Zum Hauptinhalt springen

«Misteln sind schlimmer als Feuerbrand»

Hochstamm-Apfelbäume werden immer stärker von Misteln geplagt. Der Halbschmarotzer gedeiht wegen dem Klimawandel prächtig und kann einen Baum abtöten. Dem Steinmaurer Obstexperten Hans Brunner bereitet die Entwicklung Sorgen.

Auch junge Hochstamm-Apfelbäume – dieser ist erst etwa zehn Jahre alt – sind vor dem Befall durch Laubholzmisteln keineswegs gefeit.
Auch junge Hochstamm-Apfelbäume – dieser ist erst etwa zehn Jahre alt – sind vor dem Befall durch Laubholzmisteln keineswegs gefeit.
Paco Carrascosa

Die gefürchtete Bakterienkrankheit Feuerbrand hat in der Vergangenheit wiederholt dazu geführt, dass ganze Obstbaumplantagen gerodet und die Bäume verbrannt werden mussten. Das Zürcher Unterland blieb jedoch in den vergangenen Jahren vor grösserem Befall verschont. Feuerbrand trat noch stellenweise noch am Zürichsee und in der Ostschweiz auf.

Ein Halbschmarotzer

Die Produzenten von Hochstammobst sehen sich neuerdings mit einer anderen Bedrohung konfrontiert. Die Laubholzmistel (Viscum album), die die Saftleitungen des Baums anzapft und ihm Wasser und Mineralstoffe entzieht, ist seit dem Einsetzen des Klimawandels immer stärker in Erscheinung getreten. Die Trockenheit und Erwärmung behagen dem Halbparasiten. Im Gegensatz zu ihrem Wirtsbaum wird ihr nämlich die Flüssigkeit geliefert. Die Fotosynthese und damit die Nahrungsproduktion betreibt die Mistel mit ihrem Blattwerk selber.

«Die Laubholzmistel hat sich in den vergangenen zehn Jahren extrem verbreitet», erklärt der Pomologe Hans Brunner. «Im süddeutschen Raum wird das Schadenspotenzial der Mistel für Hochstamm-Apfelbäume inzwischen höher eingeschätzt als der Feuerbrand.»

Baumpflege unerlässlich

Das Problem sei jedoch nicht nur die gegenüber früher viel häufigere und längere Trockenheit – der schier endlose Sommer 2018 lässt grüssen –, sondern auch der Umstand, dass viele Hochstamm-Obstbäume zu wenig gepflegt würden. Nur ein konsequentes Entfernen der Misteln könne ihre Verbreitung eindämmen, erklärt Brunner. Dies geschieht in der Regel beim ohnehin nötigen Winterschnitt. Während der dunklen Jahreszeit, in welcher die Obstbäume ohne Laub dastehen, ist die immergrüne Mistel mit ihren weissen Beeren und ihrer kugeligen Form besonders gut sichtbar und kann daher effizient bekämpft werden.

Ohne Pflegeeingriff könne der Mistelbefall derart übermächtig werden, dass der durch den Wassermangel ohnehin gestresste Baum verdorre und absterbe, erklärt Brunner. Und ein Befall könne schnell grösser werden, da sich die Mistel auch ungeschlechtlich über die Saftbahn des Wirtsbaums vermehren könne.

Für die Verbreitung des Halbparasiten von Apfelbaum zu Apfelbaum sorgen Vögel wie die Misteldrossel (nomen est omen) oder die Mönchsgrasmücke. Diese verspeisen die Mistelbeeren, wobei der Samen nicht verdaut wird. Dieser gelangt mit dem Vogelkot auf einen Ast eines anderen Baums. Dort entwickelt sich der Mistelkeimling, der seine Haftwurzeln durch die Baumrinde zu den Leitungskanälen vortreibt.

Birnbäume nicht beliebt

Der 64-jährige Obstexperte Hans Brunner unterhält in Steinmaur eine Anlage mit rund 800 Hoch- und Mittelstamm-Obstbäumen. Und obwohl der Fachmann täglich mit Baumpflege beschäftigt ist, stellt er immer wieder neue Misteln an seinen Apfelbäumen fest. Damit nicht alle Dämme brechen, entfernt er diese konsequent und bereits früh nach dem Austrieb der Keimlinge. Diese werden mit einer Baumsäge herausgeschnitten.

«Misteln bevorzugen Hochstamm-Apfelbäume», sagt Brunner. «Interessanterweise sind sie selten auf Birnbäumen anzutreffen.» Hingegen besiedelt die Laubholzmistel auch Baumarten wie Birke oder Weide, Pappel und andere (siehe Kasten).

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch