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Lebensbilanz mit lahmen Enten

Der St.Galler Kabarettist, Liedermacher und Comiczeichner Manuel Stahlberger probte am Mittwoch im vollen Rittersaal sein drittes Soloprogramm «Eigener Schatten».

Manuel Stahlberger liess sein neues Programm in Eglisau auf das Publikum los.
Manuel Stahlberger liess sein neues Programm in Eglisau auf das Publikum los.
Christian Merz

Er fing wirklich am Anfang an – bei seiner Geburt. In einer Gewitternacht kam er nach 36 Stunden in die raue, laute Welt, obwohl er nicht darum gebeten hatte. Danach erwarteten ihn Konformität, Anpassung an Erwartungen der Gesellschaft. Das lyrische Ich von Manuel Stahlbergers Einstiegssong hatte keinen allzu positiven Start ins Leben und wardamit in guter Gesellschaft.

«Eigener Schatten», das dritte Soloprogramm des St.Galler Kabarettisten und Liedermachers handelte hauptsächlich von unglücklichen Existenzen, verpassten Chancen und dem alles verschlingenden Gefühl von Isolation. Mittels eines alten Diktathefts sowie Bildergeschichten verwob der talentierte Comiczeichner Stahlberger darin absurde und lustige Erinnerungen an die Kindheit.

Das verschwendete Leben

Der Verein Viva Eglisau hatte am Mittwochabend im Eglisauer Rittersaal zu Stahlbergers Try-out-Show geladen, die im Februar Premiere feiert. Stahlberger trat im Glitzerhemd, bei Discolicht und düsteren Elektrobeats an, die Songs waren eher gerappt als gesungen. Sie handelten vom Leben der Erwachsenen. «Er», «sie», «der Chirurg», «die Profireiterin», sie alle hängen in der Gegenwart, unglücklich, übermannt von Bedauern um das verschwendete Leben. Sie rennen Karrieren, Erfolg und Materiellem nach, zwischenmenschliche Beziehungen bleiben auf der Strecke. Auch das wohl bedrückendste Familienweihnachtsfest wurde besungen. Zuweilen wirkte das etwas repetitiv, zumal bisweilen eine Pointe, in Inhalt oder Sprache, ausblieb.

Über Absurdes gelacht

Mehr gelacht wurde beim absurden Teil, den Stahlberger über den Hellraumprojektor präsentierte. Ein Adventskalender über das Zweifamilienhaus der Müllers und Meiers, das neben Trampolinen geheime Affären aufdeckte, gefiel. Die Bildgeschichten über die lahme Ente und die dumme Gans waren bar jeder Logik und amüsierten die Besucher besonders, ebenso die Zeichnungen über Synchronschwimmer, die schliesslich an der Decke landen. Irgendwann endete die Geschichte mit einem fliegenden Oktopus und einem Fisch mit Tentakeln.

Die Besucher kamen interessiert zum Try-out und unterhielten sich gerne über das Gesehene, auch wenn nicht alles gefiel. «Ich fand es etwas speziell», fand eine Eglisauerin. «Ich habe mich nicht mit ihm beschäftigt, vielleicht liegt es daran.» Zwei Kolleginnen hatten gemischte Gefühle. «Die zwei, drei Songs, die Tiefe hatten, haben mir sehr gefallen», fand die eine. «Und die Zeichnungen sowieso, so wünsche ich mir den Stahlberger. Der Rückblick mit den Schulheften – dort brilliert er, es war aber zu lang.» Das Laute und Showmannartige liege ihm weniger, fanden beide.

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