Bülach

Lotse nach Beinahe-Crash angeklagt

Am Mittwoch musste sich ein 48-jähriger Flugverkehrsleiter wegen einer Beinahe-Kollision vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Bei der Befragung bezeichnete er den Vorfall als alltäglich. Ein betroffener Pilot, der bereits über 18 000 Flugstunden geleistet hat, sieht das anders.

Erst zum zweiten Mal überhaupt, muss sich ein Fluglotse in der Schweiz vor Gericht verantworten.

Erst zum zweiten Mal überhaupt, muss sich ein Fluglotse in der Schweiz vor Gericht verantworten. Bild: Sibylle Meier

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Erst zum zweiten Mal überhaupt, muss sich in der Schweiz ein Flugverkehrsleiter wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs vor Gericht verantworten. Der Vorfall, welcher gestern in Bülach behandelt wurde, ereignete sich im Jahr 2012. Ein damals 42-jähriger Fluglotse hat eine Situation beim Flughafen Zürich falsch eingeschätzt und dadurch beinahe eine Kollision zweier Flugzeuge verursacht.

Höchste Alarmstufe im Tower ausgelöst

Bei der gestrigen Befragung sagte der Lotse, der heute immer noch bei Skyguide arbeitet: «Für mich war klar, dass die Maschinen aneinander vorbeigehen.» In die Fastkollision verwickelt waren eine Sportcruiser aus Lommis TG und eine Saab 2000 der Darwin Airline SA. Diese startete in Zürich von der Piste 28 zu einem Linienflug nach Genua. An Bord befanden sich drei Besatzungsmitglieder sowie 15 Passagiere. Zur gleichen Zeit trainierte der ausgebildete Pilot des Sportflugzeugs in Begleitung einer Fluglehrerin Sichtanflüge mit Aufsetzen und Durchstarten auf verschiedenen Pisten. Unter anderem flog er die Piste 16 an, welche die Piste 28 kreuzt. Als sich die Sportcruiser im Endanflug befand, erteilte der Fluglotse der Saab 2000 die Startfreigabe.

«Ich dachte mein Plan geht auf», sagte der Skyguide-Mitarbeiter. Ein Irrtum. Als die Saab-Maschine startete wurde im Tower die höchste Alarmstufe ausgelöst. Der Fluglotse realisierte, dass es aufgrund seiner Anweisung zu einer Kollision kommen könnte und wies die Besatzung der Sportcruiser an, nach rechts auszuweichen. Dadurch bewegte sich das Kleinflugzeug aber direkt in die Flugbahn der Saab 2000. «Der Flugverkehrsleiter hätte einen Kurvenflug nach links anordnen müssen, welcher gefahrenlos hätte durchgeführt werden können», sagt die Staatsanwältin. Im kritischstenen Moment waren sich die Maschinen bis auf eine Distanz von 205 Metern horizontal und rund 23 Meter vertikal nahe gekommen.

Lotse hat den Vorfall nicht gemeldet

Glücklicherweise kam es letztlich zu keiner Kollision. Der Fluglotse hielt es aber nicht für notwendig einen Bericht an die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zu senden. Auch die Fluglehrerin, die nebenerwerblich bei der Skyguide angestellt ist, verzichtete auf einen Bericht. Anders der Pilot der Saab-Maschine. Er sagt: «Es war ein riesiger Schock für mich, eine der riskantesten Situationen, die ich in meinen 40 Jahren als Pilot erlebt habe.» Deshalb meldete er den Vorfall bei der Sust. Dem 48-jährigen Lotsen droht nun eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Und noch schlimmer: Im Falle einer Verurteilung verliert er möglicherweise seinen Job. Bis das Bezriksgericht Bülach ein Urteil fällt, dürfte es aber noch einige Zeit dauern. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.09.2018, 13:47 Uhr

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