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Mit Mrs. Molly einmal durch Australien

Reisen Christian Zimmermann wagte einen mutigen Trip. In einer Live-Reportage erzählt er über seine Abenteuer mit einem Einkaufwagen in Australien. Der Fotograf erlebte Unglaubliches.

Die über 3000 Kilometer zu Fuss mit Einkaufswagen quer durch Australien waren für Christian Zimmermann zuweilen anstrengend.
Die über 3000 Kilometer zu Fuss mit Einkaufswagen quer durch Australien waren für Christian Zimmermann zuweilen anstrengend.
Global AV-Produktionen

30 bis 35 Kilometer pro Tag. 34 Grad im Schatten und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. «Ich fragte mich schon, ob das Ganze nicht doch eine Schnapsidee war», erinnert sich Christian Zimmermann aus Flumenthal. Die Verhältnisse waren hart, aber nicht überraschend, denn für den 49-jährigen war dies bereits die vierte Reise nach Australien. Den Start hatte er absichtlich in den Norden gesetzt, damit das Klima auf dem 3059 Kilometer langen Weg nach Süden immer angenehmer wird. «Es war mir bewusst, dass wenn ich die ersten zwei Wochen durchhalte, ich es auch bis ganz in den Süden schaffen werde», sagt Zimmermann, der mit seiner Reportage auch im Unterland gastiert (siehe Kasten).

Von Anfang an war für ihn klar, dass er die Reise zu Fuss bewältigen wollte. Es stellte sich die Frage, wie er sein ganzes Equipment, bestehend aus dem Proviant, der Camping- und der Fotoausrüstung, mitnehmen wollte. Ein Rucksack kam nicht in Frage, da er viel zu schwer gewesen wäre. Seinem Bruder Andreas kam schliesslich die Idee mit dem Einkaufswagen. «Ein Einkaufswägeli kann man überall für nur einen Franken mieten», begründete er schmunzelnd seinen Vorschlag.

Begeisterung für absolut absurde Idee

Vor seiner Abreise im Frühling 2016 nahm Zimmermann deshalbKontakt mit einer australischen Transportmittelfirma auf, von der er einen Einkaufswagen beziehen konnte. Dort angekommen fand er ein einsames Exemplar vor. Mike, der Chef, und zwei Mitarbeiter halfen ihm, den Wagen für die Reise vorzubereiten. Zuerst wurde über die absolut absurd erscheinende Idee nur der Kopf geschüttelt. Nach und nach wuchs die Begeisterung bei den Helfern und sie montierten robustere Räder und einen Deckel an den Einkaufswagen. Zu guter Letzt wurde dem abenteuerlustigen Fotografen der Einkaufswagen geschenkt.

Am Ausgangspunkt für seine Reise, in Darwin, packte er 30 Liter Wasser und Proviant für eine Woche in den Einkaufswagen. Unterwegs hatte Zimmermann immer wieder die Möglichkeit diese aufzufrischen. Vier Tage nach der Ankunft in Australien ging das Abenteuer los.

Aus der Komfortzoneherausgehen

Zimmermann hielt sich zum grössten Teil an den Verlauf des Stuart-Highways, eine der wichtigsten Fernverkehrstrassen Australiens. Einerseits weil es am einfachsten war, den bis zu 120 Kilogramm schwere Einkaufswagen auf festen Strassen zu stossen, und andererseits lief er so keine Gefahr, sich zu verirren. Seine Zeltplätze suchte er sich aus Sicherheitsgründen abseits des Verkehrs im Outback.

«Konflikte mit Tieren waren mit etwas gesundem Menschenverstand einfach zu vermeiden», sagt Zimmermann. Zu Fuss mit seinem Einkaufswagen fiel er aber auf und zog so manchen Blick auf sich. Er begegnete vielen verschiedenen Menschen. Von den meisten wurde er herzlich empfangen, einige offerierten ihm sogar ein kühles Bier. Schnell war er auf der Strasse bei vielen Reisenden als der «Trolley Man» bekannt.

Natürlich musste er während seiner Reise zum Beispiel auf den Luxus eines Kühlschrankes verzichten. Ebenso auf das tägliche Duschen. Das war aber genau einer seiner Gründe für diese Reise: Aus der Komfortzone herauskommen.

Schüler benennenEinkaufswagen

Seine riesige Abenteuerlust motivierte ihn ebenfalls zu diesem Projekt. Das langsame Reisetempo gefiel ihm. So hatte er die Möglichkeit, sehr viel mehr vom Land mitzubekommen, als auf einer Auto- oder Zugreise.

In der School of the Air in Katherine, die ihre Schüler im Fernunterricht über das Internet unterrichtet, durfte Zimmermann über seine Reise erzählen. Er fragte die Kinder nach einem Namen für seinen Einkaufswagen. Aus allen Vorschlägen gefiel ihm «Mrs. Molly the shopping trolley» am besten.

Nach 105 Marschtagen kam er in Adelaide an. Die Firma, bei der er Mrs. Molly organisiert hatte, war in der Zwischenzeit dorthin gezogen. So konnte er die letzten Tage vor seiner Heimreise bei seinen neuen Freunden respektive Einkaufswagen-Sponsoren verbringen. «Auf meiner viermonatigen Reise habe ich eine gewisse Beziehung zu Mrs. Molly aufgebaut, auch wenn sie nur aus Draht besteht», sagt Zimmermann.

In Australien zurücklassen wollte er sie deshalb nicht. Also wurde sie per Schiff und Lastwagen in die Schweiz gebracht. Jetzt steht sie ungenutzt in Zimmermanns Garage und wartet auf das nächste Abenteuer.

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