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Mittelalter und Moderne ergänzen sich

Eine Marktstrasse bildet das Zentrum des Cevi-Zeltlagers im Amphitheater. Dort demonstrieren die Kinder altes Handwerk, das sie auf ihre eigene Art interpretieren. Noch bis am Samstag beschäftigen sie sich im Rahmen des Oberlandlagers mit dem Thema «Mächtiger als Waffen».

Auffällig ist die friedliche Stimmung, die auf dem Gelände des Amphitheaters in Hüntwangen herrscht.
Auffällig ist die friedliche Stimmung, die auf dem Gelände des Amphitheaters in Hüntwangen herrscht.
Leo Wyden
50 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 20 Jahren und rund 50 Helferinnen und Helfer haben dort noch bis am kommenden Samstag ihre Zelte aufgeschlagen.
50 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 20 Jahren und rund 50 Helferinnen und Helfer haben dort noch bis am kommenden Samstag ihre Zelte aufgeschlagen.
Leo Wyden
Das Zeltlager sieht aus der Distanz ganz schön imposant aus.
Das Zeltlager sieht aus der Distanz ganz schön imposant aus.
Leo Wyden
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Auffällig ist die friedliche Stimmung, die auf dem Gelände des Amphitheaters in Hüntwangen herrscht. 650 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 20 Jahren und rund 50 Helferinnen und Helfer haben dort noch bis am kommenden Samstag ihre Zelte aufgeschlagen. Es ist das erste Mal, dass die 20 Cevi-Ortsguppen aus dem Zürcher Oberland ein gemeinsames Lager durchführen.

Die 15-jährige Amelina Wernli ist Mitglied der Sektion Mönchaltdorf und äusserst sich begeistert über die Zusammenarbeit: «Bei uns sind mehrheitlich Frauen dabei. Als wir Hilfe brauchten beim Aufstellen eines Holzmasten, bekamen wir sofort Unterstützung aus andern Sektionen.» Auch ihre Kollegin Corina Kämpfer freut sich über den guten Zusammenhalt. «Wenn nach den Rollenspielen alle zusammen singen, ist das sehr schön», sagt die 17-Jährige. Beiden gefällt die Lagerband, die extra für diese Woche ein Lied komponiert hat. Die jungen Frauen schätzen es sehr, in dieser Umgebung neue Leute kennenzulernen.

Essen verteilen ist eine Herausforderung

An acht Kochstationen mit offenen Feuerstellen und Gulaschkanonen oberhalb der Arena sind insgesamt 40 Personen im Einsatz, damit die Lagerteilnehmenden dreimal pro Tag eine Mahlzeit erhalten. Der verantwortliche Küchenchef ist der 25-jährige Stefan Libiszewski, von Beruf Schlachter. Er sorgt dafür, dass immer genügend Lebensmittel vorhanden sind.

Vom Gesamtbudget, das eine Viertelmillion Franken ausmacht, entfallen 44 000 Franken auf die Verpflegung. Täglich verspeisen die 700 Personen 150 Kilogramm Obst, während der ganzen Woche wird eine Tonne Fleisch zubereitet. «Eine besondere Herausforderung sind die Transportwege von der Küche auf die Tische der einzelnen Gruppen», erklärt der Koch.

Pro Sektion werden die Portionen in die vom Militär zur Verfügung gestellten Transportboxen verpackt und zu den verschiedenen Stationen gekarrt. Dort warten die hungrigen Kids bereits mit Teller und Besteck auf ihr Mittagessen. Am Mittwoch gibt es Riz Casimir, was grossen Anklang findet.

Ohne Sponsoring könnte ein Lager dieses Ausmasses nicht durchgeführt werden. «Wir können auf die Unterstützung zahlreicher Firmen, Organisationen, Kirchen und Privatpersonen zählen», erklärt OK-Miglied Kilian Meier, zuständig für die externe Kommunikation. «Das hilft uns nicht nur bei der Materialbeschaffung, sondern ermöglicht es, den Lagerbeitrag pro Kind bei 250 Franken zu belassen.»

Cevi lebt von der Bandbreite

Das Cevi Oberlandlager steht im Zeichen des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation und hat daher das Motto «Mächtiger als Waffen» gewählt. «Dieses Motto ist aber trotzdem zeitlos. Die Teilnehmenden sollen die Werte und Überzeugungen, die hinter der Refomation stehen, auf die Gegenwart übertragen können», sagt Hauptleiter Martin Kunz, Angehöriger der Sektion Wetzikon.

Mit Rollenspielen wird versucht, das Leben und Wirken des wenig bekannten Reformators Heinrich Bullinger nachzuzeichnen. «Der Cevi ist klar christlich geprägt», sagt Kilian Meier. «Das C im Namen ist die Basis des Vereins. Bei uns sind aber alle Glaubensrichtungen willkommen, das ermöglicht einen spannenden Austausch.»

Nicht nur auf der Bühne spielt das Mittelalter eine Rolle. Auf beiden Seiten der Marktstrasse haben die einzelnen Cevi-Gruppen Stände aufgestellt, an denen sie alte Handwerkskunst neu interpretiert aufleben lassen. Selbst gemalte Flaggen zeigen an, um was es sich handelt. Beim Bleigiessen entsteht ein Anhänger mit dem Logo der Cevi, die Weber bieten an, Freundschaftbändeli zu knüpfen, und die Fischer wollen, dass man die Angelrute so weit wie möglich auswirft. Bei den Steinmetzen haben die Mädchen und Buben die Möglichkeit, aus Speckstein Figuren zu schleifen.

Besonders beliebt ist die Poststelle. «Zwar ist das nicht unbedingt etwas typisch Mittelalterliches, aber die Serviceleistungen kommen sehr gut an», erklärt Kilian Meier. Da die Kinder eine Woche lang aufs Handy verzichten müssen, greifen sie gerne auf den Informationsaustausch auf Papier zurück. So kommen Botschaften von einer Person zur andern – auch Schatzbriefli. Zudem ist es möglich, Postkarten ausserhalb des Lagers zu versenden.

Vier Stunden Aktivitäten pro Tag

Das Programm, das von einem Dreierteam des 12-köpfigen OKs zusammengestellt worden ist, sieht pro Tag vier Stunden Aktivitäten vor. «Zwei davon sind dem Sport gewidmet, die andern zwei irgend einer Art von Ausbildung», sagt Kilian Meier. Eine Gruppe übt zum Beispiel am Morgen, wie ein Kompass zu gebrauchen ist. Am Nachmittag setzen die Kinder dann ihr neu erworbenes Wissen bei einem Orientierungslauf in der Umgebung praktisch um.

Noch bis am Samstag leben die Lagerteilnehmenden in ihrer mittelalterlichen Welt. Danach bauen freiwillige Helfer das Zeltdorf wieder ab. Dazu gehört auch das 28 Meter lange, 18 Meter breite und 12 Meter hohe «Münster», in dem alle 700 Personen Platz finden. Dank Crowd Funding und dem Einsatz von Fachleuten aus der Baubranche war es erst möglich, dieses riesige Zelt aufzustellen. Die massive Holzkonstruktion ist mit 500 Militärblachen bedeckt und hält auch widrigstem Wetter stand, von dem das erste Cevi Oberlandlager bis über die Hälfte der Lagerwoche hinaus verschont geblieben ist.

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