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Mit Ausdauer und Ideen gegen den Staub auf dem Image

Nach 200 Jahren hat die Bülacher Lesegesellschaft ihre erste Präsidentin. Hannelore Schlecht möchte als erstes die grosse Jubiläumsfeier zum Erfolg führen. Danach soll der altehrwürdige Verein eine sanfte Verjüngungskur erfahren.

Die «oberste Kulturvermittlerin» Bülachs, Hannelore Schlecht, möchte bald frischen Wind in die traditionsreiche Lesegesellschaft bringen.
Die «oberste Kulturvermittlerin» Bülachs, Hannelore Schlecht, möchte bald frischen Wind in die traditionsreiche Lesegesellschaft bringen.
Sibylle Meier

Nicht selten muss Hannelore Schlecht den verbalen Staubwedel auspacken, wenn Sie jemandem erstmals von ihrem Verein erzählt. «Viele meinen, weil wir Lesegesellschaft heissen, würden wir die ganze Zeit nur lesen. Sie finden das dann oft ziemlich verstaubt.» In solchen Fällen nimmt die frisch gewählte Präsidentin auch schon mal einen Flyer aus der Tasche und erklärt, was ihr Verein wirklich alles organisiert und initiiert hat: unter anderem das Ortsmuseum, die Stadtbibliothek, Klassik Bülach, Autorenlesungen oder Besichtigungen. Für Eilige gibt es auch eine Kurzversion: «Wir bringen Kultur unter die Leute.»

Mehr als 100 Prozent

Schlecht ist damit gleichsam die neue oberste Kulturvermittlerin Bülachs. Denn seit kurzem präsidiert sie als erste Frau in deren 200-jährigen Geschichte die Bülacher Lesegesellschaft. Mehr als zwei Jahrzehnte engagiert sie sich bereits im Verein. Seit 2007 ist sie für den Verlag und damit für das Neujahrsblatt der Lesegesellschaft zuständig. Wobei «Blatt» eigentlich eine deutliche Untertreibung ist, gibt der Bülacher Verein doch alle zwei bis drei Jahre ein Buch heraus.

Dieses Jahr macht es die 200-jährige Geschichte der Lesegesellschaft zum Thema, genau so wie die Ausstellung im Ortsmuseum (der ZU berichtete). Buch, Ausstellung und nun auch bald die grosse Jubiläumsfeier (siehe Kasten): Die neue Präsidentin hat sich für Ihren Amtsantritt ein intensives Jahr ausgesucht. «Ja, derzeit ist es mehr als ein 100-Prozent-Pensum, und ich arbeite nicht selten bis Mitternacht», räumt Schlecht ein. Da sie aber ohnehin ein Nachtmensch sei, mache ihr das nicht viel aus.

Dank dieser Nachtschichten finden auch noch Unternehmungen mit ihrem Mann und der Enkel-Hütetag Platz in der Agenda. «Wenn ich etwas mache, dann immer mit vollem Einsatz», erklärt Schlecht. Das gilt besonders für die Jubiläumsfeier, die sie und eine Kollegin zu zweit auf die Beine gestellt haben. Viel Aufwand sei das gewesen, aber nun habe man ein Programm, das allen Generationen und vielen Vorlieben etwas biete. Besonders stolz sind die Organisatorinnen darauf, dass am Samstag der Eintritt zu allen Veranstaltungen gratis ist.

Bei Sponsorensuche habe sie Beharrlichkeit an den Tag legen müssen, sagt Schlecht. Die Gelder fliessen zäher als auch schon. Die 70-Jährige ist sich gewohnt, an etwas dranzubleiben: Ihre grosse Leidenschaft gilt dem Klöppeln. In tage- ja wochenlanger Kleinarbeit verflicht sie filigrane Fäden zu aufwändigen Spitzenmustern.

Noch fehlen die Nachfolger

Ausdauer wird Schlecht auch dann noch brauchen, wenn die Jubiläumsfeier der Lesegesellschaft vorbei ist. Für die Zeit danach hat sie sich nämlich bereits ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Wieder mehr Junge und auch Neu-Bülacher in den Traditionsverein einbinden. Ein erster Ansatz ist die Autorenlesung junger Oberstufenschüler am Jubiläumsanlass. 26 Texte sind auf Schlechts Aufruf eingegangen. «Gelesen wird immer noch, doch die Jungen vernetzen sich halt anders», weiss die Mutter zweier erwachsener Töchter. Ob und wie sich die Lesegesellschaft da anpassen müsse, gelte es herauszufinden.

«Viele Mitglieder sind im Pensionsalter, es braucht innovative Nachfolger, die unsere Ideen umsetzen und der Zeit anpassen», sagt Schlecht. Um die Neu-Bülacher zu erreichen, möchte die Lesegesellschaft nicht nur am Neuzuzügertag präsent sein, sondern plant auch Aktivitäten in Bülach Nord: «Man muss uns wahrnehmen.»

Schlecht ist überzeugt, dass besonders neu Zuziehende vom Angebot der Lesegesellschaft profitieren können. Die ehemalige Bielerin, kann da aus eigener Erfahrung berichten. Als sie vor 42 Jahren nach Bülach gekommen sei, habe sie niemanden gekannt. «Heute bin ich nicht zuletzt dank der Lesegesellschaft bestens integriert und vernetzt.»

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