Kloten

Lächeln und vorwärts schauen

Lauri Tukonen spielt heute Freitag gegen Visp zum ersten Mal vor Klotener Publikum. Der neue finnische Stürmer hat im Lauf seiner Karriere schon so manchen Tiefpunkt weggesteckt.

Klotens Neuzuzug Lauri Tukonen strahlt auch nach seinen vielen Verletzungen Optimismus aus.

Klotens Neuzuzug Lauri Tukonen strahlt auch nach seinen vielen Verletzungen Optimismus aus. Bild: Roland Jauch

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Als Thema wird, ein Foto von ihm zu schiessen, sagt er gleich: «Das wird dann aber nichts Tolles, mein Gesicht ist nicht gerade hübsch.» Lauri Tukonen zeigt auf seine Nase und sagt: «Die ist schon fünfmal gebrochen.» Es ist ein Ausrutscher. Denn eigentlich hat er sich vorgenommen, nicht über seine Verletzungen zu sprechen. Man kann im Gesicht lesen, wie oft er schon vom Unglück getroffen­ wurde. Doch die vielen Narben erzählen nur einen Teil der vielen Geschichten. Die Saison 2009/10 ist die ­letzte, die Lauri Tukonen, bei den U-18- und U-20-Junioren-Weltmeisterschaften ein Topspieler, ohne Verletzung überstanden hat. Seither hatte er immer wieder Rückschläge zu verarbeiten, fast zehn Jahre lang. «Es waren nie muskuläre Verletzungen», erklärt der 32-Jährige. Einmal hier ein Knochen, ein andermal dort einer. Im vergangenen Winter im finnischen Rauma waren es ein Wadenbeinbruch und eine Schulteroperation, die ihn zum x-ten Mal zurückwarfen. Quasi, um das schlechte Karma zu durchbrechen, ersuchte er im Herbst um die Auflösung des Vertrags, «ich wollte neu beginnen, an einem neuen Ort». Er ging nach Pori, danach kam die Chance, im Team des schwedischen Meisters Växjö wenigstens für einen Monat auszuhelfen.

«In Schweden haben sie mir gesagt­, dass ich sehr gut gespielt hätte.» Aber sie erklärten ihm auch, dass sie, nachdem die Verletzten sich wieder gesund gemel­det, keinen Platz mehr für ihn haben würden. Am 8. Januar absolvierte er daher den letzten Match für Växjö, am 20. Januar in Pruntrut gegen Ajoie seinen ersten für Kloten. Dazwischen verbrachte er mehr als eine Woche­ ohne Schlitt­schuhe, denn seine Ausrüstung war auf dem Heim­flug von Schweden abhandengekommen.

Entweder oder

Gegen Ajoie wurde Lauri Tukonen ins kalte Wasser geworfen, danach musste er sich, weil seine neuen Mitspieler freibekommen hatten, alleine auf dem Eis bewegen. Erst am Mittwoch ging seine Zeit in Kloten mit dem ersten gemein­samen Training so richtig los. Den Verantwortlichen empfohlen hat ihn Kimmo Rintanen, der zu Tukonens Zeit in Turku (2014 bis 2016) einer seiner Trainer war. Rintanen diente umgekehrt auch Lauri Tukonen als Auskunftsperson über seinen neuen Arbeitgeber. «Rintanen war ein grossartiger Spieler, und er ist auch ein grossartiger Coach», sagt Tukonen fast schon mit Ehrfurcht in der Stimme.

Aufgewachsen ist Tukonen in Hyvinkää, einem Ort, der vor allem­ als Eisenbahnknotenpunkt bekannt ist. Bereits mit 16 wechselte er nach Espoo bei Helsinki. Damals hiess der Trainer der «Blues» Ted Sator, und der US-Amerikaner stellte junge Leute wie Tukonen vor die Wahl: Eis­hockeyprofi zu werden oder einen normalen Beruf zu erlernen. Welcher 16-Jäh­rige entscheidet sich da schon gegen den Traum? Tukonen jedenfalls wollte­ Profi werden, und er schaffte es. An der U-20-WM wurde er ins All-Star-Team gewählt, im NHL-Draft wurde er von Los Angeles in der ersten Runde gezogen. Mit 20 wech­selte er nach Nordamerika. Nach zwei Sai­sons für die Manchester ­Monarchs in der AHL wurde er von Dallas übernommen, danach von Tampa. Beide waren ohne Farm­team; also spielte Tukonen die meiste Zeit in Finnland. «Ich war bereit für die NHL, aber dann hat es mit den Verletzungen angefan­gen. Sie haben meine Entwicklung gebremst.»

