Qualen für Zwahlen

Langlauf-Training bei über 30 Grad

Schadenfreude ist die schönste Freude. Ein doofes Sprichwort, wie ich behaupte. Ich erfahre das gerade auf die harte Tour. Der Sinn von «Qualen für Zwahlen» liegt einzig darin, mir Schaden zuzufügen. So auch, als ich bei 30 Grad auf der Panzerpiste trainieren musste, im Skianzug . . .

In dieser Folge von "Qualen für Zwahlen" läuft sehr viel Schweiss.
Video: Michael Caplazi und Flavio Zwahlen

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Der Langlaufsport wird in der Schweiz immer populärer. Auf den Loipen sind zunehmend jüngere Athleten unterwegs, das war vor wenigen Jahren noch anders. Daniel Grab, Inhaber des Langlauf- und Inlinecenters in Schindellegi SZ, bestätigt den Trend und begründet: «Beim Langlauf ist der zeitliche Aufwand nicht so gross wie beim Skifahren oder beim Snowboarden.» Meist reiche eine Stunde auf der Loipe völlig aus, wodurch man ziemlich spontan sein könne. «Langlaufen ist zudem günstiger, weil man kein Skibillett kaufen muss.» Aber auch die internationalen Erfolge von Dario Cologna tragen dazu bei, dass sich viele Junioren grosse Ziele im Langlauf setzen.

Aus mir wird sicherlich kein Langlaufstar mehr. Aber als Hobby eignet sich diese Sportart perfekt, weil dabei fast 80 Prozent der Muskulatur beansprucht werden. Und kürzlich musste ich erfahren: Langlauf kann man sogar im Sommer ausüben. Und zwar auf sogenannten Rollski, einer Mischung aus Inlineskates und Langlaufski. Also machte ich mich extra auf den Weg in den Kanton Schwyz, um mir solche zu besorgen. Ich stand zuvor erst einmal auf Langlaufski, da mir die alpinen Disziplinen eigentlich besser liegen als die nordischen. Ich mietete also Schuhe, Stöcke, Skates und einen Velohelm.

Danach ging es zurück in Richtung Unterland, genauer auf die Panzerpiste in Kloten direkt neben dem Flughafen. Dort musste ich ein einstündiges Langlauftraining absolvieren. Und das bei über 30 Grad an der prallen Sonne. Als wären das nicht schon genug der Qualen, musste ich mich noch in einen Skianzug zwängen. Was das bringen soll, weiss ich auch nicht. Klar ist: Dieser Teil der Aufgabe hatte sicherlich nichts mehr mit Spass zu tun.

Die alles entscheidende Frage bei diesem «Projekt»: Ist es gefährlich, wenn man bei Hitze viel zu warme Kleidung trägt? Mirko Thiene, Leitender Arzt Innere Medizin am Spital Bülach, sagt: «Es kann durch die Stauungswärme unter dem Skianzug zu einer Kreislaufbelastung kommen. Das heisst, die Wärme kann nicht entweichen, und dies führt zu einer Zunahme der Körpertemperatur.» Die Folgen: Schwitzen sowie steigende Herz- und Atmungsfrequenz. «Sollte man dies nicht gewohnt sein oder an Grunderkrankungen leiden, kann es zu einem Kreislaufkollaps kommen.» Das waren ja mal gute Voraussetzungen.

Ein Glück, spiele ich Fussball und trainierte in den vergangenen Monaten öfters unter solchen Bedingungen. Dennoch stiess ich bei der Challenge an meine konditionellen Grenzen. Die Be­wegungsabläufe sind nämlich anders als beim Ballsport. Vorweg: Überlebt habe ich die Aktion ohne grössere Blessuren. Ob ich es aber geschafft habe, eine Stunde auf den Rollski zu stehen, sehen Sie im Online­video auf unserer Website. Mein Fazit: Es hätte grossen Spass gemacht – ohne den Skianzug.

Erstellt: 22.08.2018, 19:11 Uhr

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Die Wahl der Qual

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