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Mörderische Machenschaften

Die Kammerspiele Seeb feierten Premiere mit dem Stück «Switzerland – Der Fall Patricia Highsmith». Grossen Applaus erhielten nicht nur die Schauspieler, sondern auch der Überraschungsgast des Abends.

Gabor Nemeth als Edward Ridgeway und Monica Marquardt als Patricia Highsmith vollführen im Stück «Switzerland» mit ihren Charakteren eine psychologische Entwicklung, deren Ende nicht voraussehbar ist.
Gabor Nemeth als Edward Ridgeway und Monica Marquardt als Patricia Highsmith vollführen im Stück «Switzerland» mit ihren Charakteren eine psychologische Entwicklung, deren Ende nicht voraussehbar ist.
Urs Brunner

Obwohl die Geschichte um Pa­tricia Highsmith reine Fiktionist, zeigt das Stück «Switzerland» viele bekannte Details aus dem Leben der exzentrischen Schriftstellerin auf. Die Amerikanerin war bekannt für psychologische Kriminalromane, in denen es ihr nicht um die Aufklärung des Verbrechens ging, sondern um die Psychologie des Mordens.

Weltberühmt wurde sie mit dem Roman «Der talentierte Mr. Ripley». Basierend auf diesen Tatsachen schrieb die australische Autorin Joanna Murray-Smith das Stück «Switzerland», denn Highsmith lebte und starb in der Schweiz. Das Stück lebt von der Psycho­logie der Figuren und der erst­klassigen Darbietung der Schauspieler Monica Marquardt als Patricia Highsmith und Gabor Nemeth als Edward Ridgeway.

Ein Thriller mit Tiefgang und Boshaftigkeiten

Patricia lebt zurückgezogen in ihrem Haus im Tessin und hat genug von New York und ihrem Verlag. Dieser verlangt von ihr, eine Fortsetzung der Erfolgsromane über den talentierten Ripley zu schreiben. Edward besucht sie im Auftrag des Verlags. Seine Versuche, Patricia zu weiteren Folgen über Tom Ripley zu überreden, scheitern anfangs am Zynismus der alten Dame. Kein schlechtes Wort ist ihr zu schade, um den ­unbeholfenen Edward zu demütigen. Sie will ihn so schnell wie möglich aus dem Haus haben. Ein Schimpfwort nach dem anderen wirft sie ihm an den Kopf, aber anstatt klein beizugeben, wird der zu Beginn schüchterne Edward immer selbstsicherer. Er nimmt Patricia ihre Boshaftigkeiten nicht mehr wirklich ab. Was verbirgt sich hinter diesem Zynismus von Patricia und was hinter diesem Edward, der je länger, umso redegewandter wird?

Die beiden Schauspieler verstehen es, die Charaktere und ­ihre psychologische Entwicklung während des Stücks mit Raffi­nesse wiederzugeben. Monica Marquardt ist charismatisch, und ihr stechender Blick geht durch Mark und Bein. Gabor Nemeth gelingt die Wandlung vom bie­deren Verlagshelfer zum ebenbürtigen Gegenspieler von Patricia mit Bravour. Das Publikum war beeindruckt. «Brillante Leistung», «wahnsinnig, was die beiden hier bringen», «ein sehr tiefgründiges Stück» und «die Untermauerung mit der Musik war ­unglaublich» waren denn auch die Reaktionen aus dem Publikum. Anhaltender Applaus und Bravorufe untermauerten die Begeisterung der Zuschauer.

Überraschungsgast aus Übersee

Joanna Murray-Smith war der Überraschungsgast an diesem Abend. Die australische Autorin, deren Stücke weltweit aufgeführt werden, ist zurzeit auf Europa-Reise. Sie war eigens aus Berlin angereist, um ihr Stück in Seebzu sehen. «Es gibt für mich nichts Aufregenderes, als das eigene Stück in einer anderen Sprache, in einem anderen Land zu sehen. Dem Regisseur ist es gelungen, dieses Genre von Thriller und Katz-und-Maus-Spiel überzeugend rüberzubringen.»

Wie das Publikum war auchdie Autorin begeistert von Nemeth und Marquardt. «Er spielt die Entwicklung der Figur überzeugend. Und sie hat ein grosses Flair für das Theatralische undist sehr charismatisch. High­smith hatte das auch.»

Regisseur Urs Blaser war zufrieden mit dem Abend, denn die Proben waren eine Herausforderung. «Das Stück ist eine Delikatesse mit morbidem schwarzem Humor. Die Proben jedoch erwiesen sich als schwierig aufgrund der Psychologie der Rollen und des Spiels mit den Emotionen.» Von den Schwierigkeiten war an der Premiere nichts zu spüren. Und der Schluss? Ob Einbildung oder Realität, überraschend ist er auf jeden Fall.Die Kammerspiele Seeb führen das Stück «Switzerland» noch bis zum 18. Februar auf. Weitere Infos unter www.kammerspiele.ch.

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