Regensdorf

Museumsstücke, die vom Himmel fallen

Für die einen ist es Schrott, für die anderen ein wahrer Schatz. Der Regensdorfer Guido Schwarz besitzt seit vergangener Woche abgeworfene Teile einer echten Sojus-Rakete. Dereinst werden diese Komponenten in seinem Swiss Space Museum zu besichtigen sein.

Hier sieht man die Sojus-Rakete der Mission MS-02 auf dem Weg zum Startplatz. Gut zu sehen sind die «Grid Fins» – rechts aussen und oben –, die zu diesem Zeitpunkt noch fest an der Rakete montiert waren.

Hier sieht man die Sojus-Rakete der Mission MS-02 auf dem Weg zum Startplatz. Gut zu sehen sind die «Grid Fins» – rechts aussen und oben –, die zu diesem Zeitpunkt noch fest an der Rakete montiert waren. Bild: NASA/Joel Kowsky

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein paar Dellen weisen die vier Steuerungselemente der Sojus-Rakete schon auf. Doch Guido Schwarz, Leiter des Projekts Swiss Space Museum, ist erstaunt, wie wenige es letztendlich sind. «Wenn man bedenkt, dass diese Raketenteile aus einer Höhe von 80 Kilometern auf dem Erdboden aufgeprallt sind, haben sie in der Tat nur wenig Schaden erlitten», sagt er nicht ohne Stolz. Dass er die vier sogenannten «Grid Fins» nun sein Eigen nennen und sie in der Lagerhalle in Regensdorf aufbewahren kann, grenzt für ihn an ein Wunder. «Solche Teile sind in ganz Europa einmalig.»

Aufprall in der Steppe Kasachstans

Die neuesten Errungenschaften von Guido Schwarz werden einst im Swiss Space Museum, dessen Eröffnung auf Juli 2019 – 50 Jahre nach der ersten Mondlandung – geplant ist, einen ganz besonderen Platz einnehmen. «Diese Raketenteile sind für mich besonders faszinierend, weil ich genau weiss, von welchem Flug und von welcher Rakete sie stammen», sagt der Regensdorfer.

So weiss er haargenau, dass die Sojus-Rakete mit drei Raumfahrern an Bord am 19. Oktober 2016 vom Kosmodrom Baikonur aus ihren Weg zur internationalen Raumstation ISS angetreten hat. «Auf dem Flug in die Erdumlaufbahn werden verschiedene Raketenteile abgeworfen. Aus einer Höhe von 50 Kilometern werden die vier Raketenbooster abgesprengt, und in rund 80 Kilometern Höhe der Fluchtturm. Die Teile fallen dann in Kasachstan in die unbesiedelte Steppe», erklärt er.

Ins streng bewachte Sperrgebiet haben nur ein paar wenige Alteisenhändler Zutritt. Diese sammeln das abgeworfene Material ein und verkaufen es zur Wiederverwertung oftmals nach China. Oder aber die Alteisenhändler lassen sich dazu überreden, Teile des Materials in die Schweiz zu verkaufen. So erstmals geschehen vor ein paar Jahren.

Der damalige Käufer ist ein Freund von Guido Schwarz, der seit ein paar Jahren erfolgreich Armbanduhren aus geflogenem Raketenmaterial herstellt. Als jener Freund dem kasachischen Händler kürzlich erneut vier Booster einer Sojus-Rakete abkaufen konnte, und diese erfolgreich ins Zwischenlager nach Erstfeld transportierte, rief er umgehend Guido Schwarz an. An einem Sonntagnachmittag sortierten die beiden Weltraumfans dann die Raketenteile. Was nicht für die Uhrenproduktion verwertet werden konnte, durfte Guido Schwarz für sein künftiges Swiss Space Museum behalten.

«Den Weltraumauf die Erde holen»

So kam es, dass ein alter Schulkollege von Schwarz, nämlich der Regensdorfer Gemeinderat und Transportunternehmer Stefan Marty, vergangene Woche eine buchstäblich ausserirdische Fracht ins Furttal transportieren konnte. Marty holte die rund 1,6 x 1,5 Meter grossen Raketen-Elemente in Erstfeld ab und brachte die wertvolle Fracht zu Guido Schwarz nach Regensdorf. Dieser kann sein Glück noch fast nicht fassen: «Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so etwas Wertvolles in den Händen halten darf», sagt er.

Seinem grossen Traum, dereinst mit seinem Swiss Space Museum, den Besucherinnen und Besuchern den Weltraum auf die Erde zu holen, ist er damit wieder ein kleines Stück näher gekommen.

Erstellt: 09.02.2017, 15:07 Uhr

Infobox

Weltraummuseum:Weitere Infos zum Projekt gibt es unter www.swissspacemuseum.ch.

Der Regensdorfer Guido Schwarz zeigt eines der vier Steuerungselemente, das er für sein Swiss Space Museum erhalten hat. (Bild: zvg)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben