Moore

Mehr Natur zwischen Flugfeld und Autobahn

Der Kanton will das Flachmoor in der Winkler Allmend renaturieren, indem er den Wasserabfluss verhindert. Die Massnahmen dienen in erster Linie spezifischen Pflanzen und Tieren, sind jedoch auch gut für das Klima.

Das Flachmoor in der Winkler Allmend ist eine Naturoase, umringt von dröhnendem Verkehr.

Das Flachmoor in der Winkler Allmend ist eine Naturoase, umringt von dröhnendem Verkehr. Bild: Sibylle Meier

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Die landenden Flugzeuge erzeugen einen ohrenbetäubenden Lärm. Auf der anderen Seite des Naturschutzgebietes in Winkel verläuft die Autobahn. Dazwischen jedoch, entlang der autofreien Panzerpiste, finden Spaziergänger beinahe die perfekte Idylle vor: Auf einer lieblichen Grünfläche blühen Wiesensalbei und Margeriten, dazwischen wächst eine Gruppe von Birken. In den Vertiefungen haben sich Tümpelchen gebildet, wo Schilf sowie gelbe und blaue Sumpflilien spriessen.

Und wenn es zwischen zwei Jets mal ruhig ist, ist ein ganzer Chor von zwitschernden Vögeln zu hören.Das Flachmoor in der Winkler Allmend wurde teilweise bereits im Jahr 2000 renaturiert. Nun sind weitere Massnahmen etwas südlich davon geplant. Die kantonale Fachstelle Naturschutz will eine Mulde am Rand des Moors mit Lehm abdichten. Damit will sie verhindern, dass das Wasser in den Himmelbach abfliesst, der westlich des Gebiets verläuft. Denn dieser wurde mit dem Bau des Flughafens in den 70er-Jahren tiefer gelegt.

«Der Wasserverlust führt dazu, dass typische Moorpflanzen und -tiere ihren Lebensraum verlieren», erklärt Ursina Wiedmer, Leiterin der Fachstelle Naturschutz. Dazu gehören zum Beispiel Sumpfgräser, Orchideen sowie Schmetterlinge und Heuschrecken. Zudem stossen trockengelegte Moore erhebliche Mengen Kohledioxid aus und tragen damit zur Klimaerwärmung bei. Die Renaturierung dient somit auch dem Klimaschutz. Die Kosten für die Bauarbeiten trägt der Kanton. Wie hoch der Betrag sein wird, ist noch nicht bekannt. Für den Auftrag werden demnächst Offerten eingeholt.

Vom Menschen geschaffene Natur

Das betreffende Gebiet gehört dem Kanton und liegt in einer Landwirtschaftszone. Genutzt wird der nährstoffarme Boden aber nur, indem einmal jährlich gemäht wird. Dies wird auch nach der Renaturierung weiterhin nötig sein. «Sonst würde das Land mit der Zeit verbuschen», sagt Ursina Wiedmer.

Doch wieso kann sich der natürliche Lebensraum nicht von selber erhalten? Es handle sich um einen sogenannten Kulturlandschafts-Lebensraum, erklärt die Biologin. Mit seinen Eingriffen habe der Mensch der Natur nicht nur geschadet, sondern auch den Artenreichtum gefördert. Zudem gelangen heutzutage durch die Landwirtschaft mehr Nährstoffe in den Boden als für die Moore günstig ist. Dadurch können sich nährstoffliebende Pflanzen ausbreiten, welche die typischen Moorpflanzen verdrängen.

Auch Hochmoore im Unterland

Das Feuchtgebiet in der Winkler Allmend gehört zu den Flachmooren, genauso wie das Neeracher Riet und das Eigental. Dagegen handelt es sich bei jenem am Mettmenhaslisee um ein Hochmoor. Der Unterschied macht die Höhe der Torfschichten aus. Die abgestorbenen Pflanzen, die unter Luftausschluss verrotten, bilden eine immer dickere Schicht. Für einen Meter braucht es rund 1000 Jahre. Ein Hochmoor bildet sich aus einem Flachmoor und wird mit der Zeit nur noch vom Regenwasser gespeist. Flachmoore dagegen werden vom Grundwasser, von Quellen oder Bächen feucht gehalten.

In der Winkler Allmend werden die Bagger voraussichtlich diesen Herbst auffahren. Ab nächstem Jahr sollen die Bedingungen stimmen, damit sich dort in Zukunft noch viel mehr Schwertlilien und Sumpfgräser ansiedeln können. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 22.05.2018, 16:34 Uhr

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