von Italien, in Zagreb von Österreich. Ostkroatien ist ungarisch geprägt», erklärt Lily. Sie hat auch noch Oliven aus Dalmatien mitgebracht, die von den Bäumen rund um ihr Elternhaus stammen.

Nachtisch für arme Leute

Zum gegrillten Fleisch – in beiden Ländern ist Grill eine beliebte Zubereitungsart – hat Evelyn Pastel de choclo, Maisauflauf, gemacht. Als Nachtisch serviert sie Budin de pan, Brotpudding. «Traditionell ist das ein Nachtisch für arme Leute. Brot, Milch und Eier haben die meisten, auch auf dem Land» erklärt sie.

«Wer will Kaffee oder Tee?», fragt Evelyns Mann Reto nach dem Essen. «Ich nehme Tee», antwortet Lily und bekommt eine Tasse koffeinhaltigen Mate-Tee, der in Argentinien und anderen Ländern Südamerikas sehr beliebt ist. Zuvor gab es kroatischen Wein.

Reto Darms, Danijela Kaurin, Zora Bisacca, Lily Zaja und Evelyn Darms (von links) und ihre beiden Söhne sowie eine Freundin (hintere Reihe) teilen die Speisen aus Argentinien und Kroatien.

Während dieses Festmahls treffen die beiden Nationalmannschaften auf dem Fussballplatz als Konkurrenten gegeneinander an. Doch wichtiger als das Spiel ist für die Anwesenden das Beisammensein. Die Stimmung ist gut, es wird viel gelacht und geredet – obwohl Argentinien schliesslich 0 zu 3 verliert, verbringen alle einen schönen Abend.

Pastel de choclo (für eine grosse Auflaufform) Mais von 8 Kolben entfernen. 4 grob gehackte Zwiebeln und 2 Knoblauchzehen in Butter anschwitzen. 6 Eier, 2 dl Rahm und etwas Reibkäse im Mixer mischen, nach Belieben würzen. Mais ebenfalls in den Mixer geben und klein hacken. Zum Schluss 1 Dose Mais sowie abgekühlte Zwiebeln und Knoblauch beifügen, alles vermischen, aber nicht mehr hacken. Bei 180 Grad 40 Minuten backen.

Zagorski strukli 800 g Frischkäse, 200 ml Sauerrahm und 3 Eier für die Füllung mischen und würzen. 750 g Mehl, ca. 150 ml Wasser, etwas Öl und ½ TL Salz zu Teig kneten, 45 Minuten ruhen lassen, danach sehr dünn ausrollen. Die Füllung darauf verteilen, Teig in etwa 10 cm grosse Stücke schneiden und diese zu Päckchen falten. Strukli für 3 Minuten in Wasser kochen, danach in die gefettete Form legen, mit Milch und Sauerrahm übergiessen, bei 180 Grad 30 bis 45 Minuten backen.

Tunesien

(159 Personen im Zürcher Unterland)

Süsser Pfefferminztee und Makrouds – eine Art Kekse aus Griessteig mit Dattelfüllung – stehen auf dem Tisch im Wohnzimmer von Asma Boulakbeche. «Das nimmt man nach dem Mittagessen mit Kaffee oder Tee zu sich. Gerne werden Makrouds auch an Festen serviert», erklärt die Tunesieren, die seit 2001 in Buchs lebt. «Ich kann die nicht so gut backen, meine Mutter hat sie gemacht», gibt sie lachend zu.

Ein besonderer Topf

Asma hat Couscous, ein Gericht aus ihrer Heimat in Nordafrika, vorbereitet. «Dafür nehme ich nicht den Couscous, den es hier zu kaufen gibt und der in fünf Minuten fertig ist, sondern solchen aus Tunesien.» Zum Kochen verwendet sie einem besonderen Topf – eine Couscousière –, der aus zwei Teilen besteht. Der untere Teil ist ein normaler Topf, in dem das Gemüse in der Bouillon kocht, darauf kommt ein siebartiger Aufsatz, in dem der Hartweizengriess durch den Dampf der Sauce gar wird.

Asma Boulakbeche und ihre Kinder Baya und Furat geniessen das selbst gemachte Couscous.

«Lecker, es riecht nach Couscous», sagt Asmas Sohn Furat erfreut, als er zur Tür herein- kommt. Seine jüngere Schwester Baya bevorzugt die Makrouds. Doch meist gibt es im Hause Boulakbeche nicht tunesisches Essen, da die Zubereitung recht aufwendig ist. «Mein Mann ist halb Italiener, halb Tunesier, deswegen gibt es auch häufig Pasta oder Pizza.»

Doch an diesem Tag gibt es das traditionelle tunesische Gericht, serviert in einer wunderschön gemusterten Tonschale – der Geschmack ist ebenso gut wie der Geruch und das Aussehen.

Couscous (für 4 Personen) 1 gehackte Zwiebel in Olivenöl in der Couscousière anschwitzen. 2 halbierte Karotten und 2 ganze Zwiebeln dazugeben, etwa 1 EL Tomatenmark, Harissa und andere Gewürze beifügen. 3 Kartoffeln und 2 halbierte Zucchetti ebenfalls in die Pfanne geben, mit Bouillon ablöschen und köcheln lassen. 250 g Couscous in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser und 1 EL Olivenöl anfeuchten, kurz einziehen lassen und dann in den Siebaufsatz geben. Alles so lang köcheln, bis es gar ist. Zum Schluss Couscous in eine grosse Schüssel geben und die Sauce aus dem Topf löffelweise darübergeben, bis alles eingefärbt ist. Gemüse darauf verteilen und etwas gekochte Kichererbsen und Rosinen darübergeben.

Erstellt: 27.06.2018, 11:01 Uhr

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