Flughafen

Mit einem neuen Kniff die Flughafen-Biber austricksen

Ein Sommergewitter hat den Damm der Flughafenbiber zerstört. Das kommt den Behörden entgegen. Mit einem neuen Trick will man sie nun vom übermässigen Stauen in Pistennähe abhalten.

Der neue Trick ist eine Imitation eines Biberdammes mit Drainage. Das soll die Bauwut der Tiere in geordnete Bahnen lenken. Foto: Balz Murer

Der neue Trick ist eine Imitation eines Biberdammes mit Drainage. Das soll die Bauwut der Tiere in geordnete Bahnen lenken. Foto: Balz Murer

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Das Drama muss sich kurz und heftig abgespielt haben. Für die Biberfamilie vom Flughafen hatte ein starkes Sommergewitter grosse Auswirkungen. Ihr Hauptdamm, der im Himmelbach direkt an der Piste 16/32 in der Nähe des Goldigen Tors liegt, wurde komplett weggeschwemmt. Der Zwischenfall soll sich bereits im Juni ereignet haben. Auch die von der kantonalen Fachstelle für Naturschutz zuvor eingebauten Überlaufrohre samt Schutzgitter wurden mitgerissen.

Dieser Damm im Himmelbach, hier eine Aufnahme vom vergangenen Winter, wurde im Juni komplett weggespült. Bislang haben die Biber an diesem Ort keinen neuen Damm mehr gebaut.

Innert weniger Minuten muss das sonst harmlose Bächlein, das entlang dem Flughafenzaun dahinplätschert, zu einem reissenden Fluss angeschwollen sein, wie eine Spaziergängerin aus Winkel festgestellt hat. Sie ist regelmässig im Naturschutzgebiet unterwegs, wo sich zuletzt auch putzige Biber angesiedelt haben. Doch das zerstörerische Gewitter hat das angestaute Wasser im Bach, das den Kernlebensraum der Biberfamilie darstellt, vollständig abfliessen lassen.

Eine Imitation soll helfen

Auch der Ersatzdamm der Biber, im Nebenzufluss des Himmelbachs, werde nun immer wieder absichtlich von Menschenhand abgetragen, ärgerte sich die Spaziergängerin. Dabei seien die Biber nach wie vor im Revier, hat die Winklerin festgestellt. Obwohl momentan nur wenig Spuren auf deren Anwesenheit hindeuten, habe sie auf einer morgendlichen Pirsch jüngst sogar junge Biber im Himmelbach und dem seitlichen Zufluss unterhalb des Goldigen Tors beobachten können. Das gelingt nur ganz selten. Denn die Tiere sind nachtaktiv, ziemlich scheu und daher recht schwer zu Gesicht zu bekommen. Zumal sie sich gerade an diesem speziellen Ort, zwischen Panzerpiste und Flughafenzaun, gut verstecken vor den vielen Spaziergängern, Joggern, Hündelern und Velofahrern.

Hinter den vermeintlichen Störaktionen am neuerlichen Biberdamm stehen die Fachleute des Kantons. Das Eingreifen hat gute Gründe, denn man wolle verhindern, dass Biber erneut das ganze Flachmoor wie im letzten Winter unter Wasser setzen. Dazu haben sich die Behörden einen neuen Trick einfallen lassen, der sich im Ausland offenbar schon bewährt hat, wenn Biber Bäche und Flüsse zu hoch stauen. «Beaver Dam Analogue», kurz BDA nennt sich das und ist im Grunde eine Biberdamm-Imitation von Menschenhand. Man hoffe so die Tiere zum Dammbau an genau dieser Stelle zu animieren, heisst es aus Fachkreisen. Dabei sorgen geschickt verlegte Drainageschläuche dafür, dass eine genau definierte, «maximal tolerierbare Stauhöhe» nicht überschritten wird. Andere Dämme würden konsequent weggeräumt, heisst es.

Dämme sind ein Dilemma

Seit wenigen Wochen steht eine BDA-Installation im Seitenarm des Himmelbachs. Momentan haben die Biber diese Aufforderung zum Dammbau noch nicht wirklich angenommen. Wenige Meter entfernt versuchen sie die Zugänge zu ihrem Wohn- und Schlafplatz durch eine eigene kleine Bachverbauung zu schützen.

Seit bald einem Jahr sorgen die Nager beim Goldigen Tor immer wieder für Schlagzeilen. Weil ihre Dämme zu einem Dilemma wurden für die behördlichen Naturschutzbeauftragten. Denn nicht nur Biber und ihre Bauten sind geschützt, sondern auch Orchideen und die umliegenden Feuchtwiesen im Flachmoor, welche die Tiere unter Wasser gesetzt hatten. Und weil die seltenen Orchideen im Gegensatz zur wieder erstarkten Biberpopulation nicht davonlaufen können, um sich einen anderen Lebensraum zu suchen, geniessen die Pflanzen in diesem Fall höhere Priorität im Naturschutz.

Zudem ist der Flughafen aus Sicherheitsgründen nicht an neuen Wasserflächen interessiert. Denn das würde mehr massige Vögel in Pistennähe locken. Und so ein Zusammenprall mit einem Triebwerk oder Cockpitfenster könnte ein ernsthaftes Problem für den Flugverkehr darstellen. Daher werden die Biber zwar auch weiterhin im Gebiet bleiben dürfen, aber ihre Dämme müssen quasi behördlich kontrolliert, klein gehalten werden.

Erstellt: 27.08.2019, 18:23 Uhr

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