Embrach

Lampe aus Embracher Forellenleder

Alles, also auch die Häute seiner Bioforellen, will Christian Utzinger verwerten. Lukas Jenni lieferte dazu die Idee für eine Lampe und fertigte sie auch an.

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Der Kreativität sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Das zeigen Christian Utzinger und Lukas Jenni. Sie haben eine Lampe aus Fischleder kreiert. Utzinger, Besitzer einer Bio-Regenbogenforellenzucht in Embrach, liefert die getrockneten Häute dazu, Jenni fertigt die weiteren Bestandteile an und setzt die Lampe zusammen. «Es ist ein regionales Produkt, das ist beliebt», sagt ­Utzinger aus Bülach. Demnächst soll die Serienproduktion der Lampe beginnen.

Handwerkliches Geschick

Letztes Jahr reiste Utzinger nach Finnland und besuchte dort eine Rentierfarm, die von ihren Tieren alles verwertet. Inspiriert davon, nahm er sich vor, auch die Fischhäute für etwas zu verwenden. «Die meisten Fische verkaufe ich ungehäutet, die Häute sind deshalb rar», erklärt der 57-Jährige. Um sie zu trocknen, salzte er sie und spannte sie mit Nägeln über Holzbretter. Er sprach mit Lukas Jenni, der Handwerker und Eigentümer einer Elektromobilfirma ist.

Dieser hatte die Idee, daraus eine Lampe herzustellen. Als sogenannter Maker produziert Jenni seit zwei Jahren nicht ganz alltägliche Gegenstände. ­Deren Entstehungsprozess in ­seinen eigenen vier Werkstätten, darunter eine Schreinerei, ein Atelier, eine Schlosserei und eine Schmiede, dokumentiert er auf seinem Youtube-Kanal.

Und so wird die Lampe hergestellt (Quelle: Youtube)

Für ihre erste Lampe lieferte Utzinger das Leder von eineinhalb rund vierjährigen Fischen. Dieses nahm Jenni mit in seine Werkstätten, presste sie möglichst flach und schnitt sie zu. Die Häute befestigte er oben und unten an zwei Holzringen, die er aus Schweizer Arve zusägte und schliff. Hierfür benützte er spezielle Schuhmachernägel aus Messing. Aus Messingstäben ­fertigte er drei Füsse. EineLED-Lampe vervollständigte das Konstrukt. «Die Lampe ist so gebaut, dass sie sowohl als Ständerlampe als auch als Deckenlampe funktioniert», sagt er stolz.

Der Preis für die Lampe wird 200 bis 250 Franken sein. Für den Anfang bleibt es bei diesem einen Modell, andere Kreationen sind aber durchaus denkbar.

Wiederaufbau der Anlage

Hauptgeschäft bleibt für Christian Utzinger aber immer noch die Bioforellenzucht. Er übernahm die Anlage 2008, da der vorherige Besitzer sie aus gesundheitlichen Problemen nicht weiterführen konnte. Die 1964 erbaute Fischzucht lag in den Jahren vor seinem Kauf brach. Viel Zeit und Geld waren not­wendig, damit vier Jahre später wieder Fische in den Becken schwammen. Zwei Quellen im Boden versorgen sie mit Wasser, und über sprudelnde Pumpen erhalten sie genügend Sauerstoff. Jeden Donnerstag verkauft der gelernte Landwirt rund 30 Forellen, vor Weihnachten und Ostern etwa zehnmal so viel. Pro Jahr macht das 500 Kilogramm Fisch.

Der Biozuchtbetrieb hat vier Becken, in denen die Fische nach Alter sortiert sind. Im einen sind rund 100 Tiere, die demnächst gefangen und verarbeitet werden. Sie sind etwa dreijährig, konventionell gehaltene Forellen sind bei der Schlachtung gerade mal neun Monate alt. Nebenan schwimmen um die 2000 zweieinhalbjährige Forellen. Das Becken hat Platz für bis zu 4000 Fische gleichzeitig.

In einem weiteren Becken sind die Zuchtfische untergebracht. Momentan tummeln sich dort30 bis 40 Tiere. Zwischen Weihnachten und Neujahr werden ­ihre Eier abgestreift, befruchtet und dann in Brutbecken gelegt, in denen die Eier nach zwei bis drei Monaten schlüpfen. Das vierte, kleinere Becken bietet den einjährigen Forellen Platz. Das Becken ist als einziges mit einem Netz zugedeckt als Schutz vor Fischreihern und Eisvögeln. Die restlichen Becken sind nicht ­gedeckt, weil das Fischen zu schwierig und kompliziert wäre. Das zieht zusammen mit weiteren natürlichen Einflüssen einen Verlust von 60 Prozent des anfänglichen Forellenbestandes in den Becken nach sich.

Für die Serienproduktion der Lampen befinden sich derzeit weitere Fischhäute in der Trocknungsphase. Utzinger will sie neben seinen Forellen ebenfalls zum Kauf anbieten. Seine Bio­forellen sind dank ihrer Qualität und Regionalität beliebt. «Alle Kunden sind begeistert und kommen auch wieder», sagt er. Über seine Neukreation im Sortiment sagt er: «Durch das Fischleder ist jede Lampe trotz maschineller Herstellung ein Unikat.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 28.03.2018, 16:54 Uhr

Infobox

Infos unter www.jenni.swiss und www.obermüliforellen.ch

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