Geld

Mit Bitcoins kann in der Region kaum bezahlt werden

Bitcoins sind momentan das grosse Gesprächsthema. Im Unterland wird man das digitale Geld aber nur schwer los und kaufen kann man die Kryptowährung nur an den Billettautomaten der SBB.

Im Gegensatz zu «normalen» Währungen sind Kryptowährungen (wie der Bitcoin) nicht an die Geldpolitik eines Landes gekoppelt, und Banken haben nicht das ­exklusive Recht, diese ­Währungen zu bestimmen.

Im Gegensatz zu «normalen» Währungen sind Kryptowährungen (wie der Bitcoin) nicht an die Geldpolitik eines Landes gekoppelt, und Banken haben nicht das ­exklusive Recht, diese ­Währungen zu bestimmen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Kryptowährung Bitcoin ist zurzeit in aller Munde. Im Unterland rollt der elektronische Rubel aber noch kaum über die Ladentheke. Nach intensiver Internetrecherche findet man gerade mal drei Abnehmer der virtuellen Währung in der Region: einen Maler aus Dällikon, ein Elektrogeschäft aus Rümlang und einen Regens­dorfer DVD-Versand. So richtig funktionieren will das Bitcoin-Geschäft aber zumindest beim Dälliker Maler noch nicht. Bis jetzt hätten ihn noch keine Kunden mit Kryptowährungen bezahlt, sagt Swen Weber.

Nicht reguliert

Dennoch glaubt der Maler – trotz teilweise gegenteiliger Prognosen aus dem Finanzsektor – an die elektronische Münze: «Digitale Währungen sind die Zukunft», sagt der Handwerker. Besonders schätze er am Bitcoin, dass er nicht von den Banken reguliert werde. Wer im Unterland Bit­coins beziehen will, der kann das nur an den Billettautomaten der SBB.

Dort kann die Kryptowährung rund um die Uhr aufs Handy geladen werden. Gegen eine Gebühr von sechs Prozent sind Bezüge von 20 bis 500 Franken möglich. Weitere «Bitcoin-Automaten», wie es sie zum Beispiel in einigen Lokalen in der Stadt Zürich gibt, sind im Unterland nicht bekannt. Gekauft werden können die virtuellen Münzen natürlich auch über das Internet, zum Beispiel auf Onlinemarktplätzen wie Bitcoin.de. Dort wird meist per Banküberweisung bezahlt. Zudem ist eine Identifikation mit einem Ausweis nötig. Bis dieCoins im digitalen Portemonnaie eintreffen, vergehen allerdings ein paar Tage.

Jetzt nochmals langsam: Was sind Bitcoins?

Woher kommen Bitcoins? Die Idee von Kryptowährungen wurde erstmals 1998 beschrieben, 2009 veröffentlichte Satoshi Nakamoto eine öffentlich zugängliche Software (Open Source). Am 3. Januar 2009 entstand das Bitcoin-Netzwerk mit den ersten 50 Bitcoins. Im Mai 2010 bezahlte ein ­Programmierer erstmals zwei Pizzas für 10 000 Bitcoins; heute wären diese Bitcoins rund 140 Millionen Franken wert.

Was ist der Unterschied zu herkömmlichen Währungen? Im Gegensatz zu «normalen» Währungen sind Kryptowährungen nicht an die Geldpolitik eines Landes gekoppelt, und Banken haben nicht das ­exklusive Recht, diese ­Währungen zu bestimmen.

Aber wer bestimmt dann den Wert dieser Währung? Der Preis eines Bitcoins wird durch Angebot und Nachfrage ermittelt. Wenn die Nachfrage nach Bitcoins zunimmt, nimmt der Preis zu; sinkt die Nach­frage, fällt auch der Preis. Es sind nur eine bestimmte Zahl Bitcoins im Umlauf, und neue Bitcoins werden mit einem vorhersehbaren und abnehmenden Tempo produziert – ihre Zahl ist also beschränkt. Etwas lapidar lautet daher die Antwort: Den Wert eines Bitcoins bestimmt die Gemeinschaft, die mit ihm bezahlen will.

Welche Argumente sprechen für Kryptowährungen? Befürworter sind vom demokratischen Aufbau des Systems und dem Fehlen der staatlichen Kontrolle überzeugt. Ausserdem sind die Kryptowährungen dank der Blockchain anonym und fälschungssicher, und weil die Transaktion direkt zwischen den Nutzern abläuft und Vermittler wegfallen, ist sie rascher und günstiger.

Was sind Gegenargumente? Der Bitcoin-Kurs war immer grossen Schwankungen ausgesetzt – vergangenen Dezember stürzte der Kurs von rund 20 000 Dollar innert weniger Stunden um mehr als 20 Prozent. Viele Kritiker sehen im Krypto-Markt ausserdem eine Blase, die demnächst zum Platzen kommen könnte. Nicht zuletzt wird das Bitcoin-Netzwerk mit der steigenden Zahl an Münzen langsamer und Transaktionen immer teurer.

Wo erhalte ich Bitcoins, und was kosten sie? Bitcoins kann man über eine Börse kaufen oder auch als Bezahlung für Waren oder Dienstleistungen akzeptieren. Die Bitcoins werden dann ins eigene Wallet transferiert. Ausserdem gibt es lokale Bitcoin-Händler, bei denen man Bargeld gegen Bitcoins tauschen kann. Nicht zuletzt kann man – mit einem starken Rechner und einer Internetverbindung – auch ­selber Bitcoins herstellen ­(siehe «Mining»).

Wie führe ich eine Zahlung mit Bitcoins durch? Einmal eingerichtet, ist eine Zahlung mit Bitcoins einfach: Man gibt auf dem Computer oder Smartphone die Adresse des Empfängers und den Betrag ein und drückt auf Senden.

Welche Unternehmen nehmen Bitcoins, Litecoins etc.? Eine (unvollständige) Übersicht der Firmen, die mit Kryptowährungen arbeiten, bietet die Website www.coinmap.org.

Wo erhalte ich weitere Informationen? Nebst Hunderten Artikeln und Anleitungen gibt es auch auf der Videoplattform Youtube hilfreiche Einführungen. ­Sehenswert sind zum Beispiel der Channel «Mach dich unabhängig» sowie die Website von Dr. Julian Hosp.

Erstellt: 19.01.2018, 10:33 Uhr

Artikel zum Thema

Den Maler mit Bitcoins bezahlen

Dällikon Digitale Währungen sind auch in der Region angekommen und werden zunehmend als Zahlungsmittel akzeptiert. Der 39-jährige Maler Swen Weber ist davon überzeugt, dass das System Zukunft hat – doch auch er hat bereits mit den Fall-stricken des Investments Bekanntschaft gemacht. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Newsletter

Die Woche in der Region.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!