Leidenschaft und Optimismus

Seine Karriere wegen all des Unge­machs abzubrechen, war für Lauri Tukonen jedoch nie Thema. «Eishockey ist für mich kein Job, sondern eine Leidenschaft.» Davon zeugt auch seine einmalige Einrichtung im Som­mer­haus: Er hat sich einen Kraftraum gebaut, den inzwischen auch andere Eishockeyprofis fleis­sig nutzen. «So kann ich sehr viel Zeit sparen. Und nur weil ich sorgfältig zu meinem Körper schaue, habe ich nach allen Verletzungen immer wieder schnell zu meiner Form gefunden.» Mit einem Blick zurück sagt er: «Es scheint, als ob ich jedes Jahr etwas Gravierendes erlitten ­hätte.» Er tut das mit dem Satz ab: «Shit happens.» In solchen Fällen gebe es nichts anderes zu tun als: Lächeln und vorwärts schauen. Er sagt auch: «Alles geben, was man hat – und dann schauen, was rauskommt.»

Wenn man so gehandelt habe, gebe es zum Beispiel auch keinen Anlass, nach einem verlorenen Spiel gleich «Harakiri-Gedanken» zu haben. Drei wesentliche Gründe für Tukonens positive Lebenseinstellung reisen bald nach in die Schweiz: seine Frau und die zwei Söhne. All die Emotionen der Kinder mitzuerleben, das sei einfach grossartig. «Meine jungen Teamkollegen beschäftigen sich mit Videogames, ich hab meine Kinder», sagt er dazu. Und einen Job in Kloten, der ihn glück­lich macht. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 25.01.2019, 09:22 Uhr

Kloten heute gegen Visp

Eglis Rückkehr im Spiel für die Young Flyers

Der Freitagsmatch gegen den EHC Visp steht für die Klotener Gastgeber unter dem Motto: wieder­ vorwärts auf einen Platz unter den ersten vier Teams in der so engen Swiss-League-Spitze zu kommen. Drei Punkte gegen Visp und drei Punkte am Sonntag in Biasca könnten – je nachdem, wie die anderen Resultate ausfallen – sogar zum Sprung nach ganz vorne reichen. Dazu beitragen könnte auch Dominik Egli. Kloten gab gestern die Rückkehr des Verteidigers, der nach dem Ende der vergangenen Saison nach Biel gewechselt hatte, bekannt. Egli verstärkt das Team per sofort und bis zum Ende der aktuellen Spielzeit.
Das erste Heimspiel gegen die Walliser, deren Trainer Matti Ala­talo während seiner ZSC- und GCK-Lions-Zeit lange in Kloten gewohnt hat, verlor Kloten 3:4; Visp erzielte alle vier Treffer im Power­play. In der alten Litternahalle holte Kloten dagegen zwei Siege. Das 4:1 am 20. November war der erste Erfolg des EHC in dieser Saison gegen eine Mannschaft der damaligen Top 5. Das 4:2 im letzten Match des Jahres 2018 war ein bisschen ein gestohlener Sieg: 43:22 lautete das Schussverhältnis für die Walliser, die noch und noch an Joren van Pottelberghe und am eigenen Unvermögen scheiterten.

Das Motto für Kloten als Ver­ein für den Match gegen Visp lautet dagegen: ein Spiel für die Young Flyers. Der Match steht ganz im Zeichen der Nachwuchsorganisation, für die mit diversen Aktionen gesammelt wird. Daneben gibt es auch ansprechende Preise zu gewinnen. jch

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