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Liebevolle Betreuung todkranker Menschen

Karin Gradolf-Wieland begleitet und betreut Schwerkranke und Sterbende. Sie ist freiwillige Mitarbeiterin des Vereins Rufnetz Rafzerfeld, der Menschen unterstützt, die von einer unheilbaren Krankheit betroffen sind. Auch deren Angehörige profitieren von diesem kostenlosen Angebot.

Mit ihrer Betreuung kranker Menschen hilft Karin Gradolf-Wieland, den letzten Weg möglichst angst- und schmerzfrei zu gestalten.
Mit ihrer Betreuung kranker Menschen hilft Karin Gradolf-Wieland, den letzten Weg möglichst angst- und schmerzfrei zu gestalten.
Jvan Aeberli

Karin Gradolf-Wieland, was ist Ihre Motivation, sich unent-geltlich um sterbenskranke Menschen zu kümmern?Karin Gradolf-Wieland: Meine Grossmutter starb, als ich 18 Jahre alt war. Ich habe ihre Beerdigung mit dem letzten Geleit der Bevölkerung durch das Dorf sehr positiv in Erinnerung, da ich eine wunderbare Zusammengehörigkeit verspürt hatte. Ich bin kontaktfreudig und interessiere mich für Menschen und ihre Lebensläufe. Vor zehn Jahren besuchte ich den Lehrgang Trauer- und Sterbebegleitung. Ich empfinde es als Privileg, jemanden auf seinem letzten Weg zu begleiten.

Wie sieht Ihre Arbeit als Freiwillige von Rufnetz Rafzerfeld aus?Ein- bis zweimal wöchentlich besuche ich kranke Menschen bei sich zu Hause, im Pflegeheim oder im Spital. Mein grösstes Anliegen ist das Wohlbefinden des Patienten. Ich will dazu beitragen, seinen letzten Lebensabschnitt durch liebevolle Begleitung lebenswert zu gestalten. Oft höre ich einfach nur zu. Die Menschen vertrauen mir ihre Nöte und Ängste an, ich begegne aber auch Ohnmacht, Verzweiflung und nicht selten aufgestauter Wut.

Können Sie gut mit diesen negativen Gefühlen umgehen?Meine Ausbildung, meine langjährige Erfahrung, Weiterbildungen und der Erfahrungsaustausch innerhalb des Teams von Rufnetz Rafzerfeld kommen mir zugute. Mit innerer Ruhe und dadurch, die negativen Reaktionen und Gefühle des Patienten zu akzeptieren, kann ich mich auf die jeweilige Situation einstellen. Ich versuche zu vermitteln, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern dass jeder seinen eigenen Weg gehen darf.

Die Patienten, die Sie besuchen, haben keine Aussicht auf Heilung. Belastet Sie das?Als Wegbegleiterin bin ich mir bewusst, dass die individuelle Betreuung ein einzigartiger Prozess ist. Der Tod gehört zum Leben, dessen bin ich mir bewusst. Ich achte darauf, dass ein Gleichgewicht zwischen der Hinwendung zum Patienten und den Rückzug zu mir selber herrscht.

Wie gehen Sie mit den Wünschen um, mit denen die unheilbar Kranken an Sie herantreten?Oft kommen ihre Anliegen erst beim genauen Hinhören zum Vorschein. Manchmal erahne ich die Wünsche aber auch zwischen den Worten. Keine Schmerzen zu haben, ist ein häufiger Wunsch. Wenn jemand nur noch einschlafen möchte, rate ich, sich das ganz fest zu wünschen, dann werde es sicher in Erfüllung gehen. Mit einem Patienten zum Beispiel habe ich noch einmal in seine Stammbeiz besucht. So verschieden die Patienten sind, so unterschiedlich sind auch ihre Wünsche.

Ist auch Widerstand spürbar gegen das Angebot von Palliative Care?Wir stellen ab und zu fest, dass gewisse Hemmungen, aber auch Misstrauen gegenüber unserer Begleitung bestehen. Angehörige sind der Meinung, sie müssten das alleine schaffen, oder sie wünschen nicht noch mehr fremde Personen im Haus, verunmöglichen oft unsere Unterstützung. Wir ermutigen diese Leute, ihre Bedenken zu überwinden und uns zu kontaktieren. Es sind auch Schnupperbesuche denkbar, um die Möglichkeiten des Betreuungsangebots zu testen.

red

